Distille „Hammerschmiede“ in Zorge

Harzer brennen ausgezeichneten Whisky

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Foto: Die Distille Hammerschmiede in Zorge stellt den einzigen Single Malt Niedersachsens her – den „Glen Els“. Lothar Deutschbein kontrolliert den Destillationsprozess.

Zorge - In einer Destillerie im niedersächsischen Zorge im Harz wird ein ausgezeichneter Single Malt Whisky gebrannt. HAZ-Autor Felix Klabe hat die Brennerei „Hammerschmiede“ besucht.

Wer den langen schmalen Kellerraum im ehemaligen Kulturhaus im Harzer Örtchen Zorge betritt, kann ihn deutlich riechen. Den „Angel’s Share“, jenen Anteil eines Whiskys, der im Laufe seiner jahrelangen Lagerung aus dem Fass verdunstet. Er liegt schwer in der Luft im Lager der Hammerschmiede Destillerie, die seit ihrem Umzug vom benachbarten Wieda nach Zorge den alten Bau beherrscht.

Whiskyliebhaber Alexander Buchholz macht der kräftige Geruch stolz: „Bei uns ist der verdunstende Anteil wegen der besonderen Lagerung sehr hoch“, erklärt der Betreiber. Das hat eine angenehme Folge: Der Zorger Single Malt Whisky Glen Els erreicht schon nach wenigen Jahren Lagerung eine Geschmacksintensität, von der viele Hersteller aus Schottland, dem Heimatland des Whiskys, nur träumen können. Unter Experten gilt der Glen Els als Weltklasse-Whisky. Obwohl er aus dem Harz kommt.

„Whisky ist ein Getränk mit Tradition und einer starken Bindung zu dem Gebiet, in dem es gebrannt wird“, erklärt Betreiber Buchholz. So soll es auch in Norddeutschland sein. „Wir versuchen unseren Whisky so zu brennen, wie es die Menschen vor 200 Jahren getan hätten“, sagt Buchholz. Dabei werden nur Produkte aus der Region um Zorge verwendet. Bei der Whiskyherstellung spiele gerade das Wasser eine besondere Rolle. Und das kommt direkt aus einer Quelle im Garten neben der Destillerie. Auch die gemälzte Gerste, die später als Maische gebrannt das hochprozentige, aromatische Destillat ergibt, kommt aus der Region.

Doch regionaltypisch wirkt das Spitzenprodukt nicht: Die Etiketten sind in englischer Sprache bedruckt, und auch der Name Glen Els ähnelt dem vieler schottischer Whiskys wie Glenfiddich oder Glenmorangie. Sie alle tragen „Glen“, das gälische Wort für Tal, im Namen. Auch der Glen Els, „schließlich wird er im Elsbachtal produziert“, sagt Buchholz.

Um eine Vielzahl an Geschmacksrichtungen zu erreichen, setzt Buchholz auf verschiedene Fässer, in denen das hochprozentige Destillat mindestens dreieinhalb Jahre ruht. „Sie sind wichtig für Geschmack und Qualität des Produkts“, sagt Buchholz. Immerhin würde ein Fass gut 70 Prozent des Aromabildes des späteren Whiskys bestimmen. „Viele unserer Fässer haben eine lange Historie“, sagt der junge Unternehmer. Dabei werden Portwein-, Sherry-, Madeira- oder Marsalafässer genutzt. Jedes für sich bringt ein ganz besonderes Aroma in den Whisky. Mehr als 60 Editionen hat die Harzer Destillerie bereits abgefüllt. Viele sind bereits vergriffen.

Dass im Fasslager im Keller der Brennerei in Zorge mehr verdunstet als in anderen Brennereien, hängt gleich von mehreren Faktoren ab. Etwa die Luftfeuchtigkeit und die Umgebungstemperatur im Lager. In der Hammerschmiede ist die jährliche Verdunstung vor allem im Vergleich zu anderen Whisky-Regionen besonders hoch. Grund dafür sei die Umgebungstemperatur im Lager, die im Harz der Außentemperatur entspricht – mit all ihren Extremen. Von Hitze im Sommer bis Temperaturen um den Gefrierpunkt im Winter. Somit ist der ruhende Whisky in ständiger Wandlung, ziehe durch die Ausdehnung und das Zusammenziehen die Aromen aus dem Holz. Dadurch erreiche der Glen Els auch mit wenigen Lagerjahren eine Geschmacksintensität, für die schottische Whiskys weitaus länger liegen müssten, erklärt Buchholz.

Was in dem alten Kulturhaus in Zorge destilliert wird, wurde jüngst gewürdigt. Und zwar von höchster Stelle. Betreiber Buchholz legt eigentlich keinen großen Wert auf Auszeichnungen, doch die Ehrung von Jim Murray, einem englischen Journalisten und Whiskykenner, ist „eine schöne Sache“, sagt er. Murray bewertete den Harzer Single Malt Glen Els Alrik in seiner jährlich erscheinenden „Whisky Bibel“ mit 95 von bestmöglichen 100 Punkten. Im weltweiten Vergleich gehöre der Harzer Single Malt „zur Gruppe der absoluten Superstar-Whiskys“. Das macht Betreiber Buchholz stolz und bestärkt die Harzer Spirituosenhersteller, so weiterzumachen, wie bisher.

Der 28-jährige Buchholz ist erst nach seinem Volkswirtschaftsstudium in die Brennerei seines Vaters Karl-Theodor Buchholz eingestiegen. Auf dem Weg zu einem noch besseren Whisky will er sich nicht verbiegen. „Wir setzen bei der Produktion weiter auf Handarbeit, das wird sich nicht ändern“, versichert er. In der Hammerschmiede-Destillerie wird jeder Arbeitsschritt der Herstellung von Hand gemacht. Vom Brennen bis zur Etikettierung. Vollautomatisierte Produktionslinien wie in großen schottischen Destillerien? Fehlanzeige. In Zorge verlassen etwa 20.000 Flaschen im Jahr die Brennerei – die schottische Großbrennerei Glenfiddich schafft das an einem Tag.

Wenn sich Buchholz noch einmal entscheiden müsste, mit der Herstellung eines Whiskys zu beginnen, würde er es lassen. „Bis man an einem Whisky verdient, vergehen Jahre“, sagt der Betreiber. „Wenn man überhaupt etwas daran verdient.“ Die Betreiber der Hammerschmiede stellen seit mehr als 25 Jahren Obstbrände her. Ohne sie wäre es schwer gewesen. Dabei gibt es in Deutschland durchaus eine große Gemeinde von Whiskyliebhabern, sagt Buchholz.

„Leidenschaft und kreativer Wahnsinn“ haben ihn dazu gebracht, ausgerechnet im Harz Whisky herzustellen. Außerdem mache es Spaß, zu zeigen, „wie der Harz schmecken kann“. Der Whisky soll anders schmecken, anders als Schottland.

Felix Klabe

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