Vechta

Der „Hackenporsche“ rollt ins digitale Zeitalter

Hannover - Im Landkreis Vechta fahren seit einiger Zeit 16 neue Buslinien. Eine Kombination aus Rufbus, Linienverkehr und digitaler Vernetzung macht es möglich. Vorgestellt wurde das Pilotprojekt jetzt auf der Fachtagung „Hackenporsche 3.0“.

Ein dichtes Netz von Linienbussen im ländlichen Raum - das kann sich kaum noch jemand vorstellen. Dass es immer noch geht, macht der Landkreis Vechta vor: In dem dünn besiedelten Gebiet fahren seit einiger Zeit 16 neue Buslinien. Eine Kombination aus Rufbus, Linienverkehr und digitaler Vernetzung macht es möglich. Vorgestellt wurde das Pilotprojekt jetzt auf der Fachtagung „Hackenporsche 3.0“.

Den kuriosen Namen verdankt die Tagung zwei Themen, mit denen sich viele Senioren in Niedersachsen beschäftigen müssen: Versorgung und Mobilität. Beides wird auf dem Land immer dünner. Grund ist der demografische Wandel mit weniger Kindern, weniger Nahverkehr und weniger Einzelhandel im Dorf. Vor allem ältere und behinderte Menschen stellen diese Entwicklungen vor Probleme. „Der ,Hackenporsche’ vereint diese großen Themen in sich“, sagt Delia Balzer von der Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag (LINGA). Gemeinsam mit der Landesinitiative Mobilität (LiMO) hat diese die Tagung auf die Beine gestellt. Auftraggeber sind das Sozial- und das Wirtschaftsministerium des Landes. Das Ziel: Kommunen, Wirtschaft und Wissenschaft über neue Entwicklungen zu informieren und zu vernetzen.

Wie eine Lösung für mehr Mobilität auf dem Land aussehen kann, machen sie in Vechta vor: Niemand muss dort mehr als 500 Meter zur nächsten Bushaltestelle laufen - dank eines bedarfsorientierten Liniensystems namens moobil+. „Wir haben lange überlegt, wie sich der Öffentliche Nahverkehr ausbauen lässt“, sagt Dirk Gehrmann von der Wirtschaftsförderung. Neue Haltestellen lassen sich wirtschaftlich jedoch nur einrichten, wenn sie auch genutzt werden. Eine Machbarkeitsstudie kam zu der Empfehlung, 16 zusätzliche Linien mit wenigen festen Haltestellen zu versehen - und vielen Bedarfshaltestellen. Sie lassen sich nun über das Internet oder per Telefon buchen, ab dem 10. November soll das auch über eine App möglich sein. Die Fahrer sehen schon jetzt auf einem Tabletcomputer, welche Haltestellen sie anfahren müssen.

Mit dem an der Nachfrage orientierten System konnten die 200 bestehenden Haltestellen um 321 neue ergänzt werden. „Dafür mussten nur Schilder an Laternen montiert werden“, sagt Gehrmann. Das alles hat 260.000 Euro gekostet. Hinzu kommen jährliche Betriebskosten von 994.000 Euro. Die Finanzierung übernehmen die Verkehrsbetriebe, die Städte und der Landkreis Vechta sowie das Land Niedersachsen jeweils zu gleichen Teilen.

Gehrmann ist optimistisch, dass das Projekt über die Pilotphase hinaus weiterläuft: 54.000 Bürger hätten das Angebot seit November 2013 genutzt; die Zahl der Fahrgäste steige jeden Monat um etwa 10 Prozent. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass die Idee auch andernorts Schule mache, glaubt Gehrmann.

Eine schablonenartige Lösung für ganz Niedersachsen gäbe es aber nicht, sagt Daniela Behrens, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium. „Jeder Landkreis muss selbst nach den passenden Lösungen suchen.“ Generell gehe die Entwicklung weg vom Angebot und hin zu den Bedürfnissen der Senioren. Das zeigten auch die anderen Stände der Fachtagung: Unter anderem wurde dort die Braunschweiger App Geniaal Mobil vorgestellt. Sie soll Senioren einmal helfen, den nächsten Arzt zu finden - oder die nächste öffentliche Toilette.

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