Vermehrtes Auftreten in West-Niedersachsen

Gesundheitsamt warnt vor Hanta-Virus

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Foto: Das Hanta-Virus wird von der Rötelmaus übertragen.

Hannover/Osnabrück - In diesem Jahr wurden bereits 17 Fälle des Hanta-Virus gemeldet - vor allem im Westen Niedersachsens. Eine Infektion äußert sich mit grippeähnlichen Symptomen und plötzlich einsetzendem Fieber. Das Virus wird von der Rötelmaus übertragen.

Manchmal kann ein Waldspaziergang krank machen: Grippeähnliche Symptome, plötzlich einsetzendes Fieber – so äußert sich eine Infektion mit dem Hanta-Virus. Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) weist darauf hin, dass es in diesem Jahr einen Anstieg bei dieser Erkrankung gibt. Bis gestern lag die Zahl niedersachsenweit bei 17 gemeldeten Fällen. 2013 waren dem NLGA zum gleichen Zeitpunkt lediglich zwei Fälle gemeldet worden, am Ende des Jahres sind ganze 14 Erkrankungen registriert worden. Das Virus wird von der Rötelmaus übertragen.

„Besonders vorsichtig sollten die Menschen generell in Waldgebieten sein, aber auch in Häusern und Gärten in der Nähe von Wäldern – also überall da, wo Mäuse vorkommen könnten“, sagt Holger Scharlach vom Landesgesundheitsamt. Übertragen wird der Virus durch den Urin oder Kot der Mäuse. Sind die Ausscheidungen der Tiere eingetrocknet, können die Erreger in die Atemluft gelangen und sich auf Menschen übertragen.Eine Hanta-Virus-Erkrankung hat eine Inkubationszeit von zwei bis vier Wochen. Neben grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen kann es auch zu einer Funktionsstörung der Nieren kommen.

Sie macht sich durch Blut im Urin bemerkbar und wird meist erst mittels einer Blutuntersuchung festgestellt. Teilweise klagen Erkrankte auch über Bauchschmerzen und Durchfall. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Hanta-Virus anzustecken, ist in Niedersachsen von Region zu Region unterschiedlich. Laut Landesgesundheitsamt liegt der Schwerpunkt im Landkreis und in der Stadt Osnabrück – von den bislang 17 gemeldeten Fällen diesen Jahres wurden allein acht aus Osnabrück übermittelt. Überhaupt seien seit 2001 aus dieser Region knapp 60 Prozent der niedersächsischen Fälle übermittelt worden. Die übrigen Patientenzahlen des laufenden Jahres verteilen sich über ganz Niedersachsen, betont das Landesgesundheitsamt.

Grund für die Häufung der Fälle in der Region um Osnabrück sind die dortigen großen Buchenwälder – der bevorzugte Lebensraum der Rötelmäuse.
Holger Scharlach vom Lan­des­gesundheitsamt vermutet, dass sich die Population der Nager in diesem Jahr auf einem hohen Niveau befindet, wegen des nicht allzu strengen Winters und der sogenannten Buchenmast im vergangenen Herbst.

„Die Buchenmast ist im Grunde eine Überlebensstrategie des Baumes im Kampf gegen Fraßfeinde“, erklärt Gerhard Bojara, Leiter des Gesundheitsdienstes von Stadt und Landkreis Osnabrück. In einem Mastjahr produzieren Buchen wesentlich mehr Samen, als die Fraßfeinde verwerten können. So bleibt ausreichend Saatgut für eine neue Generation nachwachsender Buchen übrig – aber eben auch reichlich Nahrung für die Rötelmaus. In der Folge steigt die Zahl dieser Nager. Da sie zu den Hauptüberträgern des Hanta-Virus zählen, rechnet das Landesgesundheitsamt mit einer im Verlauf des Jahres noch weiter ansteigenden Zahl an Erkrankungen in Niedersachsen.

Das Hanta-Virus ist in Deutschland seit 2001 meldepflichtig. Einen Impfstoff gibt es bislang noch nicht. Tödlich verläuft die Infektion in Mitteleuropa aber nur sehr selten. Zuletzt hatte es im Jahr 2012 eine größere Infektionswelle gegeben: Am Ende des Jahres wurden damals landesweit insgesamt 143 Fälle gezählt.

Von Christoph Bossmeyer

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