Prächtiges Altweibersommerwetter

Der Herbstauftakt wird golden

Offenbach - Knallgelbe Blätter, Nieselregen, Nebel über Flüssen und Wiesen, der erste Frost. Herbst kann kunterbunt sein oder grau. Wie er dieses Jahr wird, ist offen. Der Auftakt ist golden.

Am Sonntag ist nicht nur Wahltag, sondern im Kalender beginnt an diesem Tag auch der Herbst auf der Nordhalbkugel der Erde. Ob er golden, garstig, nass, stürmisch, kalt oder mild wird, ist völlig offen. Immerhin beginne er mit Sonnenschein, blauem Himmel und bis zu 21 Grad im Südwesten, verspricht der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Prächtiges Altweibersommerwetter also - zumindest im Süden und in der Mitte. Wie lange es sich hält, ist unklar.

Der auch „astronomisch“ genannte Herbstanfang richtet sich nach der Sonne. Die steht am kommenden Sonntag exakt um 22.44 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) senkrecht über dem Äquator. Tag und Nacht sind genau gleich lang, zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang liegen zwölf Stunden.Trotz aller Computertechnik können die Meteorologen die kompletten nächsten drei Herbst-Monate nicht voraussagen. Sicher ist, dass die Tage kürzer, die Nächte länger werden und die Sonne mittags flacher steht - mit Folgen für das Wetter. Das schwächere Sonnenlicht hat auch Einfluss auf den menschlichen Organismus und die Natur. Blätter färben sich strahlend bunt und fallen schließlich ab. Das Wetter kann alles bieten - vom Wintereinbruch mit Eis und Schnee bis zu Cabrio-Temperaturen über 20 Grad wie im November 2006.

Den Anfang macht oft der „Altweibersommer“ mit angenehmen, milden Tagen, die an den Sommer erinnern. Aber die Nächte sind schon kühl, und am Morgen gibt es Nebel, so dass sich an Spinnweben winzige Tröpfchen absetzen. Daher der Name dieses häufigen frühherbstlichen Wetterphänomens, der nicht auf alte Frauen, sondern auf kleine Spinnen zurückgeht. Bei hohem Luftdruck weben (altdeutsch: weiben) sie Flugfäden und lassen sich daran durch die Luft treiben. In Bäumen bilden Tausende dieser Fäden ein im Sonnenlicht silbern schimmerndes Geflecht.

Für eine solche Schönwetterperiode, die mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit um den 20. September herrscht und bis Mitte Oktober bleiben kann, ist immer ein kräftiges Hochdruckgebiet über Mitteleuropa nötig. Das gibt es auch diesmal, aber Hoch „Jette“ ist offenbar nicht kräftig genug, um ganz Deutschland mit sonnig-warmen Tagen zu versorgen und atlantische Tiefs dauerhaft auf Abstand zu halten.Mit den wachsenden Temperaturgegensätzen werde die Gefahr von Stürmen im Herbst größer, erläutert DWD-Meteorologe Helmut Malewski. Wenn etwa von Norden sehr kalte Luft über das noch relativ warme Meer ströme, bildeten sich Tiefdruckwirbel - „ideale Zutaten für Stürme“. Die häufig schnellen Wetterwechsel machen vielen Wetterfühligen Probleme, deren Organismus Mühe hat, sich anzupassen. Betroffen seien vor allem Menschen mit chronischen Herz-Kreislaufleiden oder Rheuma, sagt DWD-Medizinmeteorologin Christina Koppe-Schaller.

„Aber der Herbst hat ja auch goldene Seiten“, sagt die Expertin. Optimale Bedingungen für den Organismus herrschten bei stabilen herbstlichen Hochdrucklagen. Dann scheint der Himmel oft besonders tiefblau, die Sonne sticht nicht, große Hitze mit schwerer Kreislaufbelastung ist nicht zu befürchten.Die längeren Nächte lassen den Körper genug Schlaf finden, aber tagsüber wird es dunkler und damit das Signal für die Produktion des Wach-Hormons Serotonin allmählich schwächer. Serotonin-Mangel kann die Stimmung trüben. Licht, aufgenommen durch die Augen, ist das Signal für die Hormonproduktion. Deshalb raten Mediziner, selbst bei schlechtem Wetter nach draußen zu gehen. An ungemütlichen Tagen blieben die Menschen im Haus, aber gewöhnliches Kunstlicht könne die Sonne selbst bei trübem Himmel nicht ersetzen, sagt Koppe-Schaller.

Fehlendes Licht ist zusammen mit den sinkenden Temperaturen auch das Signal für die Vegetation, ihren Stoffwechsel auf Winter umzustellen. Bäume ziehen aus den Blättern von außen nach innen wichtige Nährstoffe heraus und lagern sie ein. Das Ergebnis ist eine bunte Farbenpracht - von gelb über orange bis tiefrot oder braun, bis die Blätter abfallen.

dpa

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