Schünemann kandidiert als Landrat

Der „harte Hund“ will nun ganz anders sein

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Foto: Will einen Neuanfang als Landrat im Weserbergland: Uwe Schünemann.

- Niedersachsens früherer Innenminister Uwe Schünemann peilt einen Imagewandel und ein neues Amt an. Der einstige kompromisslose Verbrechensbekämpfer will Landrat im Kreis Hameln-Pyrmont werden.

Vier Monate war er von der Bildfläche verschwunden. Jetzt ist Uwe Schünemann (48), früherer niedersächsischer Innenminister, wieder aufgetaucht. Die CDU im Landkreis Hameln-Pyrmont will ihn als Landratskandidaten nominieren.

Ein geeignetes Amt für einen, der immer wieder als „harter Hund“ von sich reden machte und den die neue rot-grüne Landesregierung deshalb gern als ihr Feindbild nutzt?

Schünemann fühlt sich zu Unrecht angegriffen. Ja, er hatte sich ein Profil als kompromissloser Verbrechensbekämpfer schaffen wollen. Ein Interview in einer großen Sonntagszeitung vor ziemlich genau zwei Jahren sollte diesem Zweck dienen. Aber das mit dem „harten Hund“ verselbstständigte sich und geriet ihm zum Nachteil.

Kann Schünemann integrieren?

Schünemann wurde von der politischen Konkurrenz als Gegner von Integration und als „Abschiebeminister“ gebrandmarkt. „Dass ich für die Islamausbildung gestritten habe und für etliche Verbesserungen im Ausländerrecht eingetreten bin, wurde ausgeblendet“, sagt er, räumt aber auch eigene Versäumnisse ein: „Bei manchen Abschiebungen ist es zu Fehlern gekommen, etwa 2005 im Fall der Hildesheimerin Gazale Salame. Ich bedaure dies auch.“

Als Landrat muss ein Politiker integrieren, unterschiedliche Interessen zusammenführen. Besonders gilt das in diesen Wochen für Hameln-Pyrmont, denn nach dem gewaltsamen Tod von Landrat Rüdiger Butte (SPD) Ende April wurden starke Stimmen für eine parteiübergreifende Nachfolgelösung laut. Die kam nicht zustande, die SPD entschied bereits, den Wedemärker Bürgermeister Tjark Bartels als Landratskandidaten für die Wahl am 22. September ins Rennen zu schicken.

Die CDU antwortet nun mit Schünemann, und der sagt: „Den klassischen Landratswahlkampf wird es mit mir wohl nicht geben, jede Polarisierung verbietet sich. Wahlkampf heißt für mich, dass ich mit den Menschen über meine Ideen und Visionen für die Region rede.“

Lotse in allen Lebenslagen

Als „Kind des Weserberglands“ bezeichnet sich der frühere Minister. Im Nachbarkreis Holzminden ist er geboren, dort wohnt er auch. Könnten beide Kreise fusionieren? „Das ist derzeit kein Thema“, sagt der Kandidat. Schünemann will sich für die Förderung des Tourismus engagieren und neue Akzente in der Bildungspolitik setzen.

Ein Landkreis könne dabei helfen, die Jugendlichen „von der Krippe bis zum Studium zu begleiten“, er könne als Lotse in allen Lebenslagen bereitstehen. Und wenn es erfolglos bleibt mit der Landratskandidatur, denn der Kreis Hameln-Pyrmont gilt immerhin als SPD-Bastion? Schünemann verschwendet daran keinen Gedanken. Klar ist aber auch, dass er sich in den vergangenen Monaten mit der Möglichkeit eines beruflichen Neustarts außerhalb der Politik beschäftigt hat. Diese Pläne verfolgt er jetzt nicht weiter, denn ein neues politisches Amt ist für ihn äußerst verlockend.

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