Pfleger tötete Patienten mit Herzmedikamenten

Gutachter zweifelt an Mord

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Foto: Ein Pfleger steht wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs vor Gericht. Neben ihm sitzt seine Verteidigerin.

Oldenburg - Er soll seine Patienten getötet haben statt ihnen zu helfen. Wegen dieses furchtbaren Verdachts steht ein Pfleger in Oldenburg vor Gericht. Er sah die kranken Menschen nur als Objekte, sagen Psychologinnen. Das Landesgericht Oldeburg sieht zurzeit keine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten.

„Wir haben keine Anhaltspunkte dafür momentan“, sagte der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann am Donnerstag während einer Bewertung der bisherigen Erkenntnisse.

Der 37-Jährige muss sich seit September wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs an Patienten am Klinikum in Delmenhorst verantworten. Er soll ihnen eine Überdosis eines Herzmedikaments gespritzt haben, um diese wiederbeleben zu können.

Den Angeklagten beurteilen zwei Psychologinnen unterschiedlich. Der 37-Jährige leide an einer Persönlichkeitsstörung, sagte die Gefängnis-Psychologin am Donnerstag vor dem Landgericht Oldenburg. Dort muss sich der frühere Pfleger wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs an Patienten am Klinikum in Delmenhorst verantworten. Eine Psychologin, die den Mann einige Jahre zuvor begutachtet hatte, sieht dagegen keine Persönlichkeitsstörung vorliegen. Das Gericht hatte den Angeklagten wegen eines Mordversuchs an einem Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation bereits 2008 zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Er sitzt in Oldenburg in Haft.

Gutachter zweifelt an Mord

Nach der Aussage eines Gutachters gibt es nach Angaben von Bührmann jedoch Zweifel, ob einer der Patienten tatsächlich an dem Mittel gestorben ist. Die Kammer wird jetzt prüfen, ob ein Mord deshalb als Mordversuch zu werten ist. Außerdem werden die Richter prüfen, ob die Ermittlungen in dem Fall verschleppt worden sind. Die Polizei untersucht inzwischen den Tod von mehr als 200 Patienten am Klinikum Delmenhorst und früheren Arbeitsstätten des Mannes. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei frühere Kollegen wegen möglicher Versäumnisse.

lni/mhu

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