Globales Nicht-Verstehen

Hä?

+
Foto: „Hääää?“: Nicht-Verstehen klingt auf allen Sprachen ähnlich.

- Andere Menschen zu verstehen ist nie ganz einfach. Besonders, wenn sie sprechen. Und ganz besonders, wenn sie es in einer anderen Sprache tun. Niederländische Forscher haben ein Wort gefunden, das auf der ganzen Welt verstanden wird.

Schon für das Krähen des Hahns gibt’s nur ein paar hundert Kilometer weiter ein anderes Wort. Wir sagen „Kikeriki“. „Cook-a-doodle-do“ sagt der Brite, „Güggerügü“ der Schweizer. Noch schwieriger wird’s bei Worten wie „Murmeltier“ („Marmot“ in Großbritannien, „Bergmännle“ in der Schweiz), „Küchenschrank“ („cupboard“, „Chuchichäschtli“), oder „Löwenzahn“ („dandelion“, „Chrottepösche“). Verständigung kann problematisch sein.

Aber es gibt Hoffnung. Niederländische Forscher haben jetzt herausgefunden, dass es ein Wort gibt, das in allen Sprachen gleich ist. Jedenfalls so in etwa. Das Wort ist nicht „Stop“ oder „Sex“ oder „Hamburger“, sondern „Hä?“ Oder: in seiner internationalen Schreibweise: „Huh?“.

„Huh?“ kommt überall vor, und es wird überall gleich verwendet: als Zeichen dafür, dass man etwas nicht verstanden hat. Das haben Mark Dingemanse und seine Kollegen Francisco Torreira und Nick Enfield vom Max Planck Institute für Psycholinguistik im niederländischen Nijmegen jetzt herausgefunden. Die Forschungseinrichtung hat gute Beziehungen nach Hannover: Hier befindet sich das Archiv der untergehenden Sprachen; die Volkswagen Stiftung hat die Dokumentation untergehender Sprachen mit bisher 28 Millionen Euro gefördert.

Erstaunlich ist, dass das Wort, das überall auf der Welt verstanden wird, ausgerechnet ein Aufruf zur Verständigung ist. Denn „hä?“ oder „huh?“ heißt ja nichts anders als „Entschuldigung, ich habe sie nicht verstanden. Bitte erklären Sie mir, was Sie meinen“ – nur ein bisschen flotter formuliert.

Aber ist „Hä?“ überhaupt ein Wort?

Ganz sicher, meinen die niederländischen Forscher, schließlich würde „Huh?“ und „Hä?“ in allen untersuchten Sprachen wie ein Wort verwendet – und nicht wie ein Laut, der etwa beim Lachen und Weinen entsteht. Babys kommen nicht auf die Welt und können schon „Hä?“. Sie müssen „Hä?“ erst lernen, ganz so, wie sie jedes andere Wort lernen müssen.

Kurze Äußerungen an der Grenzfläche zwischen Wort und Laut sind ein gut beackertes Feld der Sprachwissenschaft. Ein ganzer Zweig der Linguistik, die Partikelforschung, untersucht solche Worte, die nicht flektiert, also nicht je nach Verwendung verändert werden können. Über Partikel wie „ja“, „mal“, „fast“, „schon“, „auch“ „bloß“ oder „nicht“ werden Konferenzen veranstaltet und Bücher geschrieben. „Hä?“ ist eine großes Thema in der Sprachwissenschaft. Und das mit Recht: Schließlich sorgt es für Verständigung.

Ein Hörbeispiel finden Sie hier.

Kommentare