Kö in Düsseldorf

Gucci, Prada – und Aldi

+

Düsseldorf - Sie gehört zu den edelsten Einkaufsstraßen in Deutschland: die Kö – kurz für Königsallee – in Düsseldorf. Dort gibt es von Montag an neben den Filialen von Gucci, Prada und anderen Luxusläden einen Supermarkt von Aldi.

Wer früher bei Aldi einkaufte, konnte sich leicht dem Verdacht aussetzen, demnächst werde dann wohl auch der Kuckuckskleber kommen. Doch beharrlich hat der Discounter an seinem Image gearbeitet, das Sortiment aufgehübscht, „Gourmet“-Produktlinien eingeführt und Champagner und Trüffelbutter neben Margarine und Dosenmilch sortiert, und bald lobten selbst Yuppies trotzig den leckeren Lachs. Fast jede Einkommensgruppe kaufe bei Aldi, berichten Konsumforscher. Aber eben nur fast. Nun aber geht Aldi Süd einen Schritt auf die ganz Reichen zu: An der Düsseldorfer Königsallee, Deutschlands teuerster Ladenzeile, eröffnet der blaue Riese am Montag eine Filiale.

Weil der Platz an der „Kö“ so teuer ist, verzichtet Aldi auf den sonst obligatorischen Kundenparkplatz. Drinnen aber soll alles wie immer sein: Angeboten wird auf 1000 Quadratmetern das Standardsortiment aus 1020 Artikeln. Eine Frischetheke, Snacks, Fertigsalate und Fruchtsäfte zielen jedoch verstärkt auf die eilige Laufkundschaft. Pro Kopf lässt sich an der „Kö“ weniger verdienen als am Stadtrand mit Wochenend-Großeinkäufern, dafür kommen vielleicht ein paar mehr Kunden.

Aldi will Geschäfte machen, die noble Adresse sei nur ein „netter Nebeneffekt“, sagt Jan Riemann, der Leiter der Filialentwicklung. Doch für den Imagegewinn nimmt Aldi gegen die eigene Firmenphilosophie Zusatzkosten in Kauf, neben der hohen Miete auch die teure Warenanlieferung durch kleinere Lkw.

Nicht alle Nachbarn sind glücklich, vom Niedergang der „Kö“ ist die Rede. Aldi bedeutet für Gucci und Prada Prestigeverlust. Die meisten fühlen sich allerdings noch halbwegs sicher: Der neue Aldi eröffnet schräg gegenüber vom grauen Hochhaus der Deutschen Rentenversicherung Rheinland. Die todschicke „Kö“-Promenade fängt erst jenseits einer vierspurigen Querstraße an.

Udo Harms

Kommentare