Nerds in Action

Hipster-Olympiade in Berlin

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Foto: Am Samstag fand die zweite Hipster-Olympiade in Berlin statt. Echte Hipsters ließen sich nicht blicken.

Berlin - Achtung, Avantgarde! Berlins coolste Szenegänger haben sich am Samstag gemessen – bei der Hipster-Olympiade. Die Hornbrillen flogen in hohem Bogen.

Erstaunlich, wie weit man eine Hornbrille werfen kann – sechs, sieben Meter bestimmt. Da applaudiert das Publikum und die Jury gratuliert zum „schönen Wurf“. Minuspunkte gibt es dagegen beim Outfit: Viele Nerds gehen viel zu glatt rasiert an den Start. Wo sind eigentlich die ganzen Vollbart-Träger aus Kreuzkölln und vom Schlesischen Tor?

Hornbrillen-Weitwurf und Jutebeutel-Sackhüpfen: Berlins Szenegänger haben sich am Samstag bei einer großen Hipster-Olympiade gemessen. Hunderte Zuschauer sahen sich das nicht ganz ernst gemeinte Spektakel auf dem Gelände des Postbahnhofs im Stadtteil Friedrichshain an. Die gute Nachricht: Manche Hauptstadt-Hipster können offenbar noch über sich selbst lachen. Die schlechte: Wirkliche Nerds und Modeopfer ließen sich kaum bei der Olympiade blicken.

Die Veranstalter hatten sich einige alberne Disziplinen ausgedacht, um das Hipstertum auf die Schippe zu nehmen - dieses merkwürdige Phänomen westlicher Großstädte wie New York, London, Barcelona oder eben Berlin. Klar ist: Hipster wollen rebellisch und individuell erscheinen. Weil sich bei ihnen aber alles ums eigene Aussehen und die neuesten Apps und Accessoires dreht, haben sie für eine echte politische Haltung keine Zeit. Schließlich muss auch noch die Miete für die Altbauwohnung im Szenekiez finanziert werden.

„Hornbrillen raus“

Viele Altberliner, die in die Randbezirke verdrängt werden, finden diese Entwicklung nicht so lustig. Deshalb war die erste Hipster-Olympiade 2011 auch als Demonstration angemeldet und richtete sich gegen Gentrifizierung und „die zunehmende Homogenisierung von Lebensstilen in Berliner Innenstadtbezirken“. Ja, zum Hipster gehört mittlerweile auch der Hipster-Hass – „Fuck you Hipsters“ heißen böse Clips auf Youtube. Auf Berliner Häuserfassaden prangt „Hornbrillen raus“.

Auch die Hipster-Olympiade 2012 sei „nicht nur Spaß und Spiel“, mahnte Veranstalter Thomas Blockus bei der Eröffnungsrede am Postbahnhof. Dann verlas der 27-Jährige das „Hipster-Manifest“. Das Pamphlet wendet sich mit einigen ironischen Forderungen an die Stadt Berlin: mehr iPhone-Ladestationen in der U-Bahn und ein Club-Mate-Springbrunnen am Rosenthaler Platz im Bezirk Mitte. Und im Techno-Club Berghain sollen bitteschön mehr Jutebeutel-Garderobenhaken angeschraubt werden.

Der Altersdurchschnitt der Hipster-Olympiade lag bei gefühlten 20 Jahren. Auffallend viele Teenager waren zu sehen – meist mit Röhrenjeans und iPhone. Um Nachwuchs muss sich der Hipster wohl keine Sorgen machen.

dpa

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