Erika Vosseler ist tot

Gerhard Schröders Mutter mit 99 Jahren verstorben

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Foto: Altkanzler Gerhard Schröder mit seiner Mutter Erika Vosseler bei seinem 60. Geburtstag 2004 in Hannover.

Hannover - Erika Vosseler, die Mutter von Altkanzler Gerhard Schröder, ist tot.Wie am Freitag aus Familienkreisen bestätigt wurde, ist die 99-Jährige in einem Seniorenheim in Paderborn gestorben.

„Löwe“ wurde Erika Vosseler von ihren fünf Kindern genannt – eine starke Frau, die, 1913 geboren, wie so viele ihrer Generation auch viel Kraft brauchte, um die Entbehrungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu meistern. Am Donnerstagnachmittag ist Erika Vosseler, die Mutter des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder, im Alter von 99 Jahren in einem Seniorenheim in Paderborn gestorben, wie am Freitag aus Familienkreisen bestätigt wurde. Dort hatte Vosseler zuletzt zusammen mit ihrer Tochter Gunhild Kamp-Schröder gelebt, die sie schon zuvor in einer gemeinsamen Wohnung in Paderborn betreut hatte.

Schröder hat immer ein sehr enges Verhältnis zu seiner Mutter gehabt. Im Jahr 2006 beschrieb er sie in seinen Memoiren als eine Frau „mit unglaublicher Kraft“. Nie habe sie geklagt, immer habe sie darauf gesetzt, dass es sich schon günstig fügen werde, schrieb der SPD-Politiker damals und sprach vom „unendlich optimistischen Gemüt“ seiner Mutter. Dies brauchten Menschen ihrer Generation wohl auch, die zwei Weltkriege, zwei vollständige Geldentwertungen, die Nazi-Diktatur und viele andere Entbehrungen hinnehmen mussten. Ohne eine Hoffnung auf bessere Zeiten wäre die Gegenwart jener Jahre wohl kaum erträglich gewesen.

Erika Vosseler wurde am 2. Oktober 1913 als uneheliches Kind geboren und begann früh, zu arbeiten. Später heiratete sie Fritz Schröder, den Vater Gerhard Schröders. Fritz Schröder fiel während des Zweiten Weltkriegs im Oktober 1944 in Rumänien, als Sohn Gerhard erst ein halbes Jahr alt war. Erika Vosseler teilte fortan das Schicksal so vieler deutscher Frauen: Kriegerwitwe zu sein und die Kinder allein aufziehen zu müssen. Die Mutter verdiente das Geld für sich und ihre Kinder durch Putzen und Fabrikarbeit. Schröder berichtet in seinen Memoiren von harten Nachkriegsjahren – einem dünnwandigen Behelfsheim in Bexten, etwa 20 Kilometer östlich von Bielefeld. Erika Vosseler heiratete erneut – Paul Vosseler, der bereits 1965 an Tuberkulose starb.

Von harten Jahren wollte Erika Vosseler dennoch nie sprechen. Auch eine schwere Kindheit für ihre Töchter und Söhne sah diese selbst nicht, wie Gerhard Schröder versicherte. Trotz vieler Widrigkeiten und eines bescheidenen Monatsbudgets sei seine Mutter „grenzenlos gutmütig“ gewesen, erinnert sich der frühere Regierungschef.

Stolz war sie natürlich auf ihren ältesten Sohn, der sieben Jahre Deutschland regierte. Aber alle ihre Kinder seien ihr gleich lieb, wie sie gern bei einigen öffentlichen Auftritten an der Seite Gerhard Schröders versicherte. „Der hat sich alles hart erarbeitet“, lobte sie ihn dann und hätte ihn gern öfter um sich gehabt: „Siehste Gerhard, ich seh’ dich so oft, aber fassen und drücken, das kann ich dich ja nicht, das gibt es noch nicht im Fernsehen“, sagte sie an ihrem 90. Geburtstag.

Politisch waren Mutter und Sohn einer Meinung: Erika Vosseler wählte die SPD. Schröders politische Einstellung wurde nach seinen eigenen Worten von dem Vorbild seiner Mutter geprägt, die er eine „geborene Sozialdemokratin“ nannte. „Die einfachen Kindertage und der klare Blick darauf haben meinen Kompass bestimmt“, schreibt er in seinen Lebenserinnerungen. Nur einmal, da wich Erika Vosseler von ihrer politischen Linie ab. Ihre Tochter Ilse überzeugte sie, bei einer Kommunalwahl für die Grünen zu votieren.

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