Pilotprojekt in Bremen

Glück als neues Fach in der Schule

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Foto: Ernst Fritz-Schubert gilt als Erfinder des Schulfachs Glück. Jetzt gibt es in Bremen ein Pilotprojekt.

Bremen - Mit zunehmendem Alter werden wir immer glücklicher, und die Glücklichsten unter uns sind die 65- bis 70-Jährigen. Soweit die Forschung. Und was lernt man daraus? Die Jugend braucht dringend Nachhilfe in Sachen Glück.

In Bremen weiß man das. Dort hat an einer Schule als neues Unterrichtsfach – neben Mathe, Deutsch oder Physik – das Glück seinen Platz im Stundenplan gefunden. Achtklässler lernen in einem Pilotprojekt in der Oberschule an der Schaumburger Straße, was alles zu einem erfüllten Leben gehört. Dem Glück wird wöchentlich eine Doppelstunde eingeräumt.

Eltern haben das Projekt angeschoben. Ihnen reicht es nicht mehr, dass ihre Kinder immer nur Leistung bringen müssen. „Gerade Kinder in der Pubertät lechzen danach, fürs Leben zu lernen“, sagt Initiatorin Ulrike Pape, Mutter einer Schülerin. Ihr Vorschlag für das neue Fach stieß sowohl bei der Schulleitung als auch beim Landesinstitut für Schule auf Zustimmung. Eine Historikerin und eine Theaterpädagogin unterrichten nun regelmäßig die Glückskinder aus der Acht. Zusammen machen sie sich auf die Suche nach dem Sinn, arbeiten an ihrer Zufriedenheit oder stärken das Körperbewusstsein. Die Schüler sollen lernen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und die eigene Persönlichkeit zu stärken – dazu spielen sie Theater, drehen Filme oder machen Konzentrationsübungen und Sport. Denn auch das mache glücklich, sagt die Forschung.

Was in Bremen noch Projektcharakter hat, ist andernorts schon fest verankert. Mittlerweile gibt es über 100 Schulen deutschlandweit, in denen das Fach Glück unterrichtet wird. Ein Großteil davon arbeitet nach dem Konzept von Ernst Fritz-Schubert. Der ehemalige Schulleiter aus Heidelberg ist der Erfinder des Glücks im Unterricht. Er entwickelte 2007 das Fach, weil er meint, dass Schule mehr sein muss als nur ein Ort der Wissensvermittlung. Das baden-württembergische Kultusministerium unterstützte den Vorstoß – auch wenn man dort lieber von „Lebenskompetenz“ statt von „Glück“ sprechen wollte.

Mittlerweile hat Fritz-Schubert ein nach ihm benanntes Institut, das Lehrer fortbildet und Forschung betreibt. Und warum kann Glück nicht im Fach Werte und Normen aufgehen? „Dort steht Belehrung im Vordergrund, Glück setzt auf Eigenerfahrung, und Charakter muss man üben“, sagt Fritz-Schubert. Der Pädagoge hat vor ein paar Tagen Kontakte nach Niedersachsen geknüpft – ein bislang glückloses Land. Dabei haben Befragungen gezeigt, dass Schüler, die ein solches Fach belegen, zufriedener sind.

In Bremen können die Schüler ganz gelassen ihren Glücksstunden entgegensehen. Anders als in anderen Schulen werden hier keine Noten verteilt. Denn eine fünf in Glück macht garantiert unglücklich.

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