Nordsee

Größter Meereswindpark Bard 1 weiter stromlos

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Foto: Diese Windräder stehen still.

Borkum - In der Nordsee stehen zahlreiche High-Tech-Windräder still. Defekte und fehlende Stromanschlüsse der Meeres-Windparks verursachen Millionenkosten, für die die Stromkunden zahlen müssen.

Beim Netzanschluss von Offshore-Windparks in der Nordsee klemmt es erneut. Der größte deutsche Meereswindpark Bard Offshore 1 mit 80 Windkraftanlagen liefert wegen technischer Schwierigkeiten seit Monaten keinen Strom. Eine Arbeitsgruppe aus dem Stromnetzbetreiber Tennet, dem Windparkbetreiber Ocean Breeze Energy sowie dem Elektronikkonzern ABB suche immer noch die Fehlerquelle, sagte ein Tennet-Sprecher am Mittwoch. Zuvor hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über hohe Kosten für die Stromkunden durch den Verdienstausfall berichtet. Anfang Juli waren die beteiligten Unternehmen noch von einer Behebung der Störung und Zuschaltung des Windparks bis August ausgegangen. Ein neuer Zeitpunkt steht bislang nicht fest. „Wir hoffen, dass die beteiligten Experten in absehbarer Zeit die Fehlerursachen näher einkreisen werden“, sagte Tennet-Sprecher Mathias Fischer. Dazu seien Messungen an den Windenergieanlagen sowie der Umspannstation des Windparks und an der Konverterplattform nötig.

Der aktuelle Zeitplan sehe eine erneute Aufnahme des Betriebs und anschließende Lösungsansätze in wenigen Wochen vor, hieß es bei der HypoVereinsbank der UniCredit, zu der die Betreibergesellschaft Ocean Breeze gehört. Der Windpark-Ausfall hat eine weitere Kehrseite: Auch der nordwestlich gelegene Nachbarwindpark Global Tech 1 ist derzeit ohne Strom. Gut 50 der insgesamt 80 Anlagen sind bereits komplett und sollten ursprünglich bis zur endgültigen Fertigstellung Arbeitsstrom vom Netz Borwin 1 bekommen. Daran ist auch der Bard-Windpark angeschlossen.

Durch die Fehlersuche dort ist dieser Umweg versperrt: Zur Wartung müssen die Windräder über Dieselaggregate mit Strom versorgt werden. Erst im September soll Global Tech 1 auf einen anderen Netzanschluss geschaltet werden und Anfang 2015 nach zweijähriger Verzögerung regulär laufen. Der wirtschaftliche Schaden soll im niedrigen zweistelligen Millionenbereich pro Monat liegen. Der Betreiber macht dafür eine Entschädigung für entgangene Stromerträge nach dem Energiewirtschaftsgesetz geltend.

Ein ähnliches Schicksal hatte der im Juli 2013 fertiggestellte Nordseewindpark Riffgat. Die 30 Anlagen mussten ohne Stromanschluss mehr als sechs Monate Strom für den Wartungsbetrieb aus Dieselmotoren beziehen.

dpa

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