Das Leben von Nelson Mandela

Vom Häftling zum Präsidenten

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Nelson Mandela im Jahr 1990.

Pretoria - Sein letzter Kampf ist zu Ende. Nelson Mandela, der große Freiheitsheld Südafrikas, stirbt im Alter von 95 Jahren. Ein Rückblick auf ein ereignisreiches Leben.

18. Juli 1918: Nelson Mandela wird als Mitglied der Tembu-Königsfamilie des Xhosa-Volkes bei Umtata im Südwesten des Landes geboren. Sein Vater nennt ihn Rolihlahla („Der Unruhestifter“). Den englischen Vornamen Nelson erhält der Junge erst in der Schule. Mit neun, nach dem frühen Tod seines Vaters, muss er die Schule allerdings schon wieder verlassen.

1938: Mandela beginnt ein Studium in Fort Hare, einer erst 20 Jahre zuvor gegründeten Universität für Schwarze. Er engagiert sich im Studentenrat, wird aber wegen eines Boykottaufrufs von der Uni verwiesen und studiert an anderen Hochschulen weiter.

1952: Zusammen mit seinem Freund Oliver Tambo, der später den Afrikanischen Nationalkongress (ANC) führt, gründet er in Johannesburg die erste von Schwarzen geführte Anwaltskanzlei des Landes.

1958: Heirat mit Nomzamo Winifred, genannt Winnie, Madikizela, einer 16 Jahre jüngeren Sozialarbeiterin.

1960: Der Apartheidstaat gerät zunehmend unter Druck. Der ANC wird verboten. Mandela unterstützt offen den bewaffneten Kampf. Als Anschlagspläne auffliegen, taucht er ab.

August 1962: Mandela wird verhaftet. Er gibt zu, die Ausbildung von Guerillakämpfern organisiert zu haben. Die Ankläger lasten ihm 150 Sabotageakte an.

Juni 1964: Im Prozess verteidigt sich Mandela mit einer großen Rede: „Ich bin stets dem Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft gefolgt. Für dieses Ideal lebe und kämpfe ich. Aber wenn es sein muss, bin ich auch bereit, dafür zu sterben.“ Die Worte gehen um die Welt. Der Richter verurteilt ihn zu lebenslanger Haft.

1964 bis 1990: Auf der Sträflingsinsel Robben Island vor Kapstadt muss er jahrelang im Steinbruch arbeiten. Seine Augen werden schwer geschädigt. Mandela erträgt die Haft mit äußerster Disziplin und erkämpft mit anderen Häftlingen schließlich sogar Erleichterungen: Sie dürfen Fernkurse belegen und Sport treiben.

11. Februar 1990: Umbruch am Kap: Mandela wird freigelassen, ebenso wie alle anderen politischen Gefangenen. Der ANC ist wieder erlaubt. Mandela spricht noch am Tag seiner Freilassung vor 120 000 Menschen in einem Stadion in Soweto und ruft zur Versöhnung auf.

Juli 1991: Mandela wird Präsident des ANC.

1993: Als der junge schwarze Aktivist Chris Hani, Mandelas Kronprinz beim ANC, von Rechtsextremisten ermordet wird, kann Mandela die Menschen nur knapp von einem offenen Aufstand abhalten. Gemeinsam mit dem weißen Präsidenten Frederik de Klerk erhält Mandela den Friedensnobelpreis.

10. Mai 1994: Mandela wird als erster schwarzer Staatspräsident von Südafrika vereidigt. Kurz zuvor hatte der ANC bei den ersten freien Wahlen des Landes 58 Prozent der Stimmen erhalten. Während seiner Amtszeit werden zahlreiche Gesetze aus der Apartheid widerrufen. Armee und Polizei werden neu gegründet. Mandela führt eine kostenlose Basis-Gesundheitsversorgung ein. Die Wahrheitskommission soll die Verbrechen während der Apartheid aufarbeiten.

1996: Scheidung von Winnie Mandela, die wegen der Ermordung eines jungen Aktivisten durch ihre Leibwächter angeklagt wird.

Dezember 1997: Thabo Mbeki löst Mandela als ANC-Präsident ab. Mandela beschränkt sich zunehmend auf zeremonielle Aufgaben und zieht sich aus der Tagespolitik zurück.

14. Juni 1999: Mandela tritt als Staatspräsident ab. Sein Nachfolger Mbeki fährt einen Kurs der „Afrikanisierung“ des Landes und zerstört so viel von jenem Vertrauen, das sich Mandela auch bei Weißen erarbeitet hatte.

2003: Mandela kritisiert in internationalen Reden den Irak-Krieg. Die Machtkämpfe seiner Nachfolger und ihre Misserfolge im Kampf gegen Kriminalität und Korruption kommentiert er jedoch nicht.

Juli 2010: Mandela zeigt sich bei der Abschlussfeier der Fußball-WM in Johannesburg, für die er sich stark eingesetzt hatte.

wdr/tof

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