Europäischer Tag der Parke

Grüne Oasen in Norddeutschland

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Sechzig Bremer Bürger hatten im Jahre 1865 dafür gesorgt, dass der rund 200 Hektar große Park mitten in der Hansestadt entstehen konnte.

Hannover - In Niedersachsen und Bremen gibt es unübersehbar viele Parks und Gärten. Die Anlagen sind für Städter wichtige Orte, um ein bisschen Urlaub vom Alltag zu machen. Sie sind so wichtig, wie Naturparks, für die es am 24. Mai den Europäischen Tag der Parke gibt.

Als Sophie von der Pfalz im Jahr 1679 als Gattin des Landesherrn Ernst August zu Braunschweig-Lüneburg in die Provinz nach Hannover zog, war sie todtraurig. In Osnabrück, wo ihr Mann bis dahin Fürstbischof war, musste sie ihr neu erbautes Schloss aufgeben, vor allem aber den innig geliebten Garten dahinter. Sie versuchte sich zu trösten, indem sie an ihrem neuen Residenzort erneut einen Park nach ihren Vorstellungen herrichten ließ. Das Resultat war der Große Garten in Herrenhausen. Heute sind die Herrenhäuser Gärten das touristische Topziel der niedersächsischen Landeshauptstadt. „In Norddeutschland sind sie die bedeutendste Parkanlage“, sagt Ronald Clark, Chef der Herrenhäuser Gärten.

Parks sind heute ebenso beliebt wie zur Barockzeit. Aber heute zieht nicht nur die gut betuchte Obrigkeit Nutzen aus ihnen. In den warmen Monaten sind die Gartenanlagen der Städte bevölkert mit Menschen, die sich auf den Wiesen sonnen, Fußball oder Federball spielen, grillen, Musik machen oder hören, lesen oder einfach nur faulenzen. Und das ist auch ganz gut so, sagt Bettina Oppermann vom niedersächsischen Landesverband der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur. „In dem Thema steckt viel Brisanz“, sagt sie. Parks dürften immer wichtiger werden. Sie bieten den Menschen eine Auszeit vom Alltag.

Die Bremer beispielsweise sind stolz auf ihren Bürgerpark. Neben der Blumeninsel Mainau im Bodensee sei der 1865 gegründete Garten die größte private Parkanlage in Deutschland, sagt Parkdirektor Tim Großmann. Träger ist der Bürgerparkverein. Eintritt muss niemand bezahlen. „Es ist ein Park von den Bürgern für die Bürger.“ 2,5 Millionen Euro kostet der Unterhalt jedes Jahr. Das Geld erwirtschaftet der Verein über die Verpachtung von drei Gastronomien und über eine Tombola. Und ein nicht unerheblicher Teil dieser Summe komme über Spenden und Erbschaften herein. „Das ist in Bremen Tradition.“

Wie viele Parks es überhaupt gibt, weiß wohl niemand. Das Problem fange schon bei der Definition an, sagt Rainer Schomann vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Was ist noch ein Garten, was ist schon ein Park? „Der Oldenburger Schlossgarten heißt Garten, ist aber eher ein Park.“ Umgekehrt sei der Stadtpark in Hannover doch eher ein Stadtgarten - wie er früher auch tatsächlich hieß. Einen Park zu unterhalten, ist teuer. „Das ist ein Fass ohne Boden“, sagt Oliver Fok, Chef von Schloss Clemenswerth im emsländischen Sögel. Es gebe ständig etwas zu schneiden in dem 42 Hektar großen Areal, das das 1737 bis 1747 vom Kölner Erzbischof Clemens August errichtete Jagdschloss umgibt. Täglich müssen in dem barocken Park der Rasen gemäht, Bäume gepflegt und Unkraut gejätet werden.

Konflikte mit dem Umweltschutz bleiben dabei nicht aus. „Wenn geschützte Tiere heimisch werden, hat man ganz schnell Probleme mit dem Artenschutz“, sagt Ronald Olomski, wissenschaftlicher Referent beim Niedersächsischen Heimatbund. Fok drückt es diplomatischer aus: „Es gibt unterschiedliche Interessen.“ Und Bremens Parkdirektor Großmann sagt, Konflikte habe man bislang immer in guter Absprache mit den Naturschutzverbänden geklärt. Natürlich gibt es nicht nur in den größeren Städten Parks.

Ein großer Erfolg ist der Park der Gärten in Bad Zwischenahn, der aus der ersten niedersächsischen Landesgartenschau 2002 hervorgegangen ist. „Es ist so etwas wie das Schaufenster niedersächsischen Gartenbaus“, sagt Sprecher Bernhard Kühne. „Viele Gärtner und Baumschulen stellen hier Trends und Neuheiten den Besuchern vor.“ Dass die Niedersachsen große Gartenfans sind, zeigt sich aber nicht nur an den großen Parks. Es gibt auch Klostergärten, viele kleine Bauerngärten oder Künstlergärten wie in Worpswede oder Bossard in Jesteburg, sagt Gartenexperte Clark, der Autor des Gartenreiseführers Deutschland ist. In Niedersachsen wurde auch die Offene Pforte erfunden, bei dem private Gartenbesitzer ihre Tore für die Öffentlichkeit öffnen. Das sei eine starke Tradition im Land, sagt Clark.

dpa

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