Tierische Rettung

Hildesheimer Dom-Uhu überlebt Absturz

„Der Blick ist klar, er faucht und kneift“: Werner Ziaja mit dem kleinen Uhu.

Hildesheim - Drama bei der Uhu-Familie im Hildesheimer Dom: Eines der drei Jungtiere ist gestern Morgen aus dem Nistkasten gestürzt - hat den 24 Meter tiefen Fall jedoch überlebt.

Werner Ziaja vom Wildgatter-Verein, der ein Gehege für Wildtiere am Hildesheimer Stadtrand betreibt, hat die Eule in seine Obhut genommen. Er hofft, sie durchbringen zu können. In die Freiheit oder gar zu seiner Familie dürfte der kleine Uhu aber nie wieder zurückkehren.

Erst vor zwei Tagen war bekannt geworden, dass sich in dem ursprünglich für Falken angelegten Nistkasten im Dom, der bisher auch stets von diesen Greifvögeln bewohnt war, Uhus angesiedelt hatten. Ornithologen halten den Fall für außergewöhnlich, bundesweit berichteten die Medien über die gefiederten Untermieter des Hildesheimer Bischofs. Die waren erst nach dem Schlüpfen entdeckt worden - weil der Dom gerade saniert wird und Bauarbeiter zwischenzeitlich die Webcam im Nistkasten ausgeschaltet hatten.

Freitag früh jedoch entdeckten Bauarbeiter den abgestürzten Vogel am Boden vor dem Turm. Bauleiter Markus Scherbanowitz fiel sofort Experte Werner Ziaja ein. Beide kommen aus Söhre bei Hildesheim. Ziaja eilte gleich zum Dom, wo Arbeiter und Passanten etwas ratlos um das Jungtier mit den riesigen Augen herumstanden. „Ich habe ihn dann vorsichtig hochgenommen und bin mit ihm nach Hause gefahren - schließlich braucht er ständig Futter, da konnte ich ihn übers Wochenende nicht im Wildgatter lassen“, berichtet Ziaja.

Noch sei nicht gewiss, dass sein neuer Schützling den Unfall überlebt: „Der wiegt zwei Kilo und ist 24 Meter gefallen.“ Äußerlich wirke das Tier recht fit: „Der Blick ist klar, er faucht, und er kneift mich auch mit seinem Schnabel“, berichtet Ziaja, der sich seit 25 Jahren um verletzte Wildtiere kümmert. „Allerdings legt er sich oft hin, anstatt zu stehen. Ich kann nicht sagen, ob er innere Verletzungen hat oder einfach Schmerzen.“

Immerhin: Nach ein paar fehlgeschlagenen Versuchen ließ sich der Uhu inzwischen Fleischbröckchen in den Hals stopfen, akzeptiert also die individuelle „Krankenhausverpflegung“ (ein kleiner Waschbär bekommt bei Ziaja derzeit alle zwei Stunden Milch). „Wenn er bis Dienstag durchhält, wird er vielleicht uralt“, sagt Vogelpfleger Ziaja. Allerdings nur in einer Voliere. Ziaja ist zwar Jäger - aber einem Uhu kann er das Jagen dann doch nicht beibringen.

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