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Hasbro sucht neue Monopoly-Regeln

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Foto: Risiko ohne Reue: Monopoly.

Washington - Nach der Finanzkrise diskutieren die USA über neue Regeln fürs Kapitalistenspiel Monopoly. Wer eine gute Idee hat, sollte sich per Facebook melden.

Erlebt Amerika einen weiteren Angriff auf seine marktwirtschaftlichen Grundwerte? Die Protestbewegung „Occupy Wall Street“ mag zwar abflauen, dafür setzt das Umdenken jetzt spielerisch ein: Das Brettspiel Monopoly erhält neue, sozialere Regeln. Zinsgünstige Kredite, Rückzahlung von Steuern und höhere Zuschüsse beim Gang über Los sind im Gespräch.

Es scheint fast, als nimmt sich der Spielwarenhersteller Hasbro an der US-Notenbank Federal Reserve ein Beispiel, die seit Jahren die Vereinigten Staaten mit billigem Geld flutet. Diskutiert wird allerdings auch über einen Vorschlag, der der neuen Fed-Chefin Janet Yellen nicht gefallen dürfte: Spieler sollen die Möglichkeit erhalten, im Zweifelsfall die Bank zu plündern. Die Wirkungen der neuen Regeln sind wie im wahren Leben: Die Spielzeit dürfte sich deutlich verlängern, bevor der Erste pleitegeht.

An der Debatte über die neuen Monopoly-Gesetze kann sich übrigens jedermann beteiligen. Hasbro wünscht sich nach eigenen Angaben einen „offenen Kreis“, um traditionelle Anhänger nicht zu verschrecken. Wer eine gute Idee hat, sollte sich per Facebook melden. Gleichwohl bleiben die altbewährten Grundregeln bestehen, es gehe nur um eine neue „Hausordnung“. Jede Gruppe könne dann selbst entscheiden, nach welchen Vorgaben die Spieler gegeneinander antreten.

Die Änderungen kommen nicht von ungefähr. Monopoly gilt zwar als das bestverkaufte Spiel aller Zeiten, das in mehr als 100 Ländern angeboten und in mehr als 40 Sprachen übersetzt wird. Doch eine Umfrage des Herstellers zeigt, dass zwei Drittel der Spieler das offizielle Regelwerk gar nicht vollständig kennen und die Hälfte der Teilnehmer eigene Regeln anwendet.

Und dennoch wird amerikaweit über den neuen Kurs diskutiert. Immerhin verbinden viele US-Bürger mit der Jagd nach Häusern und Hotels mehr als nur Familienspaß. Das Brettspiel rund ums Geldverdienen erscheint ihnen seit der Erfindung vor 80 Jahren gewissermaßen als ein Grundkurs im Kapitalismus. Ihre These: Nur im Handel liegt der eigentliche Profit. Und wer es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu etwas bringen will, sollte sich frühzeitig mit dem Immobilienmarkt beschäftigen – künftig allerdings am besten eher in der günstigen Badstraße als in der protzigen Schlossallee.

Zu den eigentlichen Monopoly-Gurus zählen Jeff Lehman und Jay Walker. 1975 schrieben die damaligen Studenten einen Bestseller, wie Monopoly am besten zu gewinnen sei. Obwohl Lehmann heute als Vizepräsident der New York Universität in Schanghai tätig ist, und Walker mehrere Unternehmen gründete, kühlt ihre alte Leidenschaft nicht ab: „Es wäre toll, wenn es endlich 500 Dollar beim ,Freien Parken’ gibt“, sagt Lehman. Insgesamt sehen sie die Hasbro-Initiative recht gelassen: „Viele Monopoly-Fans spielen ganz selbstverständlich nach ihren eigenen Regeln. Sie brauchen keine offizielle Genehmigung des Herstellers.“

von Stefan Koch

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