Hannovers neuer Supercomputer

Gottfried gibt Gas

+

Hannover - Die Festplatte bietet Platz für acht Billionen Bücher, pro Sekunde kann er 2,6 Billiarden Rechnungen lösen: Der neue Supercomputer an der Leibniz-Uni in Hannover ist temporeich unterwegs, hat 30 Millionen Euro gekostet – und kann doch nicht mit den schnellsten Rechnern der Welt mithalten.

Norddeutschlands schnellster Supercomputer mit der Bezeichnung HLRN-III ist gestern im Rechenzentrum der Leibniz-Universität an der Schloßwender Straße in Hannover in Betrieb genommen worden. Das System besteht aus zwei Teilrechnern; die zweite Einheit befindet sich in Berlin. Benannt sind sie nach dem Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz und dem Computerpionier Konrad Zuse. Die Investitionskosten belaufen sich auf 30 Millionen Euro. Die Hälfte davon trägt der Bund, die andere teilen sich die norddeutschen Flächenländer sowie Hamburg, Bremen und Berlin. „Hochleistungsrechner sind ein absolutes Muss für Konkurrenzfähigkeit in der Spitzenforschung. Es war eine kluge Idee, sich dafür länderübergreifend zusammen zu tun“, sagt Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic.

Derzeit arbeiten nach Angaben von Gabriele von Voigt, Leiterin des Rechenzentrums, 565 Wissenschaftler in 125Großprojekten mit dem Rechner. Zu ihnen zählt beispielsweise Prof. Joachim Sauer mit seinem Team vom Institut für Chemie an der Humboldt-Universität. Der Ehemann von Kanzlerin Angela Merkel war gestern extra nach Hannover gekommen. „Wir entwickeln industrielle Katalysatoren zur effizienten Herstellung von Polymeren“, erklärte er– und schob dann freundlicherweise für die Umstehenden eine Laienversion nach: „Wir wollen beispielsweise erreichen, dass die Allwetterjacken, die sie gerade tragen, durch geringere Verfahrenskosten und weniger Materialeinsatz billiger werden.“

Andere Einsatzgebiete sind etwa die Verbesserung von Windenergieanlagen, Modelle zur Vorhersage von Wirbelstürmen oder die Entwicklung lärm- und abgasärmeren Triebwerken. Hamburg wiederum forscht nach Angaben von Staatsrat Horst-Michael Pelikahn an der Feinsedimentdynamik in Hafenbecken – die Hansestadt will das Schlammproblem besser in den Griff kriegen.

Kommen darf nicht jeder, der etwas zu rechnen hat. Ein wissenschaftlicher Ausschuss prüft die Anmeldungen von Forschungsvorhaben auf Gehalt und Relevanz. „Die Nutzer müssen dann benötigte Rechenleistungen angeben und bekommen Kontingente zugeteilt“, erläutert Gabriele von Voigt. Eine effiziente Nutzung des Supercomputers ist schon deshalb geboten, damit sich die Stromrechnung lohnt. Jährlich müssen die Betreiber des HLRN-III rund vier Millionen Euro an die Versorgungsunternehmen überweisen. Man darf die Rechnersysteme Gottfried und Konrad also durchaus als energieintensive Einheiten bezeichnen. Sie sind allerdings im Gegensatz zu vielen Industriebetrieben nicht von der Ökostromumlage befreit

2615230

Kommentare