Bewohner von Hitzacker kehren zurück

Das große Aufräumen nach der Flut

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Die Einwohner von Hitzacker dürfen wieder ihre Wohnungen betreten - der Wasserpegel ist unter 7,80 Meter gesunken.

Hitzacker - Die Schutzmauer hat gehalten und die Altstadt in Hitzacker vor dem Schlimmsten bewahrt. Seit Freitag dürfen 280 Einwohner wieder zurück in ihre Häuser. Das große Aufräumen nach dem Hochwasser.

Jens Stübbecke kommt nicht zur Ruhe. Tagelang hat der freiwillige Feuerwehrmann aus Hitzacker die Deiche seiner Heimatstadt verteidigt. Die Wälle haben gehalten. Jetzt schleppt er anstelle von Sandsäcken etliche Möbel, Elektrogeräte und Einrichtungsgegenstände. Sein Restaurant „Canaletto“ in der Altstadt von Hitzacker soll nach der Aufhebung der Evakuierung so schnell wie möglich wieder öffnen. Dazu muss es aber fast komplett wieder eingerichtet werden.

„Als Vorsichtsmaßnahme vor dem Hochwasser haben wir alle Gegenstände ausgeräumt“, sagt Stübbecke. Die Küche und alle Möbel wurden abgebaut, selbst der Teppich wurde herausgenommen. Der Aufwand sei riesig gewesen, doch bei einer Überschwemmung hätte ihn die Neuausstattung des Restaurants rund 40.000 Euro gekostet. Die hätte Stübbecke aus eigener Tasche zahlen müssen. „Die Stadtinsel von Hitzacker ist die rote Zone für Versicherungen“, sagt er. Wie die anderen 280 Einwohner der Altstadt ist er nicht gegen Elementarschäden versichert.

Am Freitagmorgen ist die Evakuierung der Stadtinsel wieder aufgehoben worden. Noch in der Nacht zu Freitag hatte der Pegel der Elbe den kritischen Wert von 7,76 Meter unterschritten. Daraufhin durften zunächst Anwohner, Anlieger und Helfer wieder die Insel betreten. Im „Canaletto“ werden die ersten Besucher nach der Evakuierung allerdings nicht speisen können. Die Gaststätte wird erst am Montagabend öffnen. „Wir brauchen einen Tag Pause“, sagt Stübbecke. Auch seine Frau Swantje ist erschöpft. Während der Evakuierung hat sie für die Helfer Brötchen geschmiert, Hunderte.

Das Geschäft von Elfriede Ritz ein paar Häuser weiter bleibt ebenfalls erst einmal geschlossen. „Wir brauchen zwei Tage, um wieder alles herzurichten“, sagt die Inhaberin. Die Verkaufsräume befinden sich im Erdgeschoss, aber alle Waren liegen nun auf dem Dachboden – aus Schutz vor dem Hochwasser.

Dort liegen auch mehrere Säcke mit brandneuer Kleidung. Ritz hatte sie noch am vergangenen Sonntag in Hamburg für den Weiterverkauf erworben. Kurz nach ihrer Rückkehr nach Hitzacker wurde die Stadtinsel aber evakuiert. „Plötzlich hatte ich ganz viel Sommerkleidung im Angebot, konnte meinen Laden aber nicht mehr öffnen.“

Mindestens zwei Wochen beträgt ihr Verdienstausfall wegen der ausbleibenden Kunden. Immerhin kann sie seit gestern wieder zurück in ihre Mietwohnung, die ebenfalls auf der Stadtinsel liegt. Zusammen mit Tochter Lara war sie während der Evakuierung in einem Hotel untergekommen. Für die 20-Jährige, die am Donnerstag ihre Gesellenprüfung als Tischlerin ablegte, war die Situation besonders anstrengend. „Das war alles ein bisschen viel für sie“, erzählt Mutter Elfriede.

Auch Gastronom Stübbecke kommt das Hochwasser teuer zu stehen. Die Umsatzeinbußen durch das Hochwasser würden mehrere Tausend Euro betragen. Das nimmt er aber gelassen. „Das ist ein Klacks im Vergleich zu den Leuten, die durch das Hochwasser alles verloren haben“, sagt er. Hitzacker habe „echt Glück gehabt“.

Auch Annelotte Meyer ist erleichtert. Das Rekordhochwasser ist an ihrem Haus in der Altstadt spurlos vorbeigegangen. „Mein Keller ist knochentrocken – Gott sei Dank“, sagt sie. Selbst das Grundwasser sei bisher nicht eingedrungen. „Das haben wir der Schutzmauer zu verdanken.“ Die 8,7 Millionen teure Mauer – sie wird in Hitzacker jetzt geliebt.

Christian Link

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