Iditarod in Alaska

Das härteste Schlittenrennen der Welt

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Foto: Zehn, zwölf oder mehr Tage fast ohne Schlaf. Da brauchen die Sportler ein dickes Fell und die meisten haben es auch.

Anchorage - Während des Rennens bellen? Das gibt es nur im Film, ein guter Schlittenhund vergeudet dafür keine Kraft. Schließlich ist Iditarod eines der anstrengendsten Rennen der Welt. Sein größter Feind ist einer, den man in Alaska nun wirklich nicht vermutet.

Kein Sportereignis auf dieser Erde hat härtere Bedingungen: 1800 Kilometer. Minus 50 Grad, manchmal auch 70. Schneestürme mit „Whiteout“, bei denen man nichts mehr sieht. Zehn, zwölf oder mehr Tage fast ohne Schlaf. Da brauchen die Sportler ein dickes Fell und die meisten haben es auch: Iditarod in Alaska ist das härteste und berühmteste Hundeschlittenrennen der Welt. Am Samstag wurde es in Anchorage gestartet - im Zeichen des Klimawandels.

Denn selbst am Polarkreis wird es wärmer und das hat zu einer bizarren Situation geführt: Alaska geht der Schnee aus. In dem gewaltigen Staat wurden die Winter in den vergangenen 50 Jahren um gut drei Grad wärmer - doppelt so viel wie im Rest der USA. Ein zweites Mal musste die Strecke nun weiter nach Norden verlegt werden, damit die Schlitten fahren können. Und in Anchorage wurde für den zeremoniellen Start - richtig los geht es am Montag in Fairbanks - extra eine breite Schneespur herangefahren - per Lastwagen.

Das macht es für die Teams, die aus einem sogenannten Musher und 16 Hunden bestehen, nicht einfacher. Nur gefährlicher. Iditarod gibt es seit 1973, doch die Ursprünge sind viel älter. Berühmt wurde die Strecke 1925, als eine Diphterieepidemie vor allem die Kinder der Ureinwohner in der Stadt Nome bedrohte. 20 Musher transportierten rettendes Serum in fünfeinhalb Tagen quer durch Alaska; die etwa 150 Hunde wurden zu Helden.

„Hier gibt es kein besseres Transportmittel als den Schlitten“, sagt Peter Dally. Der Park Ranger arbeitet am Mount McKinley, Nordamerikas höchstem Berg. „Wenn hier ein paar Fuß Schnee liegen und die Kälte den Diesel gefrieren lässt, sind die Hunde unsere einzige Chance“, sagt Dally. „Sie kosten 2,50 Dollar Futter am Tag. So billig ist kein Snowmobil. Und die Hunde halten meinen Schlitten an, wenn wir an ein verdecktes Wasserloch kommen. Welcher Motorschlitten kann das?“

78 Schlittenführer gehen an den Start. Einige sehen aus, wie man sich einen Musher vorstellt: breite Schultern, voller Bart, wettergegerbte Haut. Alaska eben. Doch auch Texaner und Australier sind dabei, nicht gerade klassische Schlittenregionen. Der jüngste ist 18, die Älteste 61, in Frankfurt als Tochter eines US-Soldaten geboren. Ein Drittel der Musher sind Frauen. 1985 gewann die 29 Jahre alte Libby Riddles als erste. Ein Jahr später war es Susan Butcher. Und im Jahr darauf. Und darauf. Und zwei Jahre später noch einmal. Als Butcher 2006 mit 51 Jahren an Leukämie starb, war Alaska in Trauer.

Denn die Musher sind Stars - und die Hunde auch. Nugget und Digger, Red und Bullet, Granite und Tolstoi, Guinness und Diesel; das sind Hunde, die in Alaska so bekannt sind wie andernorts Mittelstürmer. Es sind die Leithunde, die für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich sind. „Ohne einen guten Leithund ist man chancenlos“, sagt William Kleedehn. Der Niedersache lebt seit mehr als 30 Jahren in Kanada und ist mit allen Rennstrecken vertraut. „Man kann ein noch so guter Musher sein. Wenn die Hunde nicht gut sind, bleib’ zu Hause! Und die Psychologie zwischen Mensch und Hund muss stimmen.“

Der Schweizer Martin Buser hat 32 der 42 Rennen mitgemacht. Viermal hat er gewonnen, er ist eine Iditarod-Legende. „Leider stimmt das Bild nicht, dass vorn die Hunde hecheln und wir uns hinten gemütlich ziehen lassen“, sagt er. „Die Hälfte der Strecke läuft man mit oder schiebt.“ Auf sechs Stunden Rennen folgen sechs Stunden Pause. „Die Hunde können ausruhen, aber der Musher muss sie versorgen, ihnen Schnee schmelzen, ihre Körper massieren und den Schlitten prüfen. Wenn man eine Stunde Schlaf bekommt, hat man Glück.“

Buser, seit 36 Jahren in Alaska, ist mit fast 57 einer der ältesten. Einen Konkurrenten kennt er gut: Sein 25 Jahre alter Sohn Rohn macht seit 2008 mit. Ob der das Geheimnis des Sieges kennt? „Keine Ahnung“, sagt Buser. „Wenn ich es kennen würde, hätte ich öfter gewonnen.“

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