Rekordschäden bei VGH gemeldet

Die Halle der Splitter und Beulen

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Die VGH Versicherung begutachtet Hagelschäden an Autos in einer Halle in Anderten. Arno Legeit, KFZ Sachverständiger begutachtet ein beschädigtes Auto.

Hannover - Eine Woche nach dem schweren Unwetter mit tennisballgroßen Hagelkörnern hat die VGH-Versicherung mit der Begutachtung der zerdellten Autos begonnen. In einer Halle im Stadtteil Anderten haben Sachverständige der Versicherung ihre Computer aufgebaut.

Im Halbstundentakt fahren dort Autos mit Beulen im Blech zur Begutachtung vor. Die VGH schätzt, dass rund 10 000 bei ihr versicherte Autos während des Unwetters beschädigt worden sind. Allein bei diesen Autos beträgt der Schaden nach Schätzung der VGH rund 30 Millionen Euro.

Insgesamt rechnet die Versicherung mit 21. 000 Schäden und einem Aufwand von mindestens 75 Millionen Euro. Ein Schwerpunkt des schweren Gewitters zog über Lehrte und Sehnde hinweg. In den kommenden Tagen will die VGH in der Anderter Halle noch mehr Experten einsetzen, an mehr als 200 Autos pro Tag können Gutachter dann die Schäden feststellen. Nach und nach verabredet die Versicherung mit allen geschädigten Autobesitzern einen Termin.

Wenn Ausbeulen nicht mehr hilft

Maik Matysiok aus Sehnde war zum Zeitpunkt des Gewitters gerade mit seinem VW-Beetle in Sehnde unterwegs. Den Wagen hatte er sich unter anderem mit speziellen Scheinwerfern, einer anderen Auspuffanlage und speziellen Felgen mühsam und kostenaufwendig umgebaut. „Da stecken mehr als 100 Stunden Arbeit drin“, berichtet der 36-Jährige Kfz-Mechaniker. Als am Sonnabend vor einer Woche Gewitter losging, habe er erst einen vor sich haltenden Motorradfahrer auf den Beifahrersitz gelassen, erzählt Matysiok. „Dann sind wir mit den Sitzen ganz nach hinten gerutscht, weil wir Angst vor den Splittern aus der Scheibe hatten“, berichtet er.

Matysioks Auto hatte das Unwetter so richtig erwischt: Die Scheibe besteht vor allem auf der Beifahrerseite nur aus Splittern, der schwarze Lack ist von Beulen übersäht. Bei einigen Beulen hilft auch kein Ausbeulen, der Lack ist durch die Wucht der Hagelkörner einfach geplatzt.

Gutachter Arno Legeit macht sich ein Bild von dem Beetle, auf das sein Besitzer vor zehn Tagen noch so stolz war. In einem kleinen Computer listet er die Schäden auf. Dann rechnet Legeit und berichtet dem Autobesitzer von einem Schaden von rund 4500 Euro. Matysiok will deshalb seinen geliebten Beetle verkaufen und anschließend nochmal ein Auto umbauen. „Man braucht ja ein Hobby“, sagt der Sehnder und lächelt gequält.

Schäden im Südosten: Auch die Stadtverwaltung bekommt allmählich Klarheit über das Ausmaß des Schadens an ihren Immobilien und Fahrzeugen. Zahlreiche Lichtkuppeln in Schulen und Feuerwehrimmobilien in Bemerode und Wülferode sind zerstört. Betroffen sind das Schulzentrum Bemerode, die IGS Kronsberg und das Freizeitheim Krokus sowie das Feuerwehrgebäude Wülferode. Dort gibt es auch Schäden an den Toren zu beklagen, weil der Hagel zum Teil schräg fiel. Zudem hat ein Mannschaftswagen der Wülferoder Feuerwehr einen Schaden in Höhe von rund 8500 Euro, auch zwei weitere Fahrzeuge haben Schäden von zusammen rund 11.000 Euro.

Mathias Klein / Conrad von Meding

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