Niels H.

Gibt es weitere Opfer des Todespflegers?

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Foto: Sitzt er bald wieder vor Gericht: Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. im Januar 2015 im Landgericht Oldenburg.

Delmenhorst - Der sogenannte Todespfleger Niels H. muss sich womöglich bald wieder vor Gericht verantworten. Mehrere Angehörige von möglichen weiteren Opfern haben eine Anwältin eingeschaltet. Bei Exhumierungen sollen zuvor entsprechende Hinweise gefunden worden sein. Die Ermittler halten sich bedeckt.

Die Delmenhorster Anwältin Gaby Lübben rechnet mit einer neuen Anklage gegen den sogenannten Todespfleger Niels H. „Ich denke, diese wird im kommenden Jahr vorliegen“, sagt Lübben. An sie hätten sich bereits zwölf nebenklageberechtigte Angehörige gewandt, sagt sie. Lübben hatte bereits im Gerichtsprozess, in dem Niels H. im Februar in fünf Anklagepunkten zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, die Nebenklage vertreten. „Man muss davon ausgehen, dass pro Familie durchschnittlich zwei bis drei Angehörige als Nebenkläger auftreten“, sagt Lübben weiter.

Das könnte als indirekte Bestätigung eines Berichts der „Nordwest-Zeitung“ von Mittwoch gelten, in dem die Rede von bis zu fünf weiteren möglichen Opfern ist. Diese seien bei Exhumierungen auf Friedhöfen in Ganderkesee und Delmenhorst gefunden worden, heißt es in dem Artikel weiter. Die Sonderkommission „Kardio“ und die Staatsanwaltschaft Oldenburg wollten den Bericht allerdings weder bestätigen noch kommentieren. „Wir wollen voraussichtlich Anfang Juli eine Zwischenbilanz der bisherigen Exhumierungen veröffentlichen. Vorher sagen wir zu Ergebnissen nichts“, betont der Soko-Sprecher Stephan Klatte.

Rund 170 Verdachtsfälle

Niels H. hatte vor Gericht gestanden, in bis zu 90 Fällen Patienten eine Überdosis eines Herzmedikaments verabreicht zu haben, um sie anschließend zu reanimieren. Bis zu 30 von ihnen überlebten dies demnach nicht. Die 15-köpfige Sonderkommission geht aber nach Aussage von Klatte rund 170 Verdachtsfällen nach. Zu diesem Zweck überprüft ein Gutachter Krankenakten. Entdeckt er Auffälligkeiten, kann eine Exhumierung des Patienten beantragt werden, die der Amtsrichter schließlich genehmigen muss. Die Leiche werde dann ausgegraben, und es werden Proben genommen, die anschließend in der Medizinischen Hochschule Hannover untersucht werden. Noch am selben Tag werden die Toten wieder bestattet.

Momentan werden Leichen auf einem Friedhof in Delmenhorst exhumiert. „Wenn alle toxikologischen Ergebnisse der bisherigen Exhumierungen vorliegen, werden wir einen Zwischenbericht vorlegen“, sagt Klatte. „Ich bin mir ganz sicher, dass es danach weitere Exhumierungen geben wird“, betont der Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg, Martin Rüppell.

Gaby Lübben zeigte sich bereit, im Fall einer Anklage die Nebenklage erneut zu vertreten. Bereits jetzt sei es möglich, den nebenklageberechtigten Angehörigen im Vorfeld eines möglichen Prozesses zur Seite zu stehen. „Ein entsprechender Antrag ist bei der Staatsanwaltschaft bereits eingereicht“, sagt die Anwältin.

Des Weiteren konnte Lübben nun in zwei von vier Fällen aus dem alten Gerichtsverfahren die Höhe der Entschädigungszahlung an die Angehörigen durch das Klinikum Delmenhorst beziffern. Die Beträge lägen zwischen 10.000 und 40.000 Euro, sagt Lübben. Die Zahlung sei allerdings noch nicht erfolgt. Noch prüften die Anwälte die Höhe der Entschädigung.

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