Klöster in Niedersachsen

Hier herrscht nichts als Ruhe

+
Eine Bewohnerin steht im üppigen Blumen- und Kräutergarten vom heutigen Damenstift Fischbeck an der Weser.

Hannover - Sie liegen oft abseits der großen Verkehrswege, sind aber nicht selten Stätten der Hochkultur – Niedersachsens Klöster. Mehr als 360 Klöster und Stifte gab es einst zwischen der Nordsee und dem Harz. Ein Bildband stellt 40 von ihnen vor.

Der frühere hannoversche Stadtsuperintendent Hans Werner Dannowski und der Fotograf Karl Johaentges präsentieren 40 der mehr als 360 Klöster und Stifte in einem prächtigen Bildband. Zur Buchpremiere am Montag in der Marktkirche in Hannover kam sogar Ministerpräsident Stephan Weil – eine Reverenz an die Autoren, die er lange kennt.

Dannowski hat sich nicht nur die bekannten Klöster vorgenommen, wie Wienhausen bei Celle oder das Kloster Loccum, das im vergangenen Jahr sein 850-jähriges Bestehen feierte. Dannowski und Johaentges haben auch Orte aufgesucht, denen man nicht ansieht, das sie einst ein Kloster waren, wie etwa das Kloster Bersenbrück im Osnabrücker Land. „Amtsgericht“ steht heute an den Steinmauern. Mit genauem Blick begibt sich Dannowski auf Spurensuche, entdeckt den Saal, wo einst die Nonnen schliefen und erzählt im ruhigen Ton die wechselhafte Geschichte dieses Ortes, der lange Zeit auch ein Damenstift beherbergte. Nur für die Schießscharten im ehemaligen Zistersienserkloster hat der Autor keine rechte Erklärung – „die Spuren verlaufen im Sande“.

Klarer sind die geschichtlichen Spuren im Stift Fischbeck an der Weser, das seine Existenz starken Edelfrauen ­verdankt und dem Schutz deutscher Kaiser. Hier herrsche das Prinzip des großen Wurfes, schreibt Dannowski. Den Reichsadler an der Decke des Mittelschiffes ließ übrigens Wilhelm II. anfertigen, der trocken kommentierte: „So groß muss er auch nicht sein.“

Johaentges stimmungsvolle Bilder und der unprätentiöse Text Dannowskis machen Lust auf Klosterreisen. Die Klöster, merkte Ministerpräsident Weil gestern an, hätten nicht nur eine ungemein wichtige Funktion als spirituelle Zentren gehabt, sondern auch eine enorme regionalwirtschaftliche Bedeutung. Allerdings kann zu viel Symbiose mitunter auch schiefgehen. So schreibt Dannowski in seiner kurzen Einleitung über die Zisterzienser und andere Orden: „Der weltliche Erfolg wurde die Treppe zum geistlichen Absturz.“ (mit: epd)

„Klöster in Niedersachsen“, Hinstorff Verlag, 39,90 Euro, 176 Seiten ISBN 978-3-356-01544-7109

Kommentare