Kindesmissbrauch in Spaßbad

Hildesheimer Sextäter fiel schon früh auf

Von der Überwachungskamera aufgenommen: Der Verdächtige im „Wasserparadies“.

Hildesheim - Der mutmaßliche Kinderschänder aus dem Hildesheimer „Wasserparadies“ ist schon vor sieben Jahre durch sexuelle Übergriffe in seinem Heimatdorf aufgefallen. Gestern meldeten sich die Eltern des damals betroffenen Kindes, um auf die Übergriffe hinzuweisen.

Demnach habe der damals 15-Jährige ihre Tochter auf einem Spielplatz unsittlich angefasst. Die Eltern zeigten den Jungen daraufhin an. Der 15-Jährige musste in psychotherapeutische Behandlung. Allerdings empfahlen die Psychologen, die Tat nicht weiter zu verfolgen. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gegen den Heranwachsenden daraufhin ein und teilte dies den Eltern auch schriftlich mit. „Es ist nicht zu erwarten, dass der Beschuldigte gleichgelagerte Taten begehen wird“, teilte der zuständige Staatsanwalt der Familie damals mit. Die Bockenemer, die mehrere Kinder haben und immer noch in einem Nachbardorf wohnen, ärgern sich aus diesem Grund sehr über die Aussage der ermittelnden Behörden, der heute 22-Jährige sei bisher polizeilich nicht bekannt gewesen. Ihr Vorwurf: Wenn die damalige Tat konsequenter verfolgt worden wäre, hätten die aktuellen Missbräuche vielleicht verhindert werden können.

Der 22-Jährige soll mehrere Kinder sexuell missbraucht haben. Er verging sich unter anderem an einer Neunjährigen im „Wasserparadies“. Einen Tag später lockte er ein junges Mädchen im Freibad Bockenem zu den Umkleidekabinen. Dabei wurde er beobachtet, konnte aber unerkannt entkommen. Einige Tage zuvor hatte er bereits einen Jungen und ein Mädchen missbraucht. Zu diesen Taten wollen Polizei und Staatsanwaltschaft bisher keine konkreten Angaben machen, ermitteln aber ebenfalls wegen schweren sexuellen Missbrauchs. Auf Nachfrage dieser Zeitung räumt Bernd Seemann, Sprecher der Hildesheimer Staatsanwaltschaft, ein, dass der Vorfall vor sieben Jahren den Ermittlern bekannt gewesen sei. Aber der Junge sei zur damaligen Tatzeit noch minderjährig gewesen. Das Verfahren sei deshalb nach einer Ermahnung des Jungen eingestellt worden.

Der Vorgang sei wie in derartigen Fällen üblich nach fünf Jahren gelöscht worden. In den vergangenen fünf Jahren sei der Mann, der inzwischen in Untersuchungshaft in Sehnde sitzt, nicht mehr aufgefallen. „Das kann ich ausschließen.“ Den ermittelnden Beamten soll der Mann gesagt haben, sein sexuelles Interesse an Kindern sei erst vor Kurzem über das Internet wieder geweckt worden. Bei der Durchsuchung seiner Räume fand die Polizei Kinderpornos. In diesem Zusammenhang ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft inzwischen auch gegen weitere Beschuldigte.

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