Gesundheitsamt

Grippewelle erreicht Niedersachsen

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Bei der wöchentlichen Auswertung von Proben aus Arztpraxen seien 21 Prozent positiv auf Influenza-Viren getestet worden, ab 20 Prozent werde vom Beginn einer Grippewelle gesprochen.

Osnabrück - Die Grippewelle in Niedersachsen hat nach Einschätzung des Landesgesundheitsamtes begonnen. Die aktuellen Daten deuten demnach darauf hin, dass sie stärker ausfallen könnte als in der vergleichsweise schwachen Saison 2013/2014. Bei der Auswertung von Proben aus Arztpraxen seien 21 Prozent positiv auf Influenza-Viren getestet worden.

Das sagte Gesundheitsamtssprecherin Dagmar Ziehm der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitagausgabe). Eine zuverlässige Vorhersage sei aber nicht möglich.

Bei der wöchentlichen Auswertung von Proben aus Arztpraxen seien 21 Prozent positiv auf Influenza-Viren getestet worden, ab 20 Prozent werde vom Beginn einer Grippewelle gesprochen.

Beim Impfstoff sei „mit einer verringerten Wirkung“ zu rechnen, weil die Zusammensetzung des Serums nur bedingt den in dieser Saison auftretenden Virenstämmen entspreche, sagte Ziehm. Trotzdem sei eine Impfung zu empfehlen. Dies gelte besonders für chronisch Kranke, ältere Menschen oder medizinisches Personal.

Laut Medizinern sterben jedes Jahr Tausende Menschen in Deutschland an einer Grippe. In Niedersachsen seien in der aktuellen Saison zumindest bis Ende Januar noch keine Grippetoten gemeldet worden, schreibt die Zeitung unter Berufung auf den Überwachungsbericht des Landesgesundheitsamtes.

Was hilft bei Grippe und Erkältung

Es klingt in der Werbung so einfach. Ein Mittel gegen alles – und schon ist der matte Patient mit Schniefnase wieder fit. So einfach ist es aber nicht, das ist die Bilanz eines Tests von Stiftung Warentest. Ein Expertenteam unter der Leitung von Prof. Dr. Gerd Glaeske hat 300 rezeptfreie Medikamente und weitere Hausmittel auf ihre Wirksamkeit getestet. Glaeske ist einer der Autoren des Nachschlagewerkes „Bittere Pillen“, für das seit 30 Jahren regelmäßig die Wirkung von Arzneimitteln überprüft wird.

Im Test erzielten besonders die sogenannten Kombipräparate wie „Wick MediNait“, „Wick DayMed“, „Grippostad C“ oder „Aspirin Complex“ schlechte Ergebnisse. Diese Mittel erheben den Anspruch, schnell und wirksam gleich mehrere Symptome auf einmal zu bekämpfen. „Dieses ,Gießkannenprinzip‘ ist nicht sinnvoll“, heißt es im Testbericht. Bei jedem Kranken verläuft etwa eine Erkältung unterschiedlich. Manche haben Fieber, andere nicht. Gleiches gilt für Kopfschmerzen, Entzündungen im Rachen oder verstopfte Nasen. Die Kombipräparate wirkten nicht zielgenau, monieren die Experten von Stiftung Warentest.

Für manche Beschwerden sei die Dosierung dann zu gering, gleichzeitig nehme der Patient durch andere Wirkstoffe „unverhältnismäßig schwere Nebenwirkungen“ in Kauf. Die meisten der Kombimittel enthalten zudem Fieber senkende Wirkstoffe. Zu diesen Inhaltsstoffen raten die Experten um Glaeske erst bei einer Temperatur von mehr als 38,5 Grad (rektal gemessen). Denn der Körper heize sich mit gutem Grund auf, sagen die Wissenschaftler: „Das kurbelt das Immunsystem an, sodass es Krankheitserreger besser bekämpft.“ Im Zweifel sei es ohnehin der beste Weg, einen Arzt aufzusuchen.

Wer doch erst einmal ohne ärztlichen Rat zu rezeptfreien Medikamenten greifen will, für den haben die Tester die Wirkstoffe für die einzelnen Krankheitssymptome aufgelistet:

Schmerzen und Fieber: Hier eignen sich demnach Präparate mit den Wirkstoffen Ibuprofen und Paracetamol. Nur Schwangere sollten auf Ibuprofen im letzten Drittel verzichten. Die Medikamente sollten zudem zurückhaltend eingesetzt werden. Das Motto „Viel hilft viel“ gilt hier nicht, denn bei übermäßiger Einnahme wird man nicht schneller gesund, sondern muss mit Nebenwirkungen rechnen. Auch sollte man zunächst nur versuchen, die Temperatur unter 38,5 Grad zu senken. Das viel verwendete Grippemittel Tamiflu wird von der Stiftung Warentest nur als „mit Einschränkung geeignet“ bewertet, es sei nur wenig wirksam. Innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der Symptome eingenommen, soll es die Dauer der Erkrankung nach den verfügbaren Daten nach von 5,2 auf 4,2 Tage senken. Außerdem geriet der Hersteller Roche in die Kritik, weil er zahlreiche Studien zu dem Medikament unter Verschluss halten soll.

Schnupfen: Die Tester empfehlen Präparate mit den Wirkstoffen Xylometazolin und Oxymetazolin, die in zahlreichen sogenannten Nasensprays enthalten sind. Die lassen die Nasenschleimhaut abschwellen. Das erleichtert das Atmen und vermindert die Sekretbildung. Die Mittel sollten aber nicht länger als sieben Tage genommen werden. Nasenduschen mit Salzlösung oder der Wirkstoff Dexpanthenol befeuchten die Nase.

Husten: Dextromethorphan ist für die Experten ein geeigneter Wirkstoff bei trockenem Reizhusten. Für die schleimreiche Hustenvariante seien Azetylzystein und Ambroxol denkbare Mittel – die Tester empfehlen diese aber nur eingeschränkt, da die Wirksamkeit nicht optimal belegt ist.

Halsschmerzen: Die Wirksamkeit von Lutschtabletten mit den Wirkstoffen Ambroxol oder Lidokain sei noch nicht ausreichend erwiesen. Erkältungstees, etwa mit Lindenblütenextrakten, verschafften jedoch Linderung.

In ihrem Resümee raten die Tester um Medikamentenexperte Glaeske zwar nicht gänzlich zum Verzicht auf Medikamente. Ihr eindeutiges Fazit ist aber: Eine Erkrankung dauert. Eine Erkältung brauche im Schnitt etwa sieben Tage, eine Grippe könne bis zu drei Wochen andauern. Selbst die positiv bewerteten Mittel können zwar die Symptome lindern, aber nicht die Krankheitsdauer verkürzen.

Wer sich schützen will oder bei Symptomen Abhilfe sucht, kann auch auf einige nicht wirklich neue Hausmittel zurückgreifen. Trinken regt die Speichelbildung an, das hilft beim Heilen. Am besten wirken warme Erkältungstees. Auch das Inhalieren einer Kochsalzlösung lindert Beschwerden. Und wer mehr als 38,5 Grad Fieber hat oder sich schon mehrere Tage mit den Beschwerden herumschlägt, sollte ohnehin besser zum Arzt gehen, als sich mit rezeptfreien Medikamenten selbst zu behandeln.

Der komplette Test aus dem Heft 12/2012 der Stiftung Warentest kann für 2,50 Euro unter www.test.de heruntergeladen werden. Dafür auf der Seite den Suchbegriff „Grippe“ eingeben.

Von Gerd Schild

epd

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