Beleidigungen und Angriffe

Gewalttaten gegen Polizisten nehmen zu

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Die Gewalttaten gegen Polizisten sind in Niedersachsen angestiegen.

Hannover - Polizisten werden bei Einsätzen zunehmend beleidigt und angegriffen. Dabei spielen Alkohol und Respektlosigkeit bei den Tätern eine große Rolle.

Die Aggressionen gegen Polizisten nehmen zu. Immer mehr Beamte werden Opfer von Gewalt. Beleidigungen und Angriffe gehören bereits zum Alltag. Fast 70 Prozent der Tatverdächtigen bei diesen Straftaten haben Alkohol getrunken, sagte Svenja Böhrk, Sprecherin im Niedersächsischen Innenministerium. Dabei seien 86,9 Prozent der ermittelten Angreifer Männer. Vor allem die Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung sind in Niedersachsen gestiegen.

2013 gab es laut Innenministerium insgesamt 261 Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung, das ist eine Steigerung von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für 2014 können dem Innenministerium zufolge noch keine Angaben gemacht werden. Die Zahl von Bedrohungen und Widerstand gegen Polizeibeamte sowie vorsätzliche leichte Körperverletzung sind 2013 gesunken. Damit liegt Niedersachsen allerdings entgegen dem Bundestrend.

Erst seit 2011 werden Polizeibeamte als Opfer von Straftaten differenziert erfasst, ein langfristiger Vergleich ist nur eingeschränkt möglich. Bundesweit wurden 2012 knapp 60.300 Polizisten als Opfer erfasst. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Anzahl der Fälle um 5,4 Prozent, die der Opfer um 9,9 Prozent.

Die Gründe für die steigende Gewalt gegen Polizeibeamte sind vielschichtig. Laut Erhebungen und Befragungen ist das Ansehen der Polizei konstant hoch, sagte Böhrk. Allerdings sei die Hemmschwelle, Polizisten anzugreifen, bei betrunkenen Menschen – vornehmlich sind dies junge Männer – besonders niedrig.

"Alkohol und Respektlosigkeit sind die Hauptgründe für die Zunahme der Gewalt gegen Polizisten", sagte der Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, Dietmar Schilff. Eine normale Ansprache der Beamten werde häufig nicht akzeptiert, vor allem von betrunkenen Jugendlichen oder Feiernden. Es gebe eine erhebliche Aggressivität gegen Polizisten. "Bei einem Einsatz in Hannover wurde sogar ein Feuerlöscher aus einem Hochhaus gezielt auf ein Polizeifahrzeug geworfen, zum Glück wurde niemand verletzt", berichtete Schilff.

Auch hinterhältige Angriffe bei der alltäglichen Arbeit auf der Straße würden stetig zunehmen. Das sei für die Kollegen eine sehr große psychische Belastung. Bedingt dadurch seien auch psychische Erkrankungen gestiegen.

Oft richteten sich die Angriffe gegen den Staat - die Polizei verkörpere die Staatsmacht. "Wir gehen in Schulen und sprechen mit den Schülern, erklären unsere Arbeit und zeigen die Polizisten als Menschen", betonte Schilff. Wichtig sei, die Distanz zur Polizei durch präventive Arbeit zu verringern. Zugleich müsse die Strafe bei Übergriffen schneller erfolgen. Wenn der Angreifer erst ein oder zwei Jahre später zur Verantwortung gezogen werde, mache das wenig Sinn.

Auch Rettungskräfte und Feuerwehr werden zunehmend behindert, missachtet und angegriffen. "Die Rettungskräfte werden teilweise nicht zum Einsatzort durchgelassen, sie werden beleidigt und auch tätlich angegriffen", sagte der Präsident des Niedersächsischen Landesfeuerwehrverbandes Karl-Heinz Banse. Der Respekt und die Achtung vor Rettungskräften schwinde. Im ländlichen Bereich seien diese Probleme noch nicht so extrem, sondern eher in den Städten.

Dass Polizisten in Extremsituationen auch zu Tätern werden und selbst gewalttätig reagieren, war jüngst Thema der Loccumer Gespräche im Kloster Loccum. Bei Castor-Transporten klagten Demonstranten über das brutale Vorgehen der Beamten und auch bei Fußballspielen, Hooligan-Tumulten oder Großveranstaltungen gerate die Polizei in die Kritik. Das grundsätzliche Spannungsverhältnis von polizeilicher Gewaltanwendung zum Zwecke der Gewaltverhinderung werde immer ein unauflösbares Paradoxon bleiben, sagte die Präsidentin des Landeskirchenamtes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Stephanie Springer.

dpa

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