Hochwasser in Norddeutschland

Hier fällt Weihnachten ins Wasser

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Kellinghusen - Gummi- statt Winterstiefel: In Südholstein mussten sich etliche Menschen am Mittwoch erneut mit Regenkleidung ausrüsten, um halbwegs trocken durch den Dauerregen zu kommen. Für die Einsatzkräfte gab es kaum eine Pause.

Tagelanger Dauerregen und Hochwasser haben die Einsatzkräfte im Norden zu pausenlosen Einsätzen selbst kurz vor dem Weihnachtsfest herausgefordert. Stark betroffen waren Orte an der Stör wie Kellinghusen und Wrist (Kreis Steinburg). Dort wurden tausende Sandsäcke verteilt, Keller leergepumpt und Deiche gesichert, wie Feuerwehr und Leitstelle am Mittwoch bilanzierten. Die erste Entspannung deutete sich mit nachlassendem Regen an. "Es ist ruhiger geworden", sagt ein Sprecher bei der Rettungsleitstelle West am Nachmittag. Kellinghusen sei ein Knackpunkt gewesen. Vor der Stadt fließt die Bramau in die Stör, ein Nebenfluss der Elbe.

"Das Wetter ist schon extrem. Aber auf solche Extreme müssen wir uns einstellen", resümierte Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch. "Schleswig-Holstein ist nicht nur das Land zwischen den Meeren, wir haben auch Binnenlands viel Wasser", konstatierte er. Habeck lobte die "höchst beeindruckende Einsatzbereitschaft der Menschen".

Viele hofften am Heiligen Abend auf ein Einsehen des Wettergottes. Zumindest konnte der Deutsche Wetterdienst die Unwetterwarnung vor weiterem Dauerregen für Norddeutschland aufheben. Mancherorts war sogar schon wieder blauer Himmel zu sehen und der Regen stoppte. Dennoch sollten Tiefausläufer das Wetter weiter wechselhaft gestalten, wie der DWD in Offenbach ankündigte.

Nach dem Dauerregen erreichten viele Flüsse in Schleswig-Holstein extrem hohe Pegelstände. Die Treene bei Treia musste am Mittwoch einen Abfluss von knapp 60 Kubikmeter pro Sekunde verkraften, der mittlere Abfluss liegt bei etwa 6 Kubikmeter pro Sekunde. Das teilte das Umweltministerium mit. Die Pegel am Oberlauf von Krückau, Pinnau und Stör hätten die höchsten je gemessenen Wasserstände. An einigen Stellen seien in der Nacht zum 24. Dezember kritische Situationen aufgetreten, "die bisher allesamt beherrscht werden konnten", bilanzierte Habeck.

Auch im Norden Hamburgs waren Bäche über die Ufer getreten, Stadtteile wie Duvenstedt und Lemsahl-Mellingstedt waren nach Angaben der Hamburger Feuerwehr betroffen. 140 Einsatzkräfte sicherten mit mehr als 3000 Sandsäcken Uferbereiche und verhinderten, dass Wasser in Häuser eindringen konnte.

dpa

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