Netz lacht über Drogen-Tagung

Die "Highpraktiker" von Handeloh

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Handeloh - 30 Heilpraktiker und Homöopathen nahmen das verbotene Halluzinogen 2C-E und torkelten nach Angaben von Helfern durch die Gegend. Deutsche Medien berichten und die Betroffenen müssen im Internet allerlei Häme über sich ergehen lassen. Der Verband Deutscher Heilpraktiker indes distanziert sich: Üblich sei so etwas nicht.

Es war ein wohl schiefgelaufenes Experiment mit der Szenedroge 2C-E, das bei einem Heilpraktikertreffen im Kreis Harburg zu einem gefährlichen Massenrausch der knapp 30 Tagungsteilnehmer geführt hat. 150 Helfer waren im Einsatz und brachten die Betroffenen teilweise in Kliniken. Für die Betroffenen hatte der Rausch offenbar keine weiteren gesundheitlichen Folgen. Doch jetzt ermittelt die Polizei: gegen die Beteiligten laufen Ermittlungen wegen des Verdachtes des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Was ist die Droge "2C-E" eigentlich?

Die Substanz zählt wie Amphetamin zu den Phenylethylaminen, verändert die Wahrnehmung von Farben und Geräuschen und ist zudem ein sehr starkes Halluzinogen. Legal therapeutisch verwendet wird 2C-E nicht, weil nicht genügend über das Suchtpotenzial, mögliche langfristige Schäden und die Nebenwirkungen der Psychodroge bekannt ist. Die auch unter dem Namen "Aquarust" bekannte Droge ist seit 2014 nach dem Betäubungsmittelgesetz verboten.

Zudem müssen die Betroffenen im Internet allerlei Häme über sich ergehen lassen. Der Vorfall erregt bundesweit Aufmerksamkeit in den Medien, auch überregionale Nachrichtenportale wie "Spiegel Online" und "Sueddeutsche.de" ("Teufelszeug im Tagungszentrum: ...Sicher hatten sie kein Globuli eingeworfen...") berichteten – nicht ohne sarkastische Untertöne. Denn aus einer bestimmten Perspektive bestätigte der Vorfall allerlei Vorurteile, die über Heilpraktiker und Homöopathen in Umlauf sind: eine esoterische Szene mit weltfremden Vorstellungen über schamanische Heilkräuter und immer mit einem Gläschen Globoli auf Tasche.

Im Gespräch mit dieser Zeitung distanziert sich der Präsident des deutschen Heilpraktiker-Verbands indes von den Praktiken der Tagungsteilnehmer. Üblich sei so etwas nicht.

„Drogen als Therapiemittel lehnen wir ab“

Interview mit Heinz Kropmanns, Präsident des Verbands Deutscher Heilpraktiker

Herr Kropmanns, homöopatisch (also extrem verdünnt) war die Dosis doch eher nicht, die am Freitag in Handeloh die Tagungsteilnehmer konsumiert haben?

Nein, ganz sicher nicht. Ich habe von 2C-E oder „Aquarust“ aber auch noch nie gehört.

Ist es denn üblich, dass Heilpraktiker und Homöopathen in der Therapie mit bewusstseinserweiternden Drogen arbeiten?

Von Drogen als Therapiemittel distanzieren wir uns ganz deutlich. Ich bin überrascht, dass so eine Tagung überhaupt stattgefunden hat. Das muss eine ganz obskure Veranstaltung gewesen sein, vielleicht aus dem ayurvedischen Bereich. Das war ganz sicher keine Tagung von uns.

Nun heißt es aber vonseiten der Behörden, bei den Teilnehmern der Tagung habe sich um Heilpraktiker und Homöopathen gehandelt. Was waren denn das für Leute?

Zunächst einmal gibt es die Homöopathen als Berufsstand ja gar nicht. Es sind entweder Ärzte oder Heilpraktiker, die homöopathische Therapien anwenden.

Können Sie denn ausschließen, dass ein Mitglied Ihres Verbandes in Handeloh dabei war?

Der Verband Deutscher Heilpraktiker hat knapp 4000 Mitglieder. Ich kann das also nicht ausschließen. Sollte es so sein, wäre derjenige aber sicher nicht mehr lange in unserem Verband. Wir nehmen Mitglieder nicht ohne weiteres auf. Das wird sehr streng geprüft, ob derjenige die Voraussetzungen mitbringt um von uns als Heilpraktiker anerkannt zu werden.

Interview: Karl Doeleke

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