Abschiebung eines Musikers

Hilfe? Fehl am Platz

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Foto: „Gebt mir ein Leben“: Mit seinen Freunden hat Trommler Arnaud Touvoli auf Youtube ein Lied über seine Abschiebung veröffentlicht.

Hannover - Ein Pastoren-Ehepaar wirft der Regierung im Fall des nach Italien abgeschobenen Trommlers Arnaud Touvoli Untätigkeit vor. Touvoli hat nun auf YouTube ein Lied über seine Abschiebung veröffentlicht.

Die Unterstützer des nach Italien abgeschobenen Integrationspreis-Anwärters Arnaud Touvoli erheben schwere Vorwürfe gegen die Landesregierung. Sie werfen Ministerpräsident Stephan Weil, Innenminister Boris Pistorius und der Integrationsbeauftragten Doris Schröder-Köpf (alle SPD) Untätigkeit und Abwiegelung vor. „Unzählige Worte sind gesagt, unzählige Schriftstücke ausgearbeitet und Telefonate geführt und unzählige Tränen geweint, ohne dass sich irgendetwas an der bedrohlichen Situation von Arnaud Touvoli zum Positiven gewendet hätte“, schreibt Eva Paulus in einem offenen Brief an Weil und Pistorius. Stets heiße es nur, man sei nicht entscheidungsbefugt – „eine menschliche Mauer der Abwehr“, heißt es in dem Brief.Zusammen mit ihrem Mann Hans-Gerd Paulus, der als Pastor in Gilten bei Walsrode arbeitet, leitet Eva Paulus die multikulturelle Musikergruppe „Trokiwa“. Seit Herbst vergangenen Jahres war auch Touvoli dabei. Der 25-Jährige von der Elfenbeinküste war über Italien nach Niedersachsen gekommen und hatte zuletzt in Berne (Kreis Wesermarsch) gelebt.

Ende März – nur einen Tag nach einem Auftritt der Gruppe bei einem Flüchtlingswillkommenesfest in Hannover – war er nach Venedig abgeschoben worden. Dort hatte er zunächst auf der Straße gelebt. Seit einigen Wochen schläft Touvoli in der Sakristei einer kleinen christlichen Gemeinde, die von dem ehemaligen hannoverschen Pastor Bernd Prigge geleitet wird. Unterstüzung von staatlicher Seite bekommt er nicht. Nach Angaben des Landkreises handelt es sich um einen ordnungsgemäß durchgeführten „Dublin“-Fall. Nach dem Dublin-Abkommen muss ein Flüchtling sein Asylverfahren in dem EU-Land durchlaufen, in das er zunächst eingereist ist. Bei Arnaud Touvoli wäre das Italien.

Während Flüchtlingsverbände kritisieren, dass Italien kein sicheres Asylland und abgeschobene Flüchtlinge dort weder Geld noch Unterkunft erhielten, verweist das Bundesamt für Migration darauf, dass das Land trotz vorhandener Mängel und einzelner Missstände über ein funktionierendes Asylverfahren verfüge.

Nachdem Freunde berichtet hatten, wie schlecht es Touvoli in Venedig ging, hat Innenminister Pistorius am Freitag das Bundesamt für Migration gebeten, die persönliche Situation des jungen Afrikaners zu überprüfen. Es sei nachvollziehbar, dass für die Unterstützer die unterschiedlichen Zuständigkeiten zwischen Bund und Land unbefriedigend seien, ließ das Innenministerium mitteilen. Dem Land seien quasi die Hände gebunden. Allein das Bundesamt könne entscheiden, ob es im Fall Touvoli das Verfahren an sich ziehe oder nicht. Dort hieß es gestern, der rechtliche Spielraum sei in Dublin-Fällen sehr eng.

 Abschiebung verhindert: Eine Roma-Mutter aus Nordsehl bei Stadthagen, die jahrelang in Niedersachsen gelebt hatte und mit ihren Kindern zwischenzeitlich vor ihrem gewalttätigen Ex-Freund nach Dänemark geflohen war, darf jetzt bleiben, wie ihr Anwalt mitteilte. Die Rückführung nach Dänemark bleibt der Familie erspart.

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