Massenkarambolage

Geisterfahrt mit zwei Toten auf A1: Lkw-Fahrer in Haft

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Foto: „Die Unfallstelle glich einem Schlachtfeld“: Ein Falschfahrer in einem 40-Tonner hat am Neujahrsabend ein Massenkarambolage verursacht.

Hannover - „Er war merklich angetrunken, das war klar“: Ein Geisterfahrer hat am Neujahrsabend auf der A 1 bei Bremen einen schweren Unfall verursacht – zwei junge Menschen starben. Das Studentenpaar kam aus Hannover. Auch die Polizei äußerte sich bestürzt.

Sie waren noch nicht lange verheiratet, studierten beide in Hannover und waren nach den Weihnachtstagen auf dem Rückweg in die Landeshauptstadt. Das zumindest vermutet die Polizei. Das junge Ehepaar ist am Neujahrsabend bei einem schweren Unfall auf der Autobahn 1 bei Delmenhorst gestorben.Ein Falschfahrer in einem 40-Tonner ließ den Studenten keine Überlebenschance. Der betrunkene Fahrer aus Lettland hatte beim Versuch, im Autobahndreieck Stuhr zu wenden, seinen Sattelschlepper quer zur Fahrbahn gestellt. Dort fuhr das Paar mit seinem Wagen in den Lkw. Der 26 Jahre alte Mann und seine 20-jährige Ehefrau starben in ihrem Pkw.

„Die Unfallstelle glich einem Schlachtfeld“

Insgesamt neun weitere Autos fuhren laut Polizei in die Unfallstelle. Sie rutschten auf der regennassen Fahrbahn in andere Fahrzeuge oder in die Leitplanken, bevor der Lkw-Fahrer Unfallflucht beging. Er wurde später von der Bremer Polizei festgenommen und sitzt seit Mittwochnachmittag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Verden in Untersuchungshaft. Die Ermittler werfen dem 47-jährigen Letten unter anderem fahrlässige Tötung und Unfallflucht vor. Zwei weitere Menschen wurden leicht verletzt. „Zum Glück nur zwei“, sagte der Sprecher der Delmenhorster Polizei, Mathias Kutzner, am Mittwoch. Die Unfallstelle habe einem Schlachtfeld geglichen. Die A 1 war in beide Richtungen bis Mittwochmorgen um 5 Uhr gesperrt.

Der 47 Jahre alte Lkw-Fahrer war nach Polizeiangaben von Mittwoch am Dienstagabend gegen 20.50 Uhr über die Abfahrt Groß Mackenstedt (Landkreis Diepholz) falsch auf die A 1 in Richtung Osnabrück aufgefahren. Auf der Autobahn fiel dem Fahrer sein Irrtum sofort auf. Er versuchte, auf der dreispurigen Fahrbahn zu wenden. Das Auto mit den beiden Studenten aus Hannover prallte als erstes Fahrzeug in den seitlich nicht beleuchteten Auflieger. Vermutlich hatten sie die Weihnachtstage bei ihren Eltern verbracht, wie der Sprecher der Polizei in Delmenhorst, Mathias Kutzner am Mittwoch sagte. Die Familien der beiden stammen aus dem Landkreis Cloppenburg. Ihr Auto ist auf ein Cloppenburger Kennzeichen zugelassen.

Der Lkw-Fahrer beging Fahrerflucht

Dem Lkw-Fahrer kann der Unfall nicht entgangen sein. Dennoch setzte er sein Wendemanöver fort und fuhr noch etwa 25 Kilometer weiter – diesmal in die richtige Fahrtrichtung in Richtung Hamburg. „Er hat das Bremer Kreuz noch passiert“, sagte Polizeisprecher Kutzner, „dann haben die Bremer Kollegen ihn im Bereich Oyten gestoppt.“ Aufmerksame Zeugen hatten den nur leicht beschädigten Lkw den Angaben zufolge verfolgt. Etwa 20 bis 30 Minuten nach seiner Flucht konnte der Fahrer festgenommen werden. „Er war merklich angetrunken, das war klar“, sagte ein Sprecher der Bremer Polizei. Wie stark alkoholisiert der Mann war, sei unklar, sagte Kutzner von der Polizei in Delmenhorst. Der Fahrer habe den Atemalkoholtest verweigert. Die Auswertung der Blutprobe werde noch einige Zeit beanspruchen.

Der Lette war aus England kommend über Belgien auf dem Weg in seine Heimat. Er hatte gefrorenes Fleisch und Geflügel geladen. Das erklärte ein Sprecher des dänischen Logistikunternehmens DSV auf Anfrage. Der Mann habe für ein Subunternehmen des lettischen Ablegers von DSV gearbeitet, sagte der Sprecher. Der Haftbefehl verhindert vorerst, dass der 47-Jährige in seine Heimat zurückkehren kann, obwohl Lettland zur EU gehört. Seine Unfallflucht lasse darauf schließen, dass er sich der Strafverfolgung in Deutschland entziehen könnte, meint die Staatsanwaltschaft in Verden.

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