Gut Hoppenstedt

Historischem Herrenhaus droht der Abriss

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Wie geht es weiter? Als Dienstsitz für britische Offiziere wird das Gut nicht mehr gebraucht – zivil genutzt werden soll es aber auch nicht.

Bergen-Hohne - Seit wenigen Wochen steht das historische Herrenhaus Gut Hoppenstedt in Bergen-Hohne leer. Als Dienstsitz für britische Offiziere wird das Gut nicht mehr gebraucht – zivil genutzt werden soll es aber auch nicht.

Nichts erinnert mehr an die einst blühende Landwirtschaft, auch der Duft der Schafzucht ist längst verflogen, von der Schnapsbrennerei ist nichts erhalten, die mächtige Mühle an dem Flüsschen Meiße längst abgetragen - dennoch ist der Wohlstand hier noch immer zu erkennen: Das Gut Hoppenstedt am Ostrand des Truppenübungsplatzes Bergen beeindruckt seit mehr als 100 Jahren durch seine Größe, seine einzigartige Bauweise und einen Park, wie es ihn in der Heide nur selten gibt. Dennoch ist vielen Heidjern bange zumute, wenn sie an die Zukunft des Herrenhauses denken. Seit wenigen Wochen steht es leer, ein neuer Nutzer ist nicht in Sicht, und der Bund als Eigentümer sucht nach einer Antwort auf die Frage: erhalten oder abreißen?

Seit 1946 war das Gut Hoppenstedt fest in britischer Hand. Dem ranghöchsten Offizier in der britischen Garnison Bergen-Hohne stand der Herrensitz als Dienstwohnung zu. Dutzende von Brigadekommandeuren wussten den Komfort des zweieinhalb geschossigen Hauses zu schätzen. Brigadier James Woodham war der bisher letzte Bewohner des Gutes. Er ist nach Großbritannien versetzt worden, seine Brigade wird in diesem Jahr aufgelöst. Weil die britischen Streitkräfte Deutschland den Rücken kehren, haben sie keinen Bedarf mehr für ein repräsentatives Herrenhaus in der Heide. „Wir wissen nicht, was mit Gut Hoppenstedt passieren wird“, sagt Hugh Pierson, der noch als Verbindungsoffizier in Bergen-Hohne tätig ist. Künftig sei die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) zuständig.

Im Staatseigentum befindet sich das Gut seit Anfang 1935. Damals richtete Hitlers Wehrmacht den Truppenübungsplatz Bergen ein und vertrieb zahlreiche Bauernfamilien von ihren Höfen. Immerhin, wer sein Hab und Gut aufgeben musste, wurde ordentlich entschädigt. Unter der Regie des Militärs veränderte das Gut Hoppenstedt ab 1936 sein Gesicht, radikal und schnell: Übrig blieb nur das Herrenhaus. So konnte dem ersten Kommandanten des Truppenübungsplatzes Bergen, Generalmajor Otto Schünemann, Mitte 1935 ein Dienstsitz angeboten werden, der nicht nur repräsentativ war, sondern seinen Nutzern geradezu luxuriösen Komfort bot. Noch heute lassen die Empfangsräume und die Wohnzimmer mit ihrem kunstvoll verlegten Parkett erahnen, wie wohlhabend die früheren Gutsbesitzer gewesen sein müssen. Auch der Konzertflügel im einstigen Musikzimmer erinnert noch an den Glanz vergangener Tage.

Wie viele Wehrmachtsgeneräle mit ihren Familien auf Gut Hoppenstedt residiert haben, ist nicht bekannt. Generalleutnant Hans von Boineburg-Lengsfeld zog im Februar 1945 als letzter ein und blieb gut zwei Monate - bis Mitte April 1945 der Krieg in der Heide zu Ende war und er von alliierten Soldaten gefangen genommen wurde.

Heimat­historiker wie Hinrich Baumann in Oerbke bei Bad Fallingbostel und Hermann von der Kammer in Wardböhmen bei Bergen sind in jüngster Zeit tief in die Vergangenheit des Gutes eingetaucht. Sie können nachweisen, dass der Hof im Jahre 1380 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Offensichtlich waren die Hoppenstedts als Bauern beim Herzog in Celle sehr angesehen. Er erließ der erfolgreich wirtschaftenden Bauersfamilie jedenfalls im 16. Jahrhundert die Lehenszahlung.

Warum das Gut dennoch in eine große Krise geriet und im Sommer 1809 unter den Hammer kam, ist nicht bekannt. Seither hat die Familie Hoppenstedt auf ihrem Stammsitz nichts mehr zu melden. Aber in den umliegenden Dörfern im Landkreis Celle und auch in der Region Hannover sind die Hoppenstedts seit mehr als 500 Jahren präsent - nicht nur als kompetente Bauern, sondern auch als engagierte Kommunalpolitiker und Unternehmer. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es sie jetzt auf Gut Hoppenstedt zurückzieht, denn das Militär wacht penibel darüber, dass der Schießbetrieb auf dem Truppenübungsplatz uneingeschränkt fortgesetzt wird und eine dauerhafte zivile Nutzung von Herrensitzen und Ländereien möglichst unterbleibt.

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