Wahl in Oldenburg

Gesucht: Die schönste Milchkuh Deutschlands

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Foto: Nach der Waschung wird eine ostfriesische Spitzenkuh wieder zu ihrem, mit frischem Stroh präparierten Standplatz in der Ostfrieslandhalle von Leer geführt.

Leer - Modeln ist harte Arbeit - auch für Kühe. Im Trainingslager bereiten sich die tierischen Schönheiten deshalb auf die Wahl der "Miss Germany" vor. Rund 200 Holstein-Kühe konkurrieren am Donnerstag in Oldenburg um den Titel. Hungerhaken haben bei der Jury keine Chance.

Imke weiß, dass sie etwas Besonderes ist. Immerhin ist sie eine frühere "Miss Ostfriesland". Mit hoch erhobenem Haupt stolziert die Kuh zur Schönheitspflege, tänzelt elegant um den langen Wasserschlauch herum, der sich auf dem Boden schlängelt. Seelenruhig lässt Imke Duschen, Shampoonieren, Abtrocknen und Bürsten über sich ergehen. Am Donnerstag soll sie in Oldenburg bei der Wahl zu Deutschlands schönster Milchkuh antreten. Im Trainingslager wird vorher ausgiebig am großen Auftritt gefeilt.

Seit Tagen sind Imke und ihre Model-Kolleginnen auf Spezialdiät. "Sie bekommen das beste Futter und Heu aus Österreich mit Kräutern von der Almwiese", sagt Anne-Mette Evers vom Verein Ostfriesischer Stammviehzüchter. Ihr Verband schickt 20 schwarz- und rotgefleckte Kandidatinnen in Oldenburg auf den Laufsteg.

Pralle Euter, üppige Rundungen

Rund 200 Holstein-Kühe aus Deutschland und Luxemburg konkurrieren dort um den Titel der tierischen "Miss Germany". Die Rasse ist nach Angaben des Deutschen Holstein Verbands unter den 4,3 Millionen Milchkühen hierzulande die weit verbreitetste. Starke Beine, kräftiger Knochenbau, ein pralles Euter und üppige Rundungen - so sieht eine schöne Kuh aus. Hungerhaken haben bei der Jury keine Chance. Deshalb dürfen sich Imke und ihre Kolleginnen hemmungslos den Bauch vollschlagen.

Rund 25 Kilo Futter vertilgt eine Kuh am Tag, hinzukommt noch jede Menge Heu zum gesunden Naschen. Rund 20 Betreuer kümmern sich in Leer um das leibliche Wohl der Top-Tiere. Die meisten von ihnen sind Profis wie Imke. Trotzdem ist eine Schau immer eine Umstellung. "Sie sind getrennt von ihrer Herde. Sie kennen das Futter und die anderen Kühe nicht", sagt Betreuerin Anja Hinrichs. Sie und ihre Kollegen bereiten die Kühe deshalb behutsam auf das große Schaulaufen vor - und verwöhnen sie dabei rund um die Uhr. Jeden Tag bekommen die Prachttiere ihr Bett in der großen Halle frisch gemacht. Mit Heugabeln und Schaufeln verteilen die Betreuer dafür Stroh und Sägespäne auf dem harten Betonboden, bis eine dicke weiche Schicht entsteht.

Popo-Putzen bei der Kuh

Island, die aktuelle "Miss Ostfriesland", macht es sich schon mal bequem. Über ihrem Kopf surrt ein Ventilator, am Fußende befindet sich die Toilette: ein Eimer, den die Betreuer schnell drunter halten, sobald die Kuh ihren Schwanz hebt. Danach wird der Po mit Papiertüchern abgewischt. Schließlich soll das Fell am Donnerstag schön glänzen und gut fallen.

Hartnäckige Verfärbungen und Wirbel würden da nur stören. Nach der täglichen Dusche bürsten die Betreuer die Haare deshalb sofort in Form. Für einen gut sitzenden Schnitt haben zwei extra aus Kanada eingeflogene Kuhfriseure schon gesorgt. Das perfekte Styling kommt dann kurz vor dem Auftritt auf der Deutschen Holstein-Schau - mit Rasierer, Glanzspray und einigen kleinen Mogeleien.

Denn selbst die Schönste unter den Schönen hat kleine Macken, die es zu kaschieren gilt. Mit einer Gummibürste bearbeitet Meike Kruse den Schwanz von Helena. Die Haare sind weich und lockig - aber viel zu kurz fürs gängige Schönheitsideal. Auf der Schau sei das kein Problem, meint Kruse. "Die bekommt ein Toupet."

dpa

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