Drei Jahre nach Groß-Razzia

Hanebuth fordert 34.151,06 Euro Entschädigung

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Foto: Entschädigung nach Razzia: Die Forderungen Hanebuths sollen sich auf gut 30.000 Euro belaufen.

Hannover - Mindestens 34 151 Euro und 6 Cent soll das Land Schleswig-Holstein an den ehemaligen Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth bezahlen. Auf diese Summe kommt Rechtsanwalt Götz von Fromberg, der den 50-Jährigen in der Angelegenheit vertritt, nachdem er sämtliche Schäden aufgelistet hat, die bei einer Polizeirazzia im Mai 2012 entstanden waren.

Bei demEinsatz in Hanebuths Villa in der Wedemark hatten sich Beamte eines Einsatzkommandos der GSG9 von einem Hubschrauber abgeseilt und das Anwesen gestürmt. Nachdem sie den Hund von Hanebuths Sohn erschossen hatten, durchsuchten die Beamten das Anwesen des damaligen Rockerkönigs.

Anlass für die Durchsuchung war die Aussage des Kronzeugen Steffen R. vor dem Kieler Landgericht. Das ehemalige Mitglied einer Rockerbande, das selbst schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, berichtete dort davon, dass Hanebuth den Mord an einem seit Jahren vermissten Türken in Auftrag gegeben habe. Die Leiche sollte danach beim Bau einer Lagerhalle in der Nähe von Kiel versteckt worden sein. Im Laufe des Verfahren stellte sich jedoch heraus, dass der Kronzeuge viele der von ihm behaupteten Sachverhalte einfach erfunden hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Ermittler aber bereits die komplette Lagerhalle bei Kiel in ihre Einzelteile zerlegt. Die dort vermutete Leiche des vermissten Türken wurde bis heute nicht gefunden. In beiden Fällen konnte die Polizei auch kein sonstiges belastendes Material sicherstellen. Die Ermittlungen wurden rund ein Jahr nach der Razzia eingestellt.

Der Besitzerin der Lagerhalle musste das Land für den Abriss des Gebäudes bereits 337.000 Euro bezahlen. „Wir haben nun eine Liste erstellt, auf der alle Gegenstände vermerkt sind, die bei der Razzia beschädigt wurden“, sagt von Fromberg. Insgesamt kommt der Anwalt auf die gut 35.000 Euro, zu denen auch noch die Anwaltskosten addiert werden sollen.

Dass Frank Hanebuth für den Einsatz der Behörden Schadensersatz erhalten soll, hatte das Amtsgericht bereits vor mehreren Wochen entschieden. Nun geht es noch um die Höhe der Zahlung.

Derzeit wird erneut gegen den 50-jährigen Ex-Profiboxer ermittelt. Hanebuth sitzt seit knapp zwei Jahren in Spanien in Haft. Sollten sich die Vorwürfe gegen ihn auch in diesem Fall als haltlos erweisen, wird er erneut Schadensansprüche geltend machen. Die Summe dürfte aber um ein Vielfaches höher ausfallen als im Fall der Kieler Ermittlungen.

Von Jörn Kießler und 
Tobias Morchner

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