Kreis Hameln-Pyrmont

Hochlandrinder sind weiter auf der Flucht

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Immer noch nicht eingefangen: zwei der sieben Hochlandrinder.

Hameln - Sie sind immer noch weg. Von ursprünglich 20 von einer Weide entlaufenen schottischen Hochlandrindern im Kreis Hameln-Pyrmont sind immer noch sieben auf der Flucht. Die scheuen Tiere lassen sich nicht einfangen.

Seit zehn Tagen genießen sie ihre Freiheit und grasen die Umgebung rund um Hameln ab: Die ausgebüxten Hochlandrinder eines Landwirts aus Fischbeck. Seit Tagen verunsichern die Tiere, die mit ihrem urwüchsigen, zotteligen Auftritt geeeignet sind, Passanten zu erschrecken, das Weserbergland. Obwohl nur noch sieben von ehemals dreizehn Rindern auf der Flucht sind.

Das Fluchtdrama nahm vor 14 Tagen seinen Ausgang. Die sieben Highland-rinder waren am 2. Mai gemeinsam mit 13 weiteren Artgenossen von einer Weide oberhalb von Höfingen (bei Fischbeck) ausgebüxt, vermutlich dank einer schlechten Umzäunung. Während die meisten Rindviecher nach etwa 24 Stunden wieder eingefangen werden konnten, sind die jetzt noch umherirrenden Hochlandrinder auf Wanderschaft gegangen. Und sie sind sehr schwer zu fassen.

Am Donnerstag wurden sie in Hameln oberhalb des Rotenbergs gesehen. „Wir waren erschrocken, als plötzlich so ein großes Vieh vor uns stand“, sagt Anne Vahlendiek. Gemeinsam mit zwei Freundinnen war die 77-Jährige vor acht Uhr an einem Forsthaus zu einer Walkingtour gestartet. Am Sonnabendnachmittag entdeckte der Polizeibeamte Jens Petersen die Rinder südlich von Pötzen bei Hessisch-Oldendorf - in der Nähe ihrer ursprünglichen Weide. Die Tiere waren offenbar zurückgetrottet. Der Oberkommissar machte gerade einen Waldlauf, als ihm die Tiere über den Weg liefen. Er informierte sofort seine Kollegen, die den 61-jährigen Rinderhalter verständigten. Doch, zu spät: Die Highlandrinder waren wieder verschwunden. Am späten Nachmittag wurden sie bei Holtensen nahe Hameln gesichtet.

So beschäftigt seit Tagen die ausgebüxte Herde Polizei, Ordnungsamt und Kreisveterinäramt. Kurz nach der Rinderflucht nahm sogar Hauptkommissar Wolfgang Römer, Leiter der Polizeistation Hessisch Oldendorf, die Zügel in die Hand und betätigte sich als Fährtensucher. Er fand Kuhfladen und folgte einer Spur im niedergetretenen Gras. Bereits nach einer halben Stunde spürte der Beamte die Ausreißer in einem Wald auf.

Doch da erst begannen die Probleme. Wie bringt man ein freiheitsliebendes, schottisches Hochlandrind zurück zur Weide? Mit härteren polizeilichen Mitteln? Es soll bereits über den Einsatz eines Betäubungsmittelgewehrs nachgedacht worden sein. Doch niemand wagte vorherzusagen, wie sich die übrigen Tiere verhalten würden, wenn ein Rindvieh von einem Pfeil getroffen einfach zusammensackt? Zwischenzeitlich sollten es sogar Cowboys aus Nordhessen richten. Doch der Plan zerschlug sich.

Solange die Highlandrinder im Wald bleiben, geht von ihnen keine Gefahr aus. Polizei und Ordnungsamt hoffen, dass sie nicht weiterziehen, sich Straßen nähern und vor Autos laufen. Als letztes Mittel bliebe nur die Erschießung der Rinder. „Das wollen wir aber nach Möglichkeit vermeiden“, heißt es in Hameln.

Von Ulrich Behmann

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