Hochwasser in Deutschland

Größter Feuerwehreinsatz der Bundesrepublik

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Bundesweit sind Zehntausende Feuerwehrleute im Einsatz.

- Das Hochwasser stellt Teile Deutschlands weiter vor riesige Probleme. Mittlerweile rollt die Flutwelle gen Norddeutschland. Im Süden und Osten hinterlässt sie Zerstörung.

19.05 Uhr: In Mühlberg (Elbe-Elster) geht die Polizei von Tür zu Tür, um die Menschen zum Verlassen ihrer Häuser aufzufordern.

19.01 Uhr: Warten an der niedersächsischen Elbe: Die Lage sei schwer vorherzusagen und könne sich stündlich ändern, betont eine Sprecherin des Kreises Lüchow-Dannenberg. Von morgen an dürfen Menschen, die nicht dort leben, die Altstadt-Insel Hitzacker nicht mehr betreten. Eine bis Sonntag geplante Zwangsevakuierung wurde zunächst ausgesetzt. Es werde je nach Hochwasserstand aktuell entschieden, heißt es weiter. Die Deichsicherungen im übrigen Kreis sollen bis zum Abend abgeschlossen sein. Deswegen kann am Montag auch in einigen Schulen, die bisher für die Einsatzkräfte gebraucht wurden, wieder Unterricht stattfinden, nur an drei Schulen fällt er noch aus.

18.53 Uhr: Die vom Hochwasser der Elbe bedrohte brandenburgische Stadt Mühlberg (Elbe-Elster) wird derzeit mit Nachdruck evakuiert. Aufrufe zum Verlassen der Stadt sind aus Lautsprecherwagen der Polizei zu hören. Sie fahren durch eine halbleere Kleinstadt, an deren Rand wie bei der Jahrhundertflut 2002 eine fast zehn Meter hohe Wasserwand gegen die teils unsanierten Deiche drückt. Vor vielen Häusern liegen Sandsäcke vor Haustüren und Kellerfenstern, sie sollen im Falle einer Überflutung schützen.

18.37 Uhr: Zum Schutz vor Plünderern will die Dresdner Polizei verstärkt in den evakuierten Gebieten auf Patrouille gehen. Wie die Polizei mitteilte, ist die Kontrolle der Zufahrtswege zu den überschwemmten Stadtteilen ein Schwerpunkt der kommenden Tage. Bislang seien aber keine Plünderungen bekannt. Auch die Deiche will die Polizei weiterhin kontrollieren, um Katastrophentourismus zu verhindern. In Sachsen-Anhalt hält die Polizei ebenfalls verstärkt nach möglichen Plünderern Ausschau.

18.22 Uhr: Weil die Klostermauern nicht mehr ausreichend vor der Saaleflut geschützt werden konnten, ist die Saale-Insel Calbe-Gottesgnaden evakuiert worden. Das teilte der Katastrophenschutzstab des Salzlandkreises mit. Betroffen seien rund 60 Menschen. Spezialisten der Bundeswehr hätten erkannt, dass die Mauer, die als wesentlicher Hochwasserschutz diente, gefährdet sei. Am Nachmittag hatten sich Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und der Landrat des Salzlandkreises, Ulrich Gerstner (SPD), persönlich über die Lage in Gottesgnaden informiert.

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18.09 Uhr: Eine schöne Geste: Die Veranstalter und Teams des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) spenden den vom Hochwasser betroffenen Städten Meißen, Pirna und Herzberg je 100 000 Euro. "Angesichts dieser Eindrücke ist es für uns nicht möglich, mit Scheuklappen durch die Welt zu laufen und uns allein auf ein Autorennen zu konzentrieren", sagte Hans Werner Aufrecht vom Rechteinhaber ITR. Unterstützt wird die Aktion von den Autobauern Mercedes, BMW und Audi, die in der populären Rennserie aktiv sind. Die DTM wird im Zuge der Spendenaktion auf den Großteil der Einnahmen aus dem Rennen am Lausitzring vom 14. bis 16. Juni verzichten. Die Schecks sollen am kommenden Freitag von ITR-Vize Thomas Betzler und drei Fahrern an die Bürgermeister der Städte übergeben werden.

17.40 Uhr: Deutschland erlebt den wohl größten Feuerwehreinsatz der Geschichte der Bundesrepublik. Wie die Deutsche Feuerwehrverband mitteilt, sind seit dem Wochenende fast 70.000 Männer und Frauen im Einsatz. Zum Vergleich: 2002 waren rund 40.000 Feuerwehrangehörige im Hochwassereinsatz.

17.25 Uhr: Über die aktuellen Pegelstände informieren das Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg sowie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

17.20 Uhr: In Magdeburg steigt das Hochwasser der Elbe noch schneller und voraussichtlich deutlich höher als erwartet. Aktualisierte Prognosen vom Nachmittag gingen davon aus, dass am Sonntagvormittag ein Höchststand von 7,40 Metern erreicht werden könnte, teilte Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) mit. Bislang waren für Sonntag 7,20 bis 7,30 Meter erwartet worden. Am Freitagvormittag zeigte laut Trümper in Magdeburg ein Pegel rund 7,20 Meter. Aus den Magdeburger Gebieten östlich der Elbe sollen jetzt alle Alten und Pflegebedürftigen vorsorglich in Sicherheit gebracht werden. Das Krankenhaus der Pfeifferschen Stiftungen mit der Behinderten- und Altenpflege wird evakuiert. Das betreffe mehrere Hundert Menschen. Sie würden in andere Häuser verlegt. Die mehr als 20 000 Magdeburger, die östlich der Elbe wohnen, seien noch nicht dazu aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen, sagte Trümper. Allerdings sei es auch ratsam, am Wochenende das Geschehen von einem anderen Ort aus zu beobachten.

16.59 Uhr: Die staatliche Förderbank KfW will den Hochwasseropfern mit einem Maßnahmenpaket von 100 Millionen Euro helfen. Das Kredite würden zu besonders günstigen Konditionen an Privathaushalte, Unternehmen und Kommunen vergeben, teilte das Institut mit. Unternehmen könnten sich Geld zu einem Zinssatz von 1,0 Prozent zur Behebung der Hochwasserschäden leihen. Private Hausbesitzer könnten einen Höchstbetrag von 50 000 Euro zum selben niedrigen Zinssatz beantragen. Kommunen können nach Angaben der KfW Investitionskredite zu einem Zinssatz von 0,96 Prozent bekommen. Der Aktionsplan Hochwasser der KfW bleibt für ein Jahr in Kraft.

HAZ-Reporter Christian Link berichtet aus den Hochwassergebieten.

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16.40 Uhr: Die Hochwasser-Experten haben ihre Prognose für die erwarteten Wassermassen in der Elbe in Niedersachsen wieder leicht nach oben korrigiert. Der Wasserstand werde bis Sonntag um eineinhalb Meter steigen, teilte die Hochwasserzentrale in Magdeburg am Freitag mit. Die höchsten Pegelstände werden in Niedersachsen nun am Mittwoch erwartet, danach soll der Pegelstand wieder langsam sinken. In Hitzacker wird nach der derzeitigen Prognose wie beim Hochwasser 2011 am Mittwoch ein maximaler Wasserstand von 7,70 Metern erwartet. In Neu Darchau könnte der Höchststand ebenfalls am Mittwoch mit 7,65 Metern erreicht sein - dies würde den bisherigen Rekordwert von 7,49 Metern aus den Jahren 2006 und 2001 in den Schatten stellen.

16.24 Uhr: Die Kleinstadt Mühlberg in Brandenburg wird wegen des Elbhochwassers geräumt. Das haben die Verantwortlichen entschieden. "Die Stadt ist nicht mehr sicher", sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Die Situation an den Deichen sei problematisch. Am Mittag hatte der Elbe-Scheitel die Stadt erreicht. Der Wasserstand lag um 12.00 Uhr bei 9,88 Meter, einen Zentimeter weniger als vier Stunden zuvor. Angelegt sind die Deiche dort auf zehn Meter Wasserhöhe. Der Druck auf die Dämme ist jedoch enorm, es gibt mehre Sickerstellen. Taucher versuchen einen unterspülten Deich zu sichern. Deichläufer kontrollieren ununterbrochen die Schwachstellen.

16.15 Uhr: Viele Soldaten sind auch in Lödderitz in Sachsen-Anhalt im Einsatz, wo Elbe und Saale zusammenfließen. Alle paar Minuten fliegen Hubschrauber das kleine Dorf an, nehmen Paletten auf und fliegen sie zum Deich. Denn die Flutspitze der Saale ist schon da. Der Hochwasserscheitel der Elbe wird für diesen Sonnabend erwartet. Die Folgen der Doppelflut sind ungewiss. "Niemand hat das bisher berechnen können", sagt Landrat Ulrich Gerstner (SPD). Das bedeutet auch Gefahr für das flussabwärts gelegene Magdeburg, wo am Freitag bereits Rekordstände der Elbe gemessen worden sind. "Da, wo es gefährlich ist, da sind wir", sagt Bundeswehr-Sprecher Andrè Sabzog. Fast acht Kilometer Deich werden hier erhöht. Und noch einen Vorzug sieht er im Vergleich zu Freiwilligen. "Wir sind durchhaltefähig." Denn über ein Ende der Einsätze kann noch nicht spekuliert werden, tagelang dürfte das Wasser noch gegen die durchweichten Dämme drücken.

15.51 Uhr: In Damnatz im Kreis Lüchow-Dannenberg ist bereits die Bundeswehr im Einsatz. Das Operationszentrum ist im Feuerwehrhaus untergebracht. "Herzlich willkommen zu den Feuerwehrtagen in Damnatz 08./09. Juni", steht auf einem großen Schild vor der Tür, doch das Fest fällt aus. Oberstleutnant Thomas Iwan ist aus Munster gekommen. "Wir arbeiten in 12-Stunden-Schichten, 100 Soldaten sind immer am Deich."

Dort werden immer neue Paletten mit Sandsäcken angeliefert. Kaum sind sie abgeladen, da fliegen die schweren Säcke von Hand zu Hand nach oben auf die Deichkrone. Ein schier endloser Wall schlängelt sich bis zum Horizont. Im ganzen Landkreis sollen die Deiche um mindestens 30 Zentimeter erhöht werden, 1,2 Millionen Sandsäcke auf 25 Kilometern Länge. Bald ist es getan, hier aber wird noch geschuftet. Sie arbeiten in bunt gemischten Ketten aus Freiwilligen, Feuerwehrleuten sowie Soldaten – und Soldatinnen. "Die machen voll mit, da werden keine Unterschiede gemacht", sagt Oberleutnant Thomas Schütte aus Neustadt.

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15.41 Uhr: Sandsäcke schleppen statt Mathe pauken oder im Büro sitzen: Tausende Menschen sind in Niedersachsen an die Elbe gekommen, um den von Hochwasser bedrohten Bewohnern zu helfen. Ganze Schulklassen sind da, um mit anzupacken. Filis Kurtolli erfuhr über Facebook, dass sie gebraucht wird. "Ich habe die Seite "Hochwasser Niedersachsen" bei Facebook gesehen. Da stand, sie brauchen Helfer", sagt das Mädchen. Wie ihre Freundin Celina Hamann hat sie wegen der Elbfluten schulfrei. "Es macht Spaß, ich habe es mir schwerer vorgestellt", ergänzt die erst 15 Jahre alte Celina. "Helfen ist immer gut und hier wird jeder gebraucht." Im Kieswerk in Neu Tramm im Kreis Lüchow-Dannenberg sind die beiden Mädchen damit beschäftigt, Sandsäcke zu verschnüren und auf Holzpaletten zu staplen. Die Stimmung ist gut, Celinas Mutter ist auch dabei.

15.25 Uhr: In Halle bleibt die Lage trotz des langsam zurückgehenden Wasserstands der Saale kritisch. "Die Zahlen deuten zwar auf eine Entspannung hin, aber wir sind weiter angespannt", sagte Stadtsprecher Drago Bock. Am Mittag lag der Pegelstand in Halle-Trotha nach Angaben der Hochwasservorhersagezentrale des Landes bei 7,26 Meter. Am Morgen waren es fast 20 Zentimeter mehr. Der Druck auf die Dämme sei dennoch hoch. Einsatzkräfte sicherten noch immer Sickerstellen wie am Gimritzer Damm. Unzählige Menschen mussten in den vergangenen Tagen ihre Häuser verlassen. Viele Teile der Stadt stehen weiter unter Wasser. Noch herrscht Katastrophenalarm.

15.19 Uhr: Obwohl der Hochwasser-Höhepunkt an der Elbe noch aussteht, berät die niedersächsische Landesregierung bereits über mögliche Hilfsgelder für die Opfer der Wassermassen. "Wir haben aber noch keine Einschätzung, worüber wir überhaupt nachdenken müssen", sagte der Chef der niedersächsischen Staatskanzlei, Jörg Mielke, in Hannover. Er hoffe, dass das Kabinett bis zu seiner nächsten Sitzung am Dienstag zumindest einen ersten Rahmen festsetzen könne. Derzeit prüfe das Finanzministerium in diesem Zusammenhang unter anderem, wie hoch die Hilfszahlungen bei vergangenen Hochwasserkatastrophen gewesen seien.

14.50 Uhr: Aus Sicht Österreichs hat deutsches Missmanagement beim Hochwasserschutz die Katastrophe verstärkt. Er wolle nicht direkt von Fehlern sprechen, aber: "Ich glaube, es waren langfristige Fehlentwicklungen, die auch teilweise vorher Experten mitgetragen haben", sagte der österreichische Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) vor dem Treffen der EU-Energieminister am Freitag in Luxemburg.

14.36 Uhr: Eine Übersicht, wo es zurzeit gefährlich ist. Die Grafik hat den Stand von 13 Uhr.

14.29 Uhr: Die Helfer in den Hochwassergebieten bekommen eine freundliche Aufmunterung aus Tunesien. Ministerpräsidenten Ali Larayedh brachte zu seinem Besuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zwei Tonnen Datteln für die Männer und Frauen in den Flutgebieten mit. Merkel sicherte zu, die Datteln nun über das Technische Hilfswerk (THW) verteilen zu lassen.

14.22 Uhr: Die auf einer Insel gelegene Altstadt Hitzackers muss vorläufig doch nicht geräumt werden. Es werde je nach Hochwasserstand aktuell entschieden, sagte ein Sprecher des Kreises Lüchow-Dannenberg. Betroffen sind von einer Evakuierung rund 250 Menschen. Wer jetzt sein Haus verlassen will, mache das freiwillig. Zunächst sollte die Altstadt bis Sonntagmittag evakuiert werden. Die Insel darf allerdings von Sonnabend an nicht mehr von Menschen betreten werden, die dort nicht wohnen. Bereits am Freitag wurde sie für den Autoverkehr gesperrt. Die Altstadtinsel ist von Nebengewässern der Elbe komplett umschlossen.

14.00 Uhr: Das Bundesagrarministerium rechnet mit einer Ausweitung der Hochwasser-Schäden in der Landwirtschaft. Bislang seien Schäden von rund 173 Millionen Euro bundesweit entstanden, davon fast 75 Millionen Euro in Bayern, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Freitag in Berlin. "Die Höhe des Schadens wird sicher noch steigen." Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind derzeit mehr als 11.000 Soldaten in den Hochwasser-Gebieten im Einsatz, davon mehr als die Hälfte in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Vom Hochwasser geschädigte Landwirte können seit Freitag zudem ein finanzielles Hilfeprogramm in Anspruch nehmen. Die landwirtschaftliche Rentenbank biete Förderdarlehen zu günstigen Konditionen an, sagte der Sprecher des Agrarministeriums.

13.45 Uhr: Den überfluteten Regionen in Bayern und Sachsen drohen neue, schwere Regenfälle. Tief "Ira", das am Freitag über Frankreich lag, zieht ostwärts und bringt vor allem der Südhälfte Deutschlands ein Wochenende mit heftigen Gewittern. Ergiebiger Platzregen, Sturmböen und Hagel seien möglich, sagte Meteorologin Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach voraus. Aller Voraussicht nach werde es Unwetterwarnungen für einige Regionen geben. Wo genau die Gewitter sich bilden, sei nicht klar. "Je weiter südlich, desto größer ist die Gefahr", sagte Paetzold. Die Regenmengen sollen aber nicht mehr so gewaltig ausfallen wie vor wenigen Tagen. Ob aber die Pegelstände der Flüsse zügig sinken, ist fraglich. Die Böden können nicht mehr viel Wasser aufnehmen - sie sind nach Angaben des DWD schon so nass wie seit 50 Jahren nicht mehr. Das verschärft die Hochwassersituation.

13.41 Uhr: In den wegen des Hochwassers evakuierten Gebieten in Sachsen-Anhalt steigt die Angst vor Plünderern. In den besonders stark betroffenen Regionen etwa an der Saale patrouillierten seit Tagen Einsatzkräfte, sagte die Sprecherin der Polizeidirektion Süd, Ulrike Diener. Auch an der Elbe wappnen sich die Beamten nach Angaben der Polizeidirektionen Nord und Ost gegen Einbrecher. Noch sei aus keiner evakuierten Wohnung etwas gestohlen worden, sagte die Sprecherin des Innenministeriums, Anke Reppin, in Magdeburg.

13.25 Uhr: Der langgestreckte Hochwasserscheitel der Elbe hat die Kleinstadt Mühlberg (Elbe-Elster) erreicht. Der Wasserstand lag um 12.00 Uhr bei 9,88 Meter, einen Zentimeter weniger als vier Stunden zuvor. Die Höhe schwankt leicht. Das hohe Niveau werde viele Stunden andauern, sagte Wolfgang Genehr vom Landesumweltamt. "Der Druck auf die Deiche ist enorm, deshalb bleibt die Lage hoch angespannt", bemerkte er. Bei der Jahrhundertflut 2002 stieg der Fluss in Mühlberg auf 9,98 Meter, die Dämme hielten stand.

13.15 Uhr: Die Bundeswehr schickt weitere Soldaten in die Hochwassergebiete in Sachsen-Anhalt. Inzwischen seien 5000 Soldaten in dem Bundesland im Einsatz, sagte ein Sprecher des Landeskommandos in Lödderitz (Salzlandkreis). Dies liegt unweit der Stelle, wo Saale und Elbe zusammenfließen. Weitere 2500 Soldaten seien nach Sachsen-Anhalt im Anmarsch. "Das ist der bundeswehrweit größte Einsatz", sagte der Sprecher.

13.08 Uhr: Wie heftig die Regenfälle seit dem 29. Mai über Deutschland waren, zeigt ein Video, dass die European Space Agency (ESA) bei Facebook gepostet hat.

12.57 Uhr: Nach der Überflutung von Kläranlagen in Thüringen fließt dort das Abwasser von 20 000 Haushalten völlig ungefiltert in den Fluss Weiße Elster. Wie der MDR berichtet, sind die Kläranlagen in Greiz und Berga überschwemmt. Der Greizer Bürgermeister Gerd Grüner (SPD) sagte: "Die Technik und die Verwaltung sind abgesoffen." Er gehe davon aus, dass es überall in den Hochwassergebieten derartige Probleme mit dem Abwasser gebe. Der Zweckverband war wegen des Ausfalls der Telefonanlage durch die Flut nicht erreichbar. Der MDR berichtete unter Berufung auf die Werkleiterin Ines Watzek, die Abwässer seien wohl nicht giftig oder hochbelastet.

12.50 Uhr: Der Schaden durch die Flut für die deutsche Wirtschaft wird nach Befürchtungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags DIHK mehr als elf Milliarden Euro betragen. "2002 betrug der durch das Hochwasser hervorgerufene volkswirtschaftliche Schaden rund 11 Milliarden Euro. In einigen Regionen dürfte das Ausmaß der Schäden eher größer sein als 2002", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der "Rheinischen Post". Die Lage sei aber noch zu unübersichtlich, um das Ausmaß der Schäden abschließend beziffern zu können.

12.44 Uhr: In Magdeburg steigt das Hochwasser der Elbe deutlich schneller und vermutlich höher als erwartet. Aktuelle Prognosen gingen davon aus, dass ein Höchststand von 7,30 Metern erreicht werden könnte, berichtete Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Bislang waren für Sonntag 7,20 Meter erwartet worden. Am Freitagvormittag zeigte laut Trümper in Magdeburg ein Pegel 7,11 Meter, 6,90 Meter waren vorhergesagt. Normal sind für die Elbe in Magdeburg knapp 2 Meter. Der Hochwasserscheitel werde voraussichtlich fünf Tage anhalten. Diese Zeit durchzuhalten, sei die Herausforderung, sagte der Oberbürgermeister. Um ein Überlaufen eines Deiches am Umflutkanal in Höhe des Ortsteils Pechau zu verhindern, werde er derzeit erhöht und verstärkt. Trümper sagte, es seien für Magdeburg 2000 zusätzliche Bundeswehrsoldaten angefordert worden.

12.24 Uhr: Die Deutsche Bahn hat ihre Kulanzregelungen für vom Hochwasser betroffene Fahrgäste bis zum 23. Juni verlängert. Fallen Züge wegen der Flutschäden aus oder verspäten sich stark, werden zuggebundene Fahrkarten für die nächstmögliche Verbindung umgeschrieben. Dabei kann auch ein höherwertiger Zug genutzt werden. Galt die Buchung also zum Beispiel für einen IC, darf auch ein ICE gefahren werden. Tickets und Reservierungen für Reisen in die oder aus den Hochwassergebieten werden auf Wunsch kostenfrei erstattet. Eine Bescheinigung sei nicht erforderlich. Für die Rückgabe von Online-Tickets müssen Fahrgäste im Internet ein Formular ausfüllen. Wurden die Fahrkarten im Reisezentrum oder am Automaten gekauft, sind die Mitarbeiter im Reisezentrum die richtigen Ansprechpartner. Weiterhin hat die Bahn unter 08000/99 66 33 eine kostenlose Hotline geschaltet, weitere Infos gibt es auch hier.

12.10 Uhr: Zeichen der Solidarität: Die Göttinger Händel-Festspiele haben einen Spendenaufruf für ihr Schwester-Festival inHalle gestartet. Es hatte wegen des Hochwassers abgesagt werden müssen und steckt daher in finanziellen Schwierigkeiten. Intendant Tobias Wolff und Festspielleiter Laurence Cummings riefen am Freitag zu Geldspenden auf: Die Zukunft der Händel-Festspiele in Halle sei durch die mit der Absage verbundenen möglichen Geldforderungen bedroht. Sollten alle Ansprüche geltend gemacht werden, werde es das Festival in Halle in seiner bisherigen Form oder womöglich überhaupt nicht mehr geben, heißt es in einem Offenen Brief. In Göttingen gebe es zudem Überlegungen für Benefizkonzerte und -aktionen.

11.50 Uhr: Um die Menschen rechtzeitig vor möglichen Überschwemmungen zu warnen, will der Landkreis Lüchow-Dannenberg ein spezielles Sirenensignal für Katastrophenfälle einsetzen. Das Signal dauert eine Minute und würde bei einem Deichbruch ertönen, wie der Landkreis mitteilte. Ertönt die Sirene, sollten die Anwohner Radio oder Fernsehen einschalten, um weitere Informationen zu erhalten. Die Notrufe 110 und 112 sollten aber nicht für Rückfragen genutzt werden, nur für echte Notfälle.

11.35 Uhr: Alle packen mit an: Über zu wenig Helfer gegen das erwartete Elb-Hochwasser kann sich der Landkreis Lüchow-Dannenberg nicht beklagen. Weil so viele Menschen freiwillig mitanpacken, seien derzeit keine weiteren Helfer nötig, teilte der Kreis amFreitag sogar mit. Genaue Zahlen, wie viele Helfer dort bislang imEinsatz sind, konnte eine Sprecherin zunächst aber nicht sagen.

11.22 Uhr: An der bayerischen Donau bleibt die Hochwasserlage weiter kritisch. Im Raum Deggendorf stand das Wasser am Freitagmorgen bei 7,60 Meter, durchweichte Dämme drohten zu brechen. In Passau meldete die Stadt hingegen weiter leicht zurückgehendes Wasser. Wie der bayerische Hochwassernachrichtendienst berichtete, registrierten noch 41 von 239 bayerischen Pegeln Hochwasser. Vor allem an der Donau in Niederbayern blieb es bei der höchsten Meldestufe 4.

10.57 Uhr: Die sozialen Netzwerke sind für viele Freiwillige Helfer seit Tagen ein Mittel der Wahl, um sich über das Hochwasser zu informieren – und Hilfe zu koordinieren. Es gibt zahlreiche Facebook-Seiten, auf denen sich Betroffene und Helfer austauschen können. Bei Twitter werden unter dem Hashtag #hochwasser neueste Pegelstände, Hilfsangebote oder einfach nur Bilder, Lob und Worte des Danks ausgetauscht.

10.45 Uhr: Auch die Situation in den Brandenburger Hochwassergebieten bleibt dramatisch. Die vom Süden her kommenden Wassermassen haben in der Nacht zum Freitag die Deiche stark belastet. Kritisch ist die Lage nach Angaben der Koordinierungsstelle Katastrophenschutz vor allem in Mühlberg an der Elbe. Dort stieg das Wasser in der Nacht bis auf 9,88 Meter. Am Freitagmittag soll der Höchststand erreicht werden. Stündlich nimmt der Wasserstand um knapp einen Zentimeter zu. "Die Lage ist ganz, ganz schwierig", sagt Wolfgang Brandt von der Koordinierungsstelle am Freitagmorgen. Angelegt sind die Deiche in der Stadt auf zehn Meter Wasserhöhe, 2002 stieg das Hochwasser auf 9,98 Meter. Die 2100 Einwohner, die die Stadt freiwillig verlassen sollten, sind bisher zu großen Teilen geblieben. Das größte Problem ist laut der Koordinierungsstelle nicht die Höhe des Wasserstandes, sondern die Dauer des Hochwassers. Brandt rechnet damit, dass es noch etwa eine Woche lang Druck auf die Deiche ausüben wird.

10.37 Uhr: In Sachsen-Anhalt hat sich die Lage am Vormittag zugespitzt. Teile von Bitterfeld und der nahen Gemeinde Muldestausee werden evakuiert. Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld forderte Tausende Menschen auf, sofort ihre Häuser zu verlassen und sich inSicherheit zu bringen. In dem Gebiet leben 10.000 Bewohner. Wegen Sicherungsmaßnahmen am Lober-Leine-Kanal am Seelhausener See erhöhe sich die Gefahr eines Wassereinbruchs in den Goitzschesee. Wenn Wassermassen unkontrolliert in den See laufen, könnten Teile vonBitterfeld überflutet werden.Betroffen von dem Aufruf sind die Bewohner inBitterfeld östlich der Bahnlinie und inFriedersdorf. Von den Tausenden Bewohnern dort haben nach Angaben des Landkreises schon viele die Gefahrenzone verlassen.

10.21 Uhr: Die auf einer Insel gelegene Altstadt Hitzackers wird bis Sonntag evakuiert. Dies teilte der Kreis Lüchow-Dannenberg am Freitagvormittag mit. "Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Ab einem bestimmten Pegel muss der Landkreis handeln." Bereits ab heute ist die Insel für den Autoverkehr gesperrt. Ab Sonnabend gilt dann ein sogenanntes Betretungsverbot für Fremde. Betroffen sind von der Evakuierung rund 250 Menschen. Die Altstadtinsel ist von Nebengewässern der Elbe komplett umschlossen.

10.00 Uhr: Das Elbe-Hochwasser wird in Niedersachsen ab dem Nachmittag erwartet. Für die besonders bedrohte Kleinstadt Hitzacker werden nun für Dienstag und Mittwoch Höchststände von 7,65 Metern vorhergesagt. Das wäre knapp weniger als die bisherige Höchstmarke von 7,70 Meter und 1,15 Meter weniger als noch vor zwei Tagen prognostiziert wurde. Für die Helfer bedeutet das ein wenig Entspannung, aber keine Entwarnung. "Selbst wenn das kommende Hochwasser nicht so hoch aufläuft wie ursprünglich befürchtet, gibt es dennoch keinen Grund zur Entwarnung. Wir bewegen uns immer noch in den Rekord-Pegelständen von 2006 und 2011", sagt ein Sprecher des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

9.45 Uhr: Auch in Sachsen-Anhalt ist die Lage weiter ernst. Der Pegelstand der Saale in Halle sank weiter, wie der Krisenstab des Innenministeriums mitteilte. Die Lage sei aber nach wie vor bedenklich. Im Kampf gegen die Wassermassen kam am Donnerstagabend in Wittenberg ein 74 Jahre alter Mann ums Leben. Er wurde von einem Baufahrzeug erfasst, das im Sandsäcketransport im Einsatz war.

9.36 Uhr: In Sachsen hat das Elbe-Hochwasser seinen Höhepunkt erreicht. In Dresden verharrte der Fluss am Donnerstag stundenlang bei 8,76 Metern. Die Behörden hatten einen Höchststand um die neun Meter geschätzt. Am frühen Freitagmorgen war die Situation in der Stadt nach Angaben eines Sprechers stabil.

Zur Hilfe für die Betroffenen wurden zahlreiche Spendenkonten eingerichtet, hier eine Auswahl:

  1. Diakonie Katastrophenhilfe: Konto 502 502 bei der Evangelischen Darlehnsgenossenschaft, BLZ 210 602 37, Kennwort „Fluthilfe Deutschland“.
  2. Caritas International: Konto 202 bei der Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 660 205 00, Kennwort „Hochwasseropfer 2013 in Mitteleuropa“.
  3. Aktion Deutschland Hilft: Konto 10 20 30 bei der Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Kennwort: „Hochwasser-Hilfe 2013“.
  4. Deutsches Rotes Kreuz: Konto 41 41 41 bei der Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Kennwort „Hochwasser“.
  5. Diakonie Sachsen: Konto 100 100 100 bei der LKG Sachsen, BLZ 350 601 90, Kennwort „Hochwasser 2013“.
  6. Diakonie Mitteldeutschland: Konto 800 800 0 bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft , BLZ 520 604  10, Kennwort „Fluthilfe Deutschland“.

frs/jhf/dpa

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