In Niedersachsen

Hälfte der Kliniken in der Existenz bedroht

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Hannover - Nach Einschätzung der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) ist die Hälfte der 190 Kliniken im Land in ihrer Existenz bedroht. Im laufenden Jahr rechnet nur knapp ein Drittel der Häuser mit einem Überschuss.

Das ist das Ergebnis einer NKG-Umfrage, die der HAZ vorliegt. „Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass in zwei von drei Kliniken die medizinischen Leistungen nicht ausreichend vergütet werden“, sagte NKG-Verbandsdirektor Helge Engelke. Wenn sich an den Finanzierungsbedingungen nichts ändere, stehe mittelfristig jedes zweite Haus vor dem Aus.

Wie aus der Umfrage hervorgeht, hat sich die Lage der niedersächsischen Kliniken in den vergangenen Monaten allerdings leicht verbessert. Während in den beiden Vorjahren weniger als ein Fünftel der Häuser ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen konnte, rechnen für 2014 knapp 30 Prozent mit einer „schwarzen Null“. Von einem positiven Trend könne dennoch keine Rede sein, sagte Engelke: „Ausgeglichene Abschlüsse bedeuten in der Regel, dass die Häuser rote Zahlen nur hauchdünn vermeiden können.“

Beihilfe vom Bund

Im August vergangenen Jahres hatte der Bundestag Hilfen für die Krankenhäuser im Volumen von 1,4 Milliarden Euro beschlossen. Neben einem generellen Versorgungszuschlag war in dem Paket auch ein Ausgleich für Lohnerhöhungen enthalten. Dieses „Strohfeuer“ habe an den strukturellen Problemen der hiesigen Häuser nichts geändert, sagte Engelke. Das durchschnittliche Honorar je Behandlung - der sogenannte Landesbasisfallwert - liege in Niedersachsen um 40 Euro unter dem Bundesschnitt.

Viele Kliniken in Niedersachsen kämpfen derzeit ums Überleben - Häuser schließen, fusionieren oder stellen sich neu auf. Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) dringt seit Längerem auf „zukunftsfeste Strukturen“. In sogenannten Regionalgesprächen, die vom Land moderiert werden, suchen Kliniken und Kassen nach Lösungen. Als Vorbild dienen die Krankenhäuser in Stadthagen, Rinteln und Bückeburg: Sie fusionieren zum Gesamtklinikum Schaumburger Land.

„Abwrackprämie“ für Krankenhäuser

Die Gesundheitsminister der Länder und des Bundes haben sich zuletzt auf Grundzüge einer Krankenhausreform für das kommende Jahr verständigt. Demnach soll sich die Bezahlung der Leistungen künftig stärker an der Qualität orientieren; darüber hinaus ist ein Strukturfonds geplant, um Überkapazitäten abzubauen. Für diese „Abwrackprämie für Krankenhäuser“ wollen Bund und Länder zu gleichen Teilen insgesamt eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen.

Der NKG zufolge reichen diese Pläne nicht aus, um die Lage der Kliniken nachhaltig zu verbessern. Es dürfe nicht nur darum gehen, „überzählige“ Häuser aus dem Markt zu nehmen, sagte Engelke. „Wir müssen auch dafür sorgen, dass die für die Versorgung der Bevölkerung relevanten Kliniken überleben können.“

Neben einer besseren Finanzierung des laufenden Betriebs durch die Krankenkassen sind nach Ansicht der NKG auch höhere Investitionen seitens der Länder nötig. In Niedersachsen müsse sich diese Summe insgesamt auf 500 Millionen Euro verdoppeln, um dem Bedarf gerecht zu werden, forderte Engelke. Der Investitionsstau in den Häusern belaufe sich mittlerweile auf 1,5 Milliarden Euro.

Neuordnung der Kliniken in Hannover

Die Kliniken in Hannover richten sich neu aus: Während die Regionsversammlung kürzlich die viel diskutierte Medizinstrategie 2020 für die kommunalen Kliniken beschlossen hat, schließen sich auch das Friederikenstift und die Henriettenstiftung (beide gehören zu den Diakonischen Diensten) zu einer
Krankenhausgesellschaft zusammen.

Für die Patienten ist die Neuordnung spürbar: Das Krankenhaus in Springe 
wird geschlossen. Dort soll es künftig eine Notfallambulanz geben. Die Geburtshilfe im Nordstadtkrankenhaus fällt weg, die Geburten sollen die dann noch verbleibenden Krankenhäuser mit Geburtshilfe übernehmen – das sind in Hannover die Henriettenstiftung, das Friederikenstift, die Medizinische Hochschule und das Vinzenzkrankenhaus.

Derweil planen die Diakonischen Dienste eine Geburtsklinik auf der Bult, auch wird über die Aufgabe der Unfallklinik an der Marienstraße nachgedacht. Die Gynäkologie des Nordstadtkrankenhauses wird ins Klinikum ­Siloah verlagert und ein Zusammenschluss der Kliniken in Lehrte und Großburgwedel geprüft.

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