Gerichtsurteil

Wem gehört das Zahngold nach dem Tod?

+
Foto: Mitarbeiter eines Hamburger Krematoriums hatten sich an herrenlosem Zahngold bereichert.

Erfurt - Die Frage klingt makaber – juristisch allerdings ist sie durchaus interessant: Wem gehört das Zahngold eines Toten nach der Einäscherung? Dem Toten? Den Angehörigen? Oder dem Krematorium?

Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt hat darauf gestern eine Antwort gegeben: Die Krematorien sind zwar nicht die neuen Eigentümer, urteilten die Richter, sie dürfen aber das „herrenlose“ Zahngold an sich nehmen.

In dem verhandelten Fall ging es um eine Schadensersatzklage der Hamburger Friedhöfe gegen einen ehemaligen Mitarbeiter. Dieser hatte gemeinsam mit Kollegen jahrelang Gold aus der Asche gesammelt und verkauft. Innerhalb von acht Jahren waren so rund 31 Kilogramm zusammengekommen. Der Betreiber des Krematoriums verlangt von dem Mann den Erlös der Verkäufe aus den Jahren 2003 bis 2009 zurück – insgesamt 255.000 Euro. Der Verkäufer argumentiert, dass das Gold der Toten niemandem gehört – und es deshalb keinen Diebstahl geben könne.

Das Gericht sah das anders. Es verwies den Fall zwar zur erneuten Verhandlung an das Landesarbeitsgericht Hamburg. Es entschied aber grundsätzlich, dass das Krematorium einen Schadensersatzanspruch habe, wenn ein Arbeitnehmer Zahngold an sich nehme. Das Krematorium dürfe über die „herrenlosen“ Prothesen verfügen – auch wenn es nicht automatisch Eigentümer sei. Das haben die Hamburger auch getan: Mit dem Verkauf von Prothesen sollen sie sogar eine Weihnachtsfeier finanziert haben. Inzwischen wurde das Sammeln von Zahngold in Hamburg untersagt.

von Stefan Engelbrecht

Kommentare