Landeskriminalamt Niedersachsen

Gewalt an Schulen geht deutlich zurück

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Beherrscht wird der „Tatort Schule“ von den Jungen, Mädchen machen nur ein Fünftel der Tatverdächtigen aus.

Hannover - Nach Angaben des Landeskriminalamtes Niedersachsen (LKA) hat sich die Zahl der Straftaten an Schulen seit 2006 mehr als halbiert. Regional ist der Rückgang der Straftaten an Schulen noch ausgeprägter als im Landesdurchschnitt.

Die Gewalt und Kriminalität an Niedersachsens Schulen ist deutlich zurückgegangen. Nach Angaben des Landeskriminalamtes Niedersachsen (LKA) hat sich die Zahl der Straftaten an Schulen seit 2006 mehr als halbiert. Damals waren der Polizei 10 523 Fälle bekannt geworden, im vergangenen Jahr verzeichneten die niedersächsischen Dienststellen nur noch 4898 Delikte. Den Rückgang erklärt das LKA unter anderem durch „gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Polizei und Schulen“. Außerdem sei die Gewaltprävention mittlerweile ein Schwerpunktthema mit zahlreichen Projekten und Maßnahmen.

Fast jede zweite Straftat an Schulen ist laut LKA ein Diebstahl. Danach kommen Gewalttaten und Sachbeschädigungen. Beherrscht wird der „Tatort Schule“ von den Jungen, Mädchen machen nur ein Fünftel der Tatverdächtigen aus. Etwa zwei Drittel der Tatverdächtigen waren Minderjährige, die in der Regel in Gruppen handelten. Meistens waren sie 14 bis 16 Jahre alt. Die Aufklärungsquote hat sich im Lauf der Jahre ebenfalls verbessert. Sie stieg von 57,2 Prozent im Jahr 2006 auf 67,1 Prozent im vergangenen Jahr. Gewaltdelikte wurden nach wie vor zu 97 Prozent aufgeklärt.

„Schulen sind absolut unterversorgt“

Regional ist der Rückgang der Straftaten an Schulen noch ausgeprägter als im Landesdurchschnitt. Im Kreis Lüchow-Dannenberg etwa gab es alleine von 2009 bis 2013 einen Rückgang um bis zu 50 Prozent. Vor allem Programme zur Alkoholprävention, das Schulbuslotsenprogramm und die Gewaltprävention wirkten sich positiv aus, hieß es. Zu den häufigen Delikten gehören Diebstähle von Fahrrädern, Geldbörsen und Handys sowie Körperverletzung, Sachbeschädigung und Graffiti-Schmierereien.

„Die Zahlen belegen, dass die Präventionsarbeit der Schulen, insbesondere der Lehrkräfte, Früchte trägt“, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). Verantwortlich dafür sei auch die Kooperation von Schulen, Polizei und Staatsanwaltschaft sowie die Unterstützung von den Schulbehörden. Die Ministerin sicherte den Schulen auch künftig Unterstützung bei Präventionsprogrammen zu.

„Die Schulen sind absolut unterversorgt, wir brauchen mehr Fachkräfte“, sagt dagegen der Schulexperte der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Niedersachsen, Henner Sauerland. Er fordert mehr Sozialpädagogen und Verfügungsstunden für Betreuungslehrer an den Schulen. „Es spielt eine ganz große Rolle, dass wir Fachkräfte haben, die die Lehrer unterstützen.“ Sozialarbeiter könnten mit den Schülern wesentlich besser ins Gespräch kommen als die Lehrer. „Leider haben wir davon aber viel zu wenig.“

Defizite gebe es auch bei der Zahl der Verfügungsstunden, in denen Klassenlehrer soziale Konflikte in der Klasse besprechen könnten. Bewährt hat sich aus Sicht des GEW-Experten die Kooperation mit der Polizei. „Die Zusammenarbeit hat sich verbessert“, sagt Sauerland.

Christian Link
 und Michael Evers

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