Krankheitswelle

Hepatitis A breitet sich weiter aus

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Foto: Ein Kindergarten ist trotz eines erkrankten Kindes geöffnet geblieben – Geschwisterkinder müssen in solchen Fällen allerdings geimpft werden und erst einmal zuhause bleiben.

Walsrode/Verden - Immer mehr Menschen in Niedersachsen erkranken an Hepatitis A - neben 20 Fällen im Heidekreis gibt es weitere zwölf Erkankte im Bereich Verden. Mediziner forschen weiter nach der Ursache.

Die ansteckende Leberentzündung Hepatitis A hat sich zu Wochenanfang in Niedersachsen weiter ausgebreitet. Bis Dienstag wurden im Heidekreis 20 und im Landkreis Verden zwölf Betroffene von Ärzten an die Gesundheitsämter gemeldet. „Eine solche Häufung haben wir meines Wissens in Niedersachsen bisher noch nie gehabt“, sagte Matthias Pulz, Leiter des Landesgesundheitsamtes in Hannover. Die Altersspanne reicht vom Kindergartenkind bis zur Seniorin. Die Ursache ist noch unklar.

Im Kreis Verden werden gezielt auch Gaststätten und Lebensmittelbetriebe auf mögliche Infektionsherde untersucht. „Speisen sind einer von mehreren möglichen Ansteckungswegen“, sagte Bernhard Krüger vom Gesundheitsamt Verden. Der Kreis hoffe, die - sonst gewöhnlich nur vereinzelt nach Reisen in warme Länder auftretende - Erkrankung schnell eindämmen zu können. Sie habe sich bereits von der direkt an den Heidekreis angrenzenden Gemeinde Kirchlinteln in Richtung der Stadt Verden weiter verbreitet. Der Amtsleiter warnte indes vor Panik: „Es ist kein Problem, zum Einkaufen in die Stadt zu fahren.“ Auch müsse die Krankheit, zu der grippeähnliche Symptome und eine Gelbfärbung der Haut gehören können, in der Regel nicht stationär behandelt werden und werde nie chronisch.

Auch im Heidekreis befinde sich keiner der Hepatitis-A-Patienten mehr im Krankenhaus, berichtete Kreissprecher Andreas Pütz. Bei der Ursachenfindung sei man noch nicht weitergekommen. „Durch geschicktes Befragen suchen wir nach möglichen Verbindungen der Erkrankten, beispielsweise über Vereine oder Restaurantbesuche.“ Erfreulich sei, dass sich die Zahl der Patienten in vier westlichen Walsroder Ortsteilen von 17 am Freitag bis zum Dienstag nur um drei erhöht habe. Ein großer Kunsthandwerkermarkt am Wochenende war vorsorglich abgesagt worden. Von Entwarnung kann jedoch auch im Heidekreis keine Rede sein, denn zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit liegen Wochen.

„Alle hier achten verstärkt aufs Händewaschen“, berichtete Rolf Hestermann, Ortsvorsteher im betroffenen Dorf Nordkampen. Die Mitarbeiterin eines Kinderheims im Ort verwies darauf, dass dort „immer hohe Hygienestandards gelten“, niemand erkrankt sei und man sich auch keine Sorgen mache. Ein Kindergarten im Kreis Verden ist trotz eines erkrankten Kindes weiter geöffnet. „Geschwister werden in solchen Fällen allerdings geimpft und müssen zunächst zu Hause bleiben“, sagte Amtsarzt Krüger. Nach Angaben von Pulz übernehmen in solchen Fällen die Krankenkassen die Kosten. Grund zur Massenimpfung in den betroffenen Gebieten sieht das Landesgesundheitsamt nicht.

Hygiene Tipps

„Das Entscheidende ist die Händehygiene“, sagt Matthias Pulz. Der Leiter des Landesgesundheitsamtes hebt hervor, dass Hepatitis A nicht durch Anhusten übertragen werde, sondern in der Regel über eine fäkal-orale Schmierinfektion.

„Was eigentlich normal sein sollte“, nämlich das gründliche Händewaschen nach dem Toilettengang, muss laut Pulz in den betroffenen Regionen besonders ernst genommen werden. Verstärkt gilt dies vor der Zubereitung von Mahlzeiten, da sonst noch weitere Menschen angesteckt werden könnten. Im Jahr 2004, als in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gut 60 Menschen an der Leberentzündung erkrankten, hätten Speisen eine Rolle bei der Verbreitung des Hepatitis-A-Virus gespielt.

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