Zensus 2011

Hannover bleibt eine Halbmillionenstadt

+
Ergebnis des Zensus: Die Zahl der Menschen in Hannover ist zwar geringer als angenommen, jedoch nicht unter die 500.000-Marke gerutscht.

Hannover - Mehr Frauen als Männer, fast eine halbe Million Ausländer – und insgesamt rund 140.000 Einwohner weniger als angenommen: Die Ergebnisse des Zensus haben für Niedersachsen überraschende Ergebnisse.

Die größte Sorge, die Hannovers amtierender Verwaltungschef Hans Mönninghoff vor der Auswertung der jüngsten Volkszählung hegte, hat sich als unbegründet erwiesen. Der Zensus ergab jetzt zum Stichtag 31. Dezember 2011 eine Zahl von 509.485 Einwohnern für Hannover, die Landeshauptstadt behält auf der Rangliste der Großstädte Platz 13 hinter Dresden und vor Duisburg. „Wir haben zwar kein starkes Abrutschen erwartet, waren aber schon etwas nervös“, sagte Mönninghoff gestern. Die 500.000er-Marke ist allerdings in erster Linie eine symbolische und gut für das Image. Handfeste Auswirkungen etwa finanzieller Natur hätte ein Unterschreiten nicht gehabt.

Insgesamt lebten Ende 2011 exakt 509.485 Männer, Frauen und Kinder in Hannover. Bisher waren die Statistiker von knapp 526000 Einwohnern ausgegangen. Basis dieser Berechnung waren die Daten der Volkszählung von 1987, die fortgeschrieben wurden. Statt der nur angenommenen Zahlen gibt es mit dem jüngsten Zensus ganz konkrete. Gestern ermittelte die Verwaltung dann noch flugs den aktuellsten Stand. Weil seit Ende 2011 mehr Menschen in die Stadt gekommen sind, liegt die Einwohnerzahl nun bei 514.000. „Hannover wird auch in den kommenden Jahren wachsen“, prophezeit Mönninghoff.rt, der nur knapp unter dem Bundesdurchschnitt (-1,9) liegt.

Die Ergebnisse für die Region Hannover

971,24 kB

Detaillierte Daten etwa zu einzelnen Stadtteilen kennt die Stadt noch nicht; sie werden teilweise erst in einem Jahr eintreffen. Einiges andere hat die Volkszählung aber schon zutage gefördert. So gibt es in Hannover einen Frauenüberschuss von knapp 20000, der Grund dafür ist deren im Vergleich zu Männern höhere durchschnittliche Lebenserwartung. Gut 13 Prozent der Hannoveraner haben eine ausländische Staatsbürgerschaft. Mehr als doppelt so viele haben einen Migrationshintergrund. Fast die Hälfte von diesen Personen lebt länger als 20 Jahre in der Stadt, zwei von drei stammen aus einem europäischen Land.

Jeder dritte Hannoveraner gehört der evangelischen Kirche an, die katholische Kirche versammelt 14 Prozent der Bevölkerung hinter sich. Den Ruf Hannovers als Stadt der Singles untermauert der Zensus: Fast die Hälfte der Einwohnerschaft ist ledig. 37,9 Prozent leben in einer Ehe; geschieden oder getrennt sind 8,7 Prozent, verwitwet 6,8 Prozent.

Mit den Ergebnissen der Volkszählung liegt Hannover im bundesweiten Trend: Fast flächendeckend sind Einwohnerzahlen niedriger als angenommen. Dafür gibt es in Hannover in knapp 69000 Gebäuden 300000 Wohnungen - das sind immerhin 10000 mehr als bisher registriert. Der Grund: „Für bestimmte Bauten sind seit einigen Jahren keine Genehmigungen mehr erforderlich. Sie sind deshalb nicht in die Statistik eingegangen“, sagt Andreas Martin, zuständiger Fachbereichsleiter bei der Stadt. Die Daten werden nun als Basis für die Planung von Kindergärten, Schulen und anderen Infrastruktureinrichtungen sowie Wohngebieten genutzt. Welche finanziellen Auswirkungen der Zensus etwa auf die Verteilung von Steuereinnahmen der Städte untereinander hat, steht noch nicht fest.

Minus auch in der Region

Das Umland ist unter die Marke von 600.000 gerutscht und lag Ende 2011 bei 595.000 Einwohnern. Die gesamte Region zählte somit exakt 1.106.219 Bewohner, das sind knapp 30.000 Einwohner weniger als gedacht und damit ein Verlust in der Größenordnung der Wedemark. Garbsen als größte Umlandstadt rutscht unter 60.000 Einwohner, Laatzen unter 40.000.

Hildesheim und Salzgitter unter 100.000 Einwohner

Gerade mal 0,4 Prozent des Einwohner-Rückgangs in Niedersachsen entfiel auf deutsche Bürger, der Rest auf Ausländer. Nach Hannover und Braunschweig ist jetzt Oldenburg statt Osnabrück die drittgrößte Stadt des Landes. Hildesheim und Salzgitter sanken unter die 100.000-Einwohnergrenze und verloren den Großstadt-Status. Die Landkreise Holzminden, Cloppenburg und Lüchow-Dannenberg sowie die im Emsland gelegene Stadt Lingen gehören zu den wenigen Kommunen mit Einwohner-Zuwachs.

Zu möglichen Konsequenzen, etwa bei den Zuweisungen an die Kommunen oder dem Länderfinanzausgleich, äußerten sich die Statistiker nicht. Die neuen Zahlen könnten auch Auswirkungen auf die Besoldung der Bürgermeister haben.

Niedersachsen hat nach den Daten eine überwiegend protestantische Bevölkerung. Jeder zweite Niedersachse gehört der evangelischen Kirche an (3,93 Millionen/50,5 Prozent) - 18,1 Prozent der Einwohner (1,4 Millionen) der römisch-katholischen Kirche. Die Niedersachsen wohnen recht großzügig in Wohnungen von durchschnittlich 100,8 Quadratmetern Wohnfläche. Insgesamt verfügt das Bundesland über 2,25 Millionen Wohngebäude mit 3,94 Millionen Wohnungen, von denen nur 3,7 Prozent leer stehen.

Weitere Erkenntnisse: In Niedersachsen leben mehr Frauen (51,1 Prozent) als Männer. Insgesamt 3,79 Millionen Menschen sind erwerbstätig, rund ein Viertel der über 15-Jährigen hat die Hochschul- oder Fachhochschulreife, 6,9 Prozent hat (noch) keinen Schulabschluss. Einen Migrationshintergrund hat 16,5 Prozent der Bevölkerung (1,27 Millionen). Exakt 426 750 Menschen sind Ausländer (5,5 Prozent) - eine Zahl, die um 20,7 Prozent unter den bisher angenommenen Werten liegt. Die Statistiker führen das auf mögliche Unzulänglichkeiten beim Meldewesen zurück - etwa, wenn Ausländer in ihre Heimat zurückkehren ohne sich abzumelden.

Die Daten basieren auf der ersten Volkszählung seit mehr als zwei Jahrzehnten. Nach Angaben der LKSN gab es dabei eine hohe Bereitschaft zur Teilnahme. Eine präzisere Auswertung der Daten stellte die Behörde für Anfang 2014 in Aussicht.

In Niedersachsen gibt es nur wenige Kommunen oder Landkreise, die bei der Einwohnerzahl zulegten.

Die Verlierer:

Braunschweig (242 537/-2,7) - Oldenburg (157 267/-2,9) - Osnabrück (153 699/-6,4) - Wolfsburg (119 984/-1,4) - Göttingen (115 843/-4,4) - Hildesheim (99 554/-3,2) - Salzgitter (98 895/-3,1) - Wilhelmshaven (77 451/-5,1) - Delmenhorst (73 322/-1,5) - Lüneburg (69 905/-4,3) - Celle (69 001/-1,8) - Garbsen (59 499/-3,5) - Hameln (56 756/-1,6) - Nordhorn (52 029/-1,8) - Wolfenbüttel (51 756/-3,3) - Langenhagen (50 821/-3,7) - Emden(49 787/-3,3) - Cuxhaven (49 093/-2,4) - Peine (48 582/-0,2) - Melle (45 855/-0,5) - Stade (45 141/-2,2)

Die Gewinner:

Landkreis Cloppenburg (159 337/+0,2) - Landkreis Holzminden (73 548/+1) - Landkreis Lüchow-Dannenberg (49 205/+0,1) - Stadt Lingen (51 821/+ 1,4)

se/dpa

Kommentare