Handwerkskammer Osnabrück-Emsland

Hauptgeschäftsführer bespitzelt Präsidium

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Foto: Skandal in der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland: Der Vizepräsident soll jahrelang vom Hauptgeschäftsführer ausgeforscht worden sein.

Hannover - Der Vizepräsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland Stephan Hövelmann ist offenbar über Jahre hinweg von seinem Hauptgeschäftsführer Heinz-Gert Schlenkermann ausgeforscht worden.

Eine entsprechende Beschwerde des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ist nach Informationen der HAZ bei dem für die Kammeraufsicht zuständigen Wirtschaftsministerium in Hannover eingegangen. Der Vorwurf lautet: Sämtliche E-Mails des von der Arbeitgeberseite gestellten Vizepräsidenten Stephan Hövelmann sollen automatisch an den Hauptgeschäftsführer Heinz-Gert Schlenkermann weitergeleitet worden sein.

Kammervize Hövelmann wollte sich dazu nicht äußern. Sein Hauptgeschäftsführer räumte aber ein, dass er Mails an Hövelmann automatisch auf seinen Bildschirm bekommt – wie sämtliche E-Mails an das gesamte Präsidium. „Das ist bei uns seit Menschengedenken so“, sagte Schlenkermann.

Anstößig findet der Hauptgeschäftsführer das offensichtlich nicht: „Ich weiß nicht, welche Probleme die damit haben.“ Wenn der Vizepräsident vertrauliche Nachrichten erhalten wolle, müsse er sich diese eben an seine private E-Mail-Adresse senden lassen.

Aufgefallen ist die Ausforschung durch eine unbedachte Äußerung Schlenkermanns. Es gab in der Frühjahrshauptversammlung eine Auseinandersetzung zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite darüber, wie sich die Handwerkskammer in zwei politischen Positionspapieren äußern soll: Einmal ging es um die anstehende Bundestagswahl, einmal um den von der Landesregierung im Frühjahr verabschiedeten Koalitionsvertrag. Die Arbeitnehmer wollten ihre Auffassungen als Minderheitenvoten in die Positionspapiere aufgenommen wissen. Schlenkermann soll das dem Vernehmen nach verhindert haben mit der Begründung, er lasse in der Hauptversammlung nicht über Schriften des DGB abstimmen.

Ebendiese Äußerung begründet die Beschwerde der Gewerkschafter beim Ministerium: Der Hauptgeschäftsführer konnte gar nicht wissen, dass der DGB die Minderheitenvoten formuliert hatte – es sei denn, er hatte Zugriff auf die E-Mails des Vizepräsidenten. Der hatte sie nämlich in die Hauptversammlung eingebracht – ohne kenntlich zu machen, dass der Gewerkschaftsbund die Positionen für ihn formuliert hatte.

Schlenkermann begründet die automatische Weiterleitung der Mails an ihn damit, dass er als Hauptgeschäftsführer die Verwaltung des Hauses sicherzustellen habe. Der Präsident und die beiden Vizes seien oft nicht im Hause. „Ich bin die Handwerkskammer“, sagte Schlenkermann der HAZ – und irrt damit: Das Präsidium leitet die Kammer.

Ein Ministeriumssprecher konnte den Eingang der Beschwerde am Mittwochabend nicht mehr bestätigen. „Wenn es den Vorwurf gibt, werden wir dem im Rahmen der Rechtsaufsicht aber nachgehen.“ Schlenkermann sagte am Mittwoch, man werde die Weiterleitung der E-Mails stoppen, „wenn mir jemand sagt, dass das mit dem Datenschutz nicht vereinbar ist“.

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