Gerichtsurteil

Halter haften für Hunde

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Foto: Hundehalter haften auch, wenn der Hund nicht in ihrer Obhut ist, das entschied das Oberlandesgericht.

Celle - Halter können für Schäden, die ihre Tiere verursachen, etwa durch Bisse oder Tritte auch zur Verantwortung gezogen werden, wenn die Hunde oder Pferde in Obhut anderer Menschen sind. Das hat das Oberlandesgericht Celle in einem Grundsatzurteil entschieden.

Ein Halter haftet auch dann für seinen Hund, wenn er ihn jemand anderem anvertraut hat und selbst gar keinen Einfluss auf das Tier ausüben kann. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Celle in einem am Freitag veröffentlichten Urteil entschieden (20 U 38/11). In dem Fall hatte eine Frau ihren Schäferhund zur Operation zu einem Tierarzt gebracht. Als der Hund aus der Narkose erwachte, biss er den Tierarzt in die rechte Hand und verletzte ihn schwer. Der Mediziner verklagte die Frau und verlangte von ihr 15 000 Euro Schmerzensgeld sowie Schadensersatz im sechsstelligen Bereich, weil er seit dem Biss nicht mehr operieren können und dadurch im Jahr Einkünfte von rund 40.000 Euro verliere. Die Halterin war der Ansicht, dass sie nicht regresspflichtig sei, weil sie keine Möglichkeit gehabt hätte, auf ihren Hund Einfluss zu nehmen. Der Tierarzt habe sich dem Bissrisiko bewusst ausgesetzt.

Das OLG entschied, dass die Halterin haftet, auch wenn sie auf den Hund gar keinen Einfluss nehmen kann und er in der Obhut einer anderen Person ist. Dem Tierarzt komme allerdings eine Mitschuld von 50 Prozent zu. Er hätte wissen können, dass Tiere, wenn sie aus der Narkose erwachen, mitunter aggressiv reagieren, und vorsichtiger sein müssen. Über mögliches Schmerzensgeld und Schadensersatz haben die Richter noch nicht entschieden.

Das Urteil habe Signalwirkung - auch für die Halter von Pferden, etwa bei Tritten, sagte OLG-Sprecher Götz Wettich gestern. Und es zeige, wie wichtig es für Tierhalter sei, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Er wies darauf hin, dass jedes Tier einen eigenen Vertrag haben müsste. „Halter, die nur vier Versicherungen abschließen und auf ihrem Hof aber 15 Pferde herumlaufen lassen, haben im Schadensfall ein Probelm. Dann springt die Versicherung nicht ein.“ Für Hunde besteht in Niedersachsen eine Haftpflichtpflicht. Für Pferde oder Katzen nicht, sie seien aber durchaus empfehlenswert, sagt Wettich. Wer einen Hund zeitweise pflegt und dies vertraglich abgesichert hat, kann auch mit zur Verantwortung gezogen werden.

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