Mobiles Kino Niedersachsen

Große Filme für kleine Dörfer

+
395 Vorführungen in 180 Gemeinden, 60 Zuschauer im Schnitt: Bernhard Gorka bringt das Kino ins Dorf.

Lemwerder - Das Mobile Kino Niedersachsen fährt dahin, wo es keine Filmtheater mehr gibt - und erhält so die Kultur des Programmkinos auf dem Land.

Lachen durchdringt den dunklen Raum im Kulturzentrum in Lemwerder. 20 Kinder sitzen in zwei langen Stuhlreihen, wispern, tuscheln und wippen mit den Füßen. Geduldig, aber auch ein bisschen aufgeregt, warten sie darauf, dass der Beamer endlich anspringt und einen lustigen Film auf die Leinwand wirft. Das Mobile Kino Niedersachsen ist zu Besuch.

Lemwerder ist eine kleine Gemeinde in der Wesermarsch. Rund 7000 Menschen leben dort. Ein Kino gibt es nicht. In solche Städte fahren die Mitarbeiter des mobilen Kinos. Sie haben alles Nötige dabei: Beamer, Leinwand und natürlich einen Film. „Vereine und Institutionen können uns buchen“, erklärt Bernhard Gorka vom rollenden Kino. Er fährt dann in die Dörfer. Alles was er dort braucht sind ein dunkler Raum, eine Steckdose und ein Helfer beim Aufbau. „Den Rest bringe ich mit.“

Gorka tritt vor die wartenden Kinder. Das Gewisper verstummt. Die Kinder wissen schon, dass er was zu sagen hat und danach der Film startet - schließlich ist das Mobile Kino Niedersachsen acht Mal im Jahr in Lemwerder. Aber Gorka spricht nicht nur, er bezieht die Kinder ein, stellt Fragen zu dem Film. Er sagt, dass er nicht bloß Filme zeige, sondern auch Medienkompetenz vermittle. Die Kinder sollen über ihre Erwartungen und das Gesehene sprechen. Heute zeigt Gorka „Sams im Glück“. Zwei Jungs kennen ihn schon. Sie lachen schon beim Vorspann des Films lauthals mit - genau wie die anderen Kinder. Hier und da tuscheln sie über eine besonders komische Stelle, trinken Wasser hörbar durch den Strohhalm und knabbern zwischendurch an kleinen mitgebrachten Snacks. Es ist wie ein gemütlicher Fernsehabend mit Freunden - vor großer Leinwand.

Insgesamt 395 Veranstaltungen in 180 Dörfern haben die Mitarbeiter des mobilen Kinos im vergangenen Jahr landesweit organisiert. „Im Schnitt sind 60 Besucher in unseren Vorstellungen für Kinder, aber auch in denen für Erwachsene“, erklärt Gorka. In Lemwerder sind es immer ein paar weniger. Dann komme es noch darauf an, wie bekannt ein Film ist. Und wie das Wetter ist. An diesem Nachmittag sind es sonnige 30 Grad. „Da habe ich eigentlich gar nicht mit 20 Kindern gerechnet“, gibt Gorka zu.

Dass die jungen Filmgucker nicht nur im Dunklen sitzen, dafür sorgt Gorka schon: In der Mitte des Films gibt es eine Pause. „Die mussten wir machen, weil wir dann den 16-Millimeter-Film im Projektor wechseln mussten.“ Seit sechs Jahren ist mit einem HD-Beamer die moderne Technik beim Mobilen Kino Niedersachsen eingezogen. Die Pause behält Gorka trotzdem bei. Denn Kino soll bei ihm zum Erlebnis werden - nicht einfach „Film gucken, Popcorn essen, nach Hause gehen“, wie er sagt. In der Pause spielt er mit den Kindern ein Gruppenspiel im Garten des Kulturzentrums. „Damit die Kinder gemeinsam etwas machen und nicht nur den Film gucken.“

Das Kulturzentrum Lemwerder hat ein Abo beim mobilen Kino. Jeweils acht Kinotage veranstalten sie gemeinsam. Mit Filmen für Kinder und Erwachsene. Die Filme wählt Gorka aus. Es sind nicht nur populäre Filme, die vor wenigen Monaten erst im Kino liefen, sondern auch unbekannte Schätze. Etwa der Film über die „Abenteuer der kleinen Giraffe Zarafa“ - ein französischer Zeichentrickfilm. „Ein süßer Film. Den würden viele Kinder ohne unser mobiles Kino nie sehen“, ist sich Gorka sicher. Ähnlich ist es mit den Filmen für Erwachsene. An diesem Abend zeigen sie „Life of Pi“ - im November hingegen die Doku „More than Honey“ über die Bienen und die Folgen ihres Sterbens.

„Populäre Filme sind auch bei uns natürlich besser besucht“, erklärt Gorka. „Aber das Kino ist auf dem Dorf ein Ereignis.“ Die Menschen kommen, weil Kino ist. Auch wenn sie noch nichts vom Film gehört haben.

„Und die Pausen sind auch bei den Erwachsenen festes Ritual“, sagt Gorka. Die spielen dann zwar nicht im Garten, aber unterhalten sich bei einem Glas Wein. Bis der Film weitergeht und auch bei den Erwachsenen gespannte Stille herrscht.

Kommentare