Hitzacker und die Flut

Was vom Hochwasser bleibt

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Auf Plakaten an den Straßen danken die Einwohner im Hochwassergebiet den Fluthelfern für ihren Einsatz.

Hitzacker - Am Sonntag feierten sie in Hitzacker einen Dankgottesdienst: Dort ist das Schlimmste überstanden, rund 3000 Hochwasserhelfer rücken wieder ab, der Katastrophenalarm ist bereits aufgehoben. Besuch in einer Flutregion, wo sich manch einer die Frage stellt: Was bleibt vom Hochwasser?

Die Katastrophe ist vorbei. Die Deiche im Landkreis Lüchow-Dannenberg sind sicher. Zu dieser Einschätzung kam am Sonntagmorgen Landrat Jürgen Schulz und erklärte den Notstand für beendet. Die mehr als 3000 Einsatzkräfte rückten noch im Verlauf des Tages ab. Sie lassen ein großes Gefühl der Dankbarkeit und über eine Million Sandsäcke auf den Deichen zurück. Für die Einwohner beginnt nun das große Aufräumen.

„Die Pegelstände sinken, die Anspannung lässt nach. Was bleibt, wenn das Wasser gegangen ist?“, fragte Pastor Jens Rohlfing beim „Wiedereinräum-Gottesdienst“ in Hitzacker, in dem Sandsäcke auf dem Altar lagen. Zum ersten Mal seit der Evakuierung konnte Rohlfing wieder auf der Stadtinsel predigen. Noch am späten Sonnabend war das Betretungsverbot für die Altstadt aufgehoben worden, nachdem der Pegel unter den kritischen Wert von 7,46 Meter gefallen war. „Das Hochwasser hat das frei gespült, was wirklich wichtig ist: den Zusammenhalt zwischen den Menschen“, sagte Rohlfing. Er dankte den Einsatzkräften, die den Kampf gegen die Wassermassen unterstützten. Zu Spitzenzeiten waren das allein im Landkreis Lüchow-Dannenberg 3500 Helfer am Tag.

„Diese Elbeflut hätten wir ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer nicht bewältigen können“, sagte auch Landrat Schulz. Am Sonntag verließen die letzten Einsatzkräfte den Landkreis. Einheiten der Bundeswehr bleiben allerdings in Rufbereitschaft, sollte sich die Situation wieder verschlechtern. „Das Hochwasser steht weiterhin an den Deichen, die Deichsicherungsarbeiten sind aber in fast allen Bereichen abgeschlossen“, erklärte der Landrat.

Der Elbe-Pegelstand geht derzeit nur langsam zurück, weil viel Wasser aus der Havel nachfließt. Der Wasserspiegel sinkt täglich aber um bis zu 20 Zentimeter. Erst am Mittwoch rechnen die Experten mit einem deutlichen Rückgang. Zum Ende der Woche dürfte dann auch die letzte Gefahr eines Deichbruchs gebannt sein.

Die Situation im Landkreis normalisiert sich langsam. Die Schulen öffnen spätestens am Mittwoch wieder. Im teilweise überfluteten Ort Höhbeck-Vietze sind wieder alle Einwohner an Kanalisation und Strom angeschlossen. „Wie hoch die Schäden durch das Hochwasser im Landkreis sind, ist noch nicht absehbar“, sagte ein Sprecher der Einsatzkräfte. Auf den Deichen im Landkreis liegen noch immer Hunderttausende Sandsäcke, die nach und nach abgeräumt werden müssen. Bis zu 1,5 Millionen Stück wurden während des Einsatzes verbaut. Bei Wulfsahl kam es dabei zu einem Zwischenfall: Mehrere Einsatzkräfte zeigten zum Teil schwere allergische Reaktionen – vermutlich in Zusammenhang mit dem dortigen Befall durch Eichen-Prozessionsspinner, einer Nachtfalterart. Die Arbeiten mussten unterbrochen werden, die Helfer wurden behandelt. Gefährlich für Einsatzkräfte, Bevölkerung und Tiere ist auch der Kontakt mit dem Hochwasser. Das Robert-Koch-Institut warnt vor Krankheitserregern in dem durch Fäkalien verdreckten Wasser. Vielerorts wurden Abwassersysteme überflutet.

Von Christian Link

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