Nach Schiffsunglück

Großreinemachen auf der „Flaminia“

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Was nun? Die „Flaminia“ liegt im Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven.dapd

Wilhelmshaven - Das Schiff ist im Hafen, aber die Probleme der „Flaminia“ sind noch lange nicht gelöst. Experten des Havariekommandos sind am Montag im Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven an Bord des schwer beschädigten Containerschiffs gegangen, um Informationen zu sammeln: Wie schafft man 20000 Tonnen verunreinigtes Löschwasser und die 151 zum Teil zerstörte oder beschädigte Gefahrgutcontainer von Bord?

Was genau die „Flaminia“ geladen hat, ist weiterhin unklar. Fest steht nur, dass sich gefährliche Ladung auf dem Containerschiff befindet, auf dem am 14. Juli ein Feuer ausgebrochen ist. Die Ladungsliste bleibt auch nach Ankunft im Hafen unter Verschluss. Der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees, gab am Montag aber Entwarnung für Umwelt und Bevölkerung: „Es tritt aus dem Schiff nichts aus. Das war auch Voraussetzung für die Fahrt durch deutsche Gewässer, um die Bevölkerung und das Wattenmeer zu schützen.“

Die Bergung wird nach Einschätzung Monsees noch Monate dauern. Verantwortlich ist die Reederei in Buxtehude. Sie sammelt derzeit Angebote von Spezialfirmen wie Remondis und Nehlsen. Was im Einzelnen geschehen muss, ist aber noch unklar. „Wir haben den Patienten noch nicht gesehen“, sagt ein Nehlsen-Sprecher.

Überwacht wird die Entsorgung unter anderem vom Gewerbeaufsichtsamt in Oldenburg, der Stadt Wilhelmshaven und der Niedersächsischen Gesellschaft zur Endablagerung von Sonderabfall (NGS) - einer Gesellschaft mit teilweise hoheitlichen Befugnissen, an der unter anderem das Land und die großen Entsorgungsunternehmen beteiligt sind. Wie die Spezialisten vergehen müssen, ist noch unklar. „Es gibt eine Vorstellung, aber ein Konzept liegt noch nicht vor“, sagt NGS-Geschäftsführer Jörg Rüdiger. „Die Entsorgung kann erst beginnen, wenn die Staatsanwaltschaft von Bord ist. Das braucht Zeit.“ Bis dahin bleibt zum Beispiel unklar, wie schwer kontaminiert die 20 Millionen Liter Löschwasser im Bug des Frachters sind.

Unklar ist auch noch, wie die juristische Aufarbeitung der Havarie der „Flaminia“ vonstatten gehen soll. Nach dem Brand an Bord sind nicht nur Container beschädigt worden. Ein Seemann wurde getötet, ein weiterer wird vermisst. Gestern waren Polizeibeamte an Bord, um unter anderem nach Hinweisen des Vermissten zu suchen. Zuständig wird wahrscheinlich die Staatsanwaltschaft in Hamburg sein. Die Staatsanwaltschaft in Stade hat den Fall dorthin abgegeben. Die Reederei befindet sich zwar in Buxtehude und damit im Zuständigkeitsbereich der Stader Behörde. In Hamburg ist die „Flaminia“ aber ins Schiffsregister eingetragen. „Im Moment gehen wir davon aus, dass wir zuständig sind“, sagt der Hamburger Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. „Wir warten jetzt auf den Bericht der Wasserschutzpolizei und dann werden wir prüfen, ob ein Anfangsverdacht für Straftaten besteht.“

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