Zweite Biographie von Boris Becker

Hiebe und Liebe

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Oktoberfest statt Tenniscourt: Boris Becker und Ehefrau Lilly vor wenigen Tagen in München.

Hannover - Boris Becker und die Frauen: Der ehemals erfolgreiche Tennisstar und mehrmalige Wimbledon-Gewinner demontiert sich mal wieder selbst - leider.

Viel hat Boris Becker in seinem Leben erreicht. Viele Siege, viele Frauen, welch beschauliches Leben könnte er doch führen. Irgendwo in der Sonne liegen, gelegentlich etwas Karitatives machen oder ein Interview geben, ansonsten Kinder und Kohle genießen. Das, was man als lebende Legende halt so macht.

Doch Boris Becker ist nicht Stefanie Graf. Er braucht nicht die Zurückgezogenheit, er braucht die Öffentlichkeit. Und die unterhält er jetzt mit seiner zweiten Autobiografie. „Das Leben ist kein Spiel“ heißt das Werk, das am 30. September im Münchener Herbig Verlag erscheint. Wer sich bis dahin nicht gedulden kann: Die „Bild“-Zeitung, Beckers Haus- und Hofpostille, druckt in diesen Tagen exklusive Auszüge. Ob es darin auch um Sport geht, ist bisher nicht bekannt.

„Babs hat mich geschlagen“, lautete die Seite-1-Titelzeile zum Auftakt. Drinnen ging es um „die Scheidungsschlacht mit Barbara“. Gestern folgte das Kapitel „Sandy hat mich nur ausgenutzt“, in dem Becker über seine putzige 83-Tage-Verlobung mit Sandy Meyer-Wölden berichtet. Wie bitte? Hatte nicht Becker selbst zu Jahresbeginn gefordert, „dass man irgendwann die Vergangenheit ruhen lassen sollte“? Damals hatte seine Ex-Frau über das Verhältnis der beiden gesprochen, Becker verstimmt per Twitter geantwortet. Nun scheint ihm die Sache mit der ruhenden Vergangenheit nicht mehr wichtig.

Es ist Beckers zweite Biografie nach „Augenblick, verweile doch“ vor zehn Jahren. Und man könnte meinen, da ist er wieder, der Tennisstar im Bekenntniswahn, der die Tinte nicht halten kann und sich nahtlos einreiht in die Riege der Spitzensportler, die sich sehr früh (Turner Fabian Hambüchen mit 21 Jahren: „Die Autobiographie“) oder eher spät (Fußballer Oliver Kahn mit 34: „Nummer 1“) auf dem Markt der Selbstvermarktung tummeln mussten. Doch bei einem Weltstar ist die Fallhöhe nun mal eine andere - und der geneigte Leser der versammelten Indiskretion bald überdrüssig.

Denn längst nimmt die Öffentlichkeit den 45-Jährigen bestenfalls amüsiert in den Klatschspalten wahr. „Dieses Dekolleté ist der Knaller“, ließ sich Becker jetzt auf dem Oktoberfest zitieren; gedruckt dazu war ein Foto der tanzenden Beckers, Gattin Lilly im extremst geschnürten Dirndl. Und die Bilder vom sommersprossigen 17-Jährigen, der auf dem heiligen Rasen von Wimbledon die Fäuste in die Höhe reckt und zum Helden einer Nation wird, verblassten einmal mehr.

Weil der Held eine Selbstdemontage betreibt, die schmerzt. Ja, der Mann stand siebenmal im Wimbledon-Finale, er hat es dreimal gewonnen, dazu 46 weitere Turniere, sein Name steht für den deutschen Tennisboom der Achtziger und Neunziger. Doch die Legende degradiert sich zur Lachnummer. Denn neben den Geschichten über die Scheidungsschlacht und die Besenkammer gibt es auch andere. Die von der Liveverlobung mit Lilly auf der „Wetten, dass …?“-Couch und der auf RTL gesendeten Hochzeit etwa, von seinen gefloppten Talkshows „Becker 1:1“ und „Boris Becker meets …“, von seiner Pokerleidenschaft.

Nicht zu vergessen die Twitter-Auftritte, die mit „belanglos“ noch am freundlichsten umschrieben sind. Im Sommer postete Becker ein Foto von sich, weinglaskippend mit schlaffen Oberarmen am Hotelpool. „Wifey played Paparazzi“, schrieb er dazu. Und nicht wenige Betrachter wünschten sich nur eines: mehr Selbstachtung.

„Letztlich bleiben nur Titel in Erinnerung“, hat Boris Becker einmal gesagt. Wenn er sich da mal nicht täuscht.

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