Belgien

Gericht verhandelt über vorzeitige Entlassung von Kindermörder Marc Dutroux

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Foto: Trotz seines Entlassungsantrags wird Marc Dutroux wohl bis an sein Lebensende hinter Gittern bleiben.

Brüssel - Der Auftritt des belgischen Kindermörders Marc Dutroux vor Gericht ist zu Ende. Nach rund zwei Stunden verließen am Montag alle Anwesenden im Brüsseler Justizpalast den Saal, berichteten Augenzeugen. Dutroux selbst soll zurück in seine Zelle im Gefängnis von Nivelles südlich von Brüssel gebracht werden. Das Gericht hatte über Dutrouxs Antrag auf vorzeitige Haftentlassung beraten.

Erstmals seit seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft vor neun Jahren ist der belgische Kinderschänder Marc Dutroux am Montag vor Gericht in Brüssel erschienen. Der meist gehasste Verbrecher des Landes will vorzeitig mit einer elektronischen Fußfessel aus dem Gefängnis kommen. Vor Protesten und Medien abgeschirmt, wurde der 56-Jährige durch eine Seitentür in den Verhandlungssaal geführt. Die Verhörung war indes nur eine Formsache: Die tatsächlichen Aussichten auf Freilassung stehen gleich Null, weil sowohl Staatsanwaltschaft als auch Gefängnisleitung Dutroux für rückfallgefährdet halten.

Aber allein der Gerichtstermin hat die belgische Bevölkerung, vor allem seine Opfer und deren Angehörigen, aufgewühlt. Eine Hundertschaft Polizisten, ein Hubschrauber und eine Spezialeinheit bewachten den Mann, der 1995 und 1996 sechs Mädchen entführt, vergewaltigt und ums Leben gebracht hatte. Vor dem Justizpalast forderte eine Gruppe Rechtsextremisten, pädophile Gewaltverbrecher aufzuhängen. Das Brüsseler Gericht wird in zwei Wochen über den Antrag des Mädchenmörder Marc Dutroux auf vorzeitige Haftentlassung entscheiden. Das sagte Gerichtspräsident Luc Hennart am Montag nach einer zweistündigen Anhörung. Die Stellungnahme werde am Montag, den 18. Februar, in öffentlicher Sitzung verkündet

Dabei geht es zunächst nur um die Fußfessel. Einen Antrag auf vorzeitige Freilassung kann Dutroux erst am 1. April stellen - wenn er - die Untersuchungshaft eingeschlossen - ein Drittel seiner Haftstrafe hinter Gittern gesessen hat. Der Antrag "gehört zu unserem Plan", zitierte die Zeitung "La Libre Belgique" am Montag seinen Anwalt Pierre Deutsch.

Dutroux wurde 1996 festgenommen und 2004 zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine Strafe sitzt er in Nivelles südlich von Brüssels ab, er ist von den anderen Häftlingen isoliert. Weder Staatsanwaltschaft noch Gefängnisleitung halten ihn derzeit für resozialisierungsfähig - auch deswegen, weil er seine Taten nicht bereut hat. Die Opfer und ihre Angehörigen verfolgen das Verfahren mit Entsetzen. Ein Mädchen, dass die Gefangenschaft überlebte, und die Eltern zweier getöteter junger Frauen haben den belgischen Staat vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagt, weil er sie in dem Prozess nicht zu Wort kommen lassen will. Sie sehen darin eine Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonventionen. Nachdem Dutroux' damalige Frau und Komplizin Michelle Martin im vergangenen Jahr aus der Haft entlassen wurde, wird das Land nun erneut mit dem Trauma konfrontiert.

Der Belgier hatte Mitte der 1990er Jahre sechs Mädchen und junge Frauen entführt und vergewaltigt. Zwei von ihnen tötete er, zwei weitere ließ er in einem engen Kellerverlies verhungern.

dapd

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