Arbeiten un Wohnen

Hilfe für osteuropäische Arbeiter

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Oldenburg/Vechta - Die prekäre Arbeits- und Wohnsituation von osteuropäischen Arbeitnehmern gehörte in den vergangenen Wochen zu den Top-Themen in Niedersachsen. In Kürze nehmen die ersten nun geschaffenen Beratungsstellen für die Betroffenen ihre Arbeit auf.

Mit der Finanzierung gezielter Beratungsangebote will das Land die Situation von osteuropäischen Arbeitern verbessern. In wenigen Wochen starte der gewerkschaftsnahe Verein Arbeit und Leben seine Arbeit mit zwei Mitarbeiterinnen im Weser-Ems-Raum, sagte Projektleiter und Geschäftsführer der Dienststelle Oldenburg, Bernd Bischoff, der Nachrichtenagentur dpa. "Wir sollen uns schwerpunktmäßig um die Werkvertragsarbeiter kümmern", sagte er. Neben dem Büro in Oldenburg sollen die beiden Frauen - eine ist rumänische, die andere bulgarische Muttersprachlerin - in einem Kleinbus eine mobile Anlaufstelle betreiben.

In jedem Landkreis solle eine Beratung stattfinden, sagte Bischoff. Im emsländischen Sögel, Standort des größten niedersächsischen Schlachthofs mit rund 1400 Arbeitnehmern, nimmt zum 1. November eine Arbeitsstelle für Arbeitsmigranten ihre Tätigkeit auf. Nach Angaben der Samtgemeinde wird das Angebot von den Werkvertragsunternehmen des Schlachthofes finanziert, die der Gemeinde pro Mitarbeiter und Monat fünf Euro zahlen. Mit diesen rund 5000 Euro werde dann die Beratungsstelle finanziert. Die Beratung übernimmt der katholische Sozialverband Kolpingwerk. Die Caritas im Oldenburger Land biete bereits seit Ende der 80er Jahre Migrationsberatungsdienste an, sagte der Referent für Migration und Integration, Dietmar Fangmann.

Er machte keinen Hehl daraus, dass der katholische Sozialverband gerne die zusätzlichen Landesmittel bekommen hätte, die nun der gewerkschaftsnahe Verein Arbeit und Leben erhält. Die Caritas kümmere sich schon lange um die osteuropäischen Werkarbeiter. "Bereits jetzt arbeiten unsere Einrichtungen am Limit, und wir bräuchten im Grunde zusätzliche Kapazitäten", sagte er. Dennoch wolle seine Organisation gut mit dem neuen Anbieter zusammenarbeiten. "Wir haben da sehr gute Gespräche geführt", sagte Fangmann. Die Zuwanderung osteuropäischer Arbeitnehmer nach Nordwestniedersachsen werde nach Prognosen des Bundesamtes für Arbeit im kommenden Jahr noch zunehmen, sagte Fangmann. "Wir reden von 9000 Menschen, die nach Südoldenburg kommen werden."

Auch auf Menschen, die auf gut Glück in die Region kämen und auf Arbeit hofften, müsse man sich einstellen. "Es wird sich eine Struktur unterhalb der Werkarbeiter bilden", sagte er und verweist auf zum Teil unter freiem Himmel campierende Wanderarbeiter aus Rumänien und Bulgarien. Einig sind sich Bischoff und Fangmann darin, dass die Berichterstattung über Lohndumping und die Wohnverhältnisse von Werkvertragsarbeitern auch zu einer Verbesserung der Situation geführt habe. "Wir haben alle gewusst, wie Wohnheime aussehen, aber erst nachdem bei dem Brand in Papenburg zwei Tote zu beklagen waren, ist die Öffentlichkeit aufmerksam geworden. Jetzt werden die Unterkünfte kontrolliert", sagte Bischoff.

dpa

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