Schulpflichtige Flüchtlingskinder

GEW: 2000 Lehrer fehlen in Niedersachsen

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Mit dem Ende der Sommerferien kommen auch Tausende Flüchtlingskinder an die Schulen. Für die Betreuung fehlt aber Personal.

Hannover - Jeder zweite Flüchtling ist nach Einschätzung der Gewerkschaft GEW ein Schul- oder Kindergartenkind. Um die Betreuung der bis zu 40 000 schulpflichtigen Kinder in Niedersachsen sicherzustellen, muss ausSicht der GEW zusätzliches Personal eingestellt werden.

„Wir brauchen dafür 2000 zusätzliche Beschäftigte oder sogar mehr“, sagte der Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eberhard Brandt, am Dienstag in Hannover. Neben Lehrern seien auch zusätzliche Erzieher und Sozialpädagogen vonnöten. Brandt bezifferte die Kosten dafür auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Auch die FDP-Landtagsfraktion forderte zur Bewältigung ein 100-Millionen-Euro-Bildungsprogramm für Flüchtlinge. Nur so könnten die 2000 zusätzlichen Lehrkräfte finanziert werden.

Sprachlernklassen wichtig für die Integration

Genaue Zahlen zu den schulpflichtigen Flüchtlingen sind wegen der unsicheren Prognosen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge nicht möglich. Die GEW rechnet damit, dass von den rund 80 000 Flüchtlingen, die 2015 in Niedersachsen erwartet werden, etwa die Hälfte in Schulen und Kindergärten untergebracht oder eine Ausbildung absolvieren werden. Der damit verbundene „außerordentlich große Bedarf an Lehrkräften und Sozialpädagogen“ könne nicht aus dem Bestand des Kultusministeriums geschnitten werden, betonte Brandt.

Um eine schnelle und erfolgreiche Integration der Flüchtlinge zu ermöglichen, sei es wichtig, wohnortnah Sprachlernklassen anzubieten, sagte Brandt. Es gehe um mehr Geld und eine enge Abstimmung von Innenministerium, Kommunen und Landesschulbehörde. Die zusätzliche Sprachförderung sei sehr wirksam und müsse auch nach dem Besuch der Sprachlernklassen in den Regelklassen fortgeführt werden. Auch das Personal bei der Landesschulbehörde müsse ausgebaut werden.

Personal wäre verfügbar

Brandt betonte, zur Finanzierung der Stellen müssten sich Bund und Länder schnell auf einen gemeinsamen Weg verständigen. Um die Stellen zu besetzen, müsse zeitnah mit den Ausschreibungen begonnen werden. „Es gibt durchaus das Personal auf dem Markt“, sagte er. Die Hilfe von Pensionären sei nur im ehrenamtlichen Bereich erste Wahl, zunächst sollten arbeitslose junge Lehrer zum Zuge kommen.

Um mit der Situation klar zu kommen, habe die GEW gemeinsam mit dem Verband Bildung und Erziehung und dem Grundschulverband in einem Brief Kultusministerin Frauke Heiligenstadt und Ministerpräsident Stephan Weil (beide SPD) zum Dialog aufgefordert. Dem schließen sich auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP)und Verdi für ihre Mitglieder aus dem öffentlichen Dienst an. Sie fordern zusammen mit der GEWvon der Landesregierung die Einrichtung eines Runden Tisches zur Bewältigung der Flüchtlingskrise.

dpa

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