Kraut- und Kartoffelfäule

Das große Welken

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Foto: Landwirt Carsten Fricke zeigt eine von Kraut- und Knollenfäule befallene Pflanze. Seine Pflanzen sind allerdings bislang zum größten Teil vom Pilz verschont geblieben.

Hannover - Die Kraut- und Knollenfäule bereitet Niedersachsens Landwirten zurzeit große Sorgen. Die Pilzerkrankung bei Kartoffeln könnte in diesem Jahr zu deutlichen Ernteausfällen führen.

„In diesem Jahr sind besonders viele Pflanzen krank“, sagt Jürgen Schröder, Prüfstellenleiter beim Bundessortenamt in Neustadt am Rübenberge. Auch Joachim Weinert vom Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen spricht von „einem großen Befall“.

Der Pilz greift Stängel und Blätter der Pflanze an und verhindert das Wachstum der Kartoffel. Ursache sei das Wetter der vergangenen Wochen. Feuchte Witterung und eine hohe Luftfeuchtigkeit brächten optimale Bedingungen für den Pilz, sagt Landwirt Carsten Fricke, der in Schwüblingsen (Uetze) auf rund 45 Hektar Kartoffeln anbaut. „Es ist immer ein großes Problem, wenn die Pflanze nicht abtrocknen kann und auch am Tage feucht bleibt.“

Neben der Witterung war aber auch infiziertes Pflanzgut für den Pilzbefall der Kartoffeln verantwortlich, sagt Fricke. Auch können Kartoffeln aus dem vergangenen Jahr, die wegen des milden Winters nicht erfroren sind und noch in der Erde stecken, die Fäule auslösen. „Deswegen ist Dauerfrost für uns sehr wichtig“, sagt Fricke. Das erhöhe die Bodengesundheit und verringere den Krankheitsdruck.

Fricke bestätigte, dass die Kraut- und Knollenfäule in diesem Jahr eine besondere Herausforderung darstellt. „Man kann das Problem zwar mit Pflanzenschutzmitteln in den Griff bekommen“, sagt der Landwirt. „Es gibt aber Flächen, wo in diesem Jahr keine Rettung für die Kartoffeln mehr möglich ist.“ Einige Wochen vor der Ernte dürfen dann gar keine Fungizide mehr gespritzt werden. Es gebe für alle Pflanzenschutzmittel Wartezeiten, in denen die Mittel nicht mehr angewendet werden dürften, sagt Henning Meyer, Landwirt aus Immensen bei Uetze und Vorsitzender der Niedersächsischen Frühkartoffelerzeugergemeinschaft.

In Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr auf 31 800 Hektar Anbaufläche rund 1,37 Millionen Tonnen Speisekartoffeln geerntet. Wie hoch der Schaden für die Landwirte ausfallen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. „Das hängt davon ab, wie lange die Blätter der Pflanze mit Pflanzenschutzmitteln grün gehalten werden können“, sagt Joachim Weinert von der Landwirtschaftskammer.

Der Pilz greift außer dem Stängel auch die Blätter an. „Wenn das Blatt abgestorben ist, wächst die Kartoffel nicht mehr weiter“, erläutert der Pflanzenexperte. Je früher das Blatt nicht mehr zu retten ist, „desto dramatischer der Einbruch bei der Ernte“, sagt Weinert. „Um den Ertragsverlust genau beziffern zu können, müssen wir noch vier bis fünf Wochen warten.“

Symptome zeigen sich nicht gleich

Die Kraut- und Knollenfäule wird durch das Pathogen Phytophthora infestans verursacht. Symptome zeigen sich allerdings erst nach einiger Zeit – zunächst an der Stängelbasis, im weiteren Verlauf entstehen braune Flecken auf dem Blatt. Diese nehmen bei feuchter Witterung schnell an Größe zu.

Wichtig sei es, die Fäule gleich zu Anfang zu eliminieren, sagt Jürgen Weinert von der Landwirtschaftskammer. Dies gelinge am besten mit sogenannten Fungiziden, also Pflanzenschutzmitteln. Um möglichst früh eingreifen zu können, werden Landwirte bei drohendem Pilzbefall durch ein Warnsystem über das Internet informiert.

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