Niedersachsen will Studenten halten

Geldsegen für die Fachhochschulen

+
„Das bringt Ruhe ins System“: Viele Mitarbeiter an der Hochschule Hannover sollen mit dem Geld vom Land bald unbefristet beschäftigt werden.

Hannover - Mit millionenschweren Fördergeldern für die Fachhochschulen will die Landesregierung mehr Studenten nach Niedersachsen locken oder gleich dort halten. Allein in Hannover werden so 465 Erstsemesterplätze gesichert.

Kein anderes Bundesland verliere derzeit mehr Studierende an Bildungseinrichtungen in anderen Ländern als Niedersachsen, sagte die grüne Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic am Donnerstag in Hannover. 9,9 Prozent aller Studenten stammten aus Niedersachsen, aber nur 6,8 Prozent studierten auch hier. Bis zum Jahr 2020 will das Land nun rund 480 Millionen Euro in die Fachhochschulen investieren.

„Mit diesem Programm geben wir unseren Fachhochschulen Planungssicherheit, schaffen Raum für Innovationen und stärken sie als Motor der regionalen Entwicklung“, sagte die Ministerin. Die Förderung sei ein „enormer Kraftakt“, angesichts des Fachkräftemangels aber eine wichtige Weichenstellung. Den sechs staatlichen Fachhochschulen ermöglicht die jährlich ausgezahlte und unbefristete Finanzspritze von 64 Millionen Euro unter anderem das dauerhafte Angebot von 3400 Studienplätzen für Erstsemester, 2400 davon bereits in diesem Jahr. Bislang waren die Plätze zeitlich befristet.

Darüber hinaus stehen rund 100 Millionen Euro – teils aus EU-Mitteln, teils aus der Dividendenausschüttung der VW-Aktien, die das Land hält – zur Verbesserung der Lehre und für innovative Forschungsprogramme zur Verfügung. Für Hunderte Mitarbeiter an den Fachhochschulen werden die Perspektiven damit deutlich besser: Mit dem zusätzlichen Geld sollen befristete in unbefristete Verträge umgewandelt werden. Das gilt für Professoren genauso wie für den sogenannten wissenschaftlichen Mittelbau. Wissenschaftliche Mitarbeiter haben meist eine unsichere Zukunft. Sie hangeln sich von einem Zweijahresvertrag zum nächsten.

„Das Programm bringt Ruhe in die Hochschule“, sagt Prof. Heike Dieball, Vizepräsidentin der Hochschule Hannover, an der knapp 9000 Studenten eingeschrieben sind. Rund 9,2 Millionen Euro erhält die Hochschule nun zusätzlich im Jahr, damit können 465 Plätze für Studienanfänger dauerhaft erhalten werden. An der Hochschule Osnabrück (12 200 Studenten) werden 725 Erstsemesterplätze gesichert, an der Ostfalia in Braunschweig/Wolfenbüttel 570. Mit der Stärkung der Hochschulen will die Ministerin auch die Chancen für Bildungsaufsteiger erhöhen, die bislang keine akademische Ausbildung haben. Gerade für Menschen, die im Job stünden, seien die Fachhochschulen interessant.

Während die Fachhochschulen am Donnerstag von einem „guten Tag für Niedersachsen“ sprachen, kam von der Landeshochschulkonferenz Kritik. Vorsitzender Prof. Jürgen Hesselbach,zugleich Präsident der Technischen Universität Braunschweig, sieht die Unis jetzt ins Hintertreffen geraten. Dort finanziere das Land nur zusätzliche Aufgaben wie Inklusion, an der chronischen Unterfinanzierung ändere sich nichts.

Mehr Praxisbezug

Jeder Dritte studiert an einer Fachhochschule: An den sechs staatlichen Fachhochschulen sind derzeit rund 49 000 Studierende eingeschrieben. Hinzu kommen noch einmal rund 6000 Studenten an privaten FHs. Landesweit gibt es rund 177 000 Studierende. Der enge Praxisbezug, aber auch die Verzahnung mit der Wirtschaft in dualen Studiengängen gelten als Pluspunkte der FHs. Promotionen dürfen sie nicht vergeben.

Kommentare